""

Hungerstreik vor der Allianz: Mutter will Geld und Gerechtigkeit für behinderten Sohn

Chef der Versicherung zeigt Verständnis – und verweist auf ehemaliges Vergleichsangebot.

Claudia und Daniel Bernert (Foto: privat)

Claudia und Daniel Bernert (Foto: privat)

Heute morgen in München: "Allianzopfer im Hungerstreik" (Foto: Bernert)

Heute Morgen in München: „Allianzopfer im Hungerstreik“ (Foto: Bernert)

Mit einem Hungerstreik vor dem Hauptgebäude der Allianz-Versicherung kämpft Claudia Bernert für mehr Geld für ihren behinderten Sohn. Am Montag schlug sie dort ihr Protestcamp auf, künftig will sie jeden Tag von 10.00 Uhr an dort demonstrieren.

Dabei werde die Mutter Rot tragen, heißt es auf der Kampagnen-Webseite „Helft Daniel Bernert“: „Rot, die Farbe der Energie, des starken Willens und Durchhaltevermögens – als Zeichen ihrer Aktivität. Jeder ist dazu eingeladen, sie zu unterstützen und in dieser Zeit ebenfalls rot zu tragen, um gemeinsam etwas zu bewegen.“

Hintergrund der Aktion ist ein jahrzehntelanger Rechtsstreit mit der Allianz. Ihr inzwischen 30-jähriger Sohn Daniel ist schwerstbehindert, als Grund dafür gibt Bernert Sauerstoffmangel bei der Geburt an. Schuld seien der entbindende Frauenarzt und die Hebamme, die beide bei der Allianz versichert seien. „Wir kämpfen für Gerechtigkeit und ein Gehör“, schreibt die Kämpferin aus Immenstadt im Allgäu auf den Flyer, die sie vor dem Versicherungsgebäude verteilt.

„Wenn es zu keiner gerechten Lösung kommt,“ so Bernert, bedeute das, „dass Daniel sein ganzes Leben durch die Krankenkassen und die öffentliche Hand finanziert werden muss. Im Klartext, wir alle kommen mit unseren Beiträgen und Steuern dafür auf, dass die skrupellosen Versicherungen sparen können.“

Allianz bot 1,8 Millionen Euro

Vor der Allianz-Zentrale verteilter Flyer (Foto: Bernert)

Vor der Allianz-Zentrale verteilter Flyer (Foto: Bernert)

Der Chef der Allianz Versicherungs-AG, Alexander Vollert, zeigte Verständnis für die Aktion. Das Schicksal des jungen Mannes gehe ihm als Familienvater nahe, erklärte der Manager in einer Mitteilung. Er könne auch gut nachvollziehen, dass die Mutter sich Sorgen um ihren Sohn mache und verstehe ihre persönliche Haltung.

Umso mehr bedauere er, dass die Familie nicht auf mehrfach ausgesprochene Vergleichsangebote des Versicherers eingegangen sei. „Diese lagen mit einer Summe von 1,8 Millionen Euro um ein Vielfaches höher als die nun gerichtlich festgestellten Zahlungen“, erklärte Vollert.

Claudia Bernert, die seit vier Jahren verwitwet ist, verlangt von der Allianz eine angemessene finanzielle Unterstützung, damit sie die teure 24-Stunden-Pflege für ihren schwerstbehinderten Sohn bezahlen kann. Der Streit mit der Allianz führte sogar schon vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Internet:
Homepage zur Protestaktion
Facebookseite zur Protestaktion

(RP/dpa/lby)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • Maik

    Ich drücke die Daumen, dass sie das bekommen was den jungen Mann zusteht!!!!
    Ich kämpfe auch seit 18 Jahren um mein Versicherungsgeld, um welches mich ein Anwalt betrogen hat!

    7. Juli 2014 at 16:15
  • Alexander Hader

    Wenn ich den Namen Allianz schon höre, bekomme ich Brechreiz …….

    7. Juli 2014 at 16:49
  • Robin Hood

    Die Allianz sagt hier leider nicht die Wahrheit. Tatsächlich hat sie der Familie Bernert nur ein Vergleichangebot gemacht und das erst nach 22 Jahren Rechtsstreit kurz vor dem letzten BGH Entscheid.
    1,8 Mio. ist eine große Summe. Aber wenn man genau nachrechnet wie hoch der Mehraufwand ist, um ein stark behindertes Kind großzuziehen, dann merkt man schnell, wie schnell das Geld weg ist.

    Außerdem wäre der größte Teil der Summe an die Sozialversicherungsträger gegangen, die auch für die Pflege von Daniel aufkommen. Für Daniels Zukunft hätte der Rest der Summe weniger als 10 Jahre gereicht.

    Es ist verstaändlich, dass die Familie diese vermeintlich gut klingende Angebot nicht akzeptieren konnte.

    8. Juli 2014 at 07:09

KOMMENTAR SCHREIBEN