""

Husch, husch, ins Grab: Das sind die größten Gesundheitsrisiken

Neun Millionen Tote im Jahr 2010 durch Bluthochdruck, drei Millionen durch Übergewicht – eine große Studie stellt die größten Lebensgefahren dar. Und wer war eigentlich Husch Husch?

Das Grab wartet – hoher Blutdruck, Rauchen und Alkohol sind die weltweit drei größten Gesundheitsgefahren (Foto: Manuel Schlarmann/pixelio.de)

Die drei größten Totmacher

Hoher Blutdruck ist einem neuen Bericht zufolge die weltweit größte Gesundheitsgefahr, gefolgt von Rauchen und Alkohol. Die drei Faktoren haben sogar Hunger im Kindesalter als Risiko überholt, wie es in der „Global Burden of Disease Study 2010 (GBDS 2010)“ heißt. Nach den Statistiken starben weltweit mehr als neun Millionen Menschen 2010 an den Folgen von Bluthochdruck.

Zehn Jahre nach dem ersten Bericht in dieser Form wurde die neue Studie am Donnerstag in London vorgestellt und von der Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. 486 Autoren aus 50 Nationen haben mitgearbeitet. Daten aus 187 Länder wurden unter die Lupe genommen. Unter anderem ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt.

Fettleibigkeit immer mörderischer

In den vergangenen zehn Jahren ist den Statistiken zufolge Fettleibigkeit zum großen Problem geworden. Lag diese 1990 noch auch Platz 10, ist sie nun auf Platz 6 in der Welt. Mehr als 3 Millionen Todesfälle seien 2010 auf einen zu hohen Body-Maß-Index (BMI) zurückzuführen gewesen. Besonders problematisch ist die Lage demnach in Australien und Lateinamerika. In Südasien gehört Luftverschmutzung durch schädliches Heizmaterial weiterhin zu den größten Risiken.

Lebenserwartung Neugeborener gestiegen

Deutliche Fortschritte gibt es bei der durchschnittlichen Lebenserwartung Neugeborener: Sie hat sich seit 1970 bei den Männern um 11,1 Jahre auf 67,5 Jahre erhöht. Bei Frauen gab es sogar ein Plus von 12,1 auf 73,3 Jahre. Die höchste Lebenserwartung der Welt hatten im Jahr 2010 Frauen in Japan mit 85,9 Jahren und Männer in Island mit 80 Jahren. Für Deutschland werden für 2010 in den Statistiken 82,8 Jahre für Frauen und 77,5 Jahre für Männer genannt.

Rückgang bei Kindersterblichkeit

Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren sind im weltweiten Vergleich seit 1970 um 60 Prozent zurückgegangen. Die Forscher stellten aber auch fest, dass mehr junge und mittelalte Erwachsene an Krankheiten und Verletzungen sterben. Die längere Lebenserwartung bringt zudem ein längeres Leben mit Krankheiten mit sich. Bei einem detaillierten Blick auf die Länder wird den Experten zufolge deutlich, dass die große Lücke bei der Lebenserwartung zwischen reichen und armen Regionen noch genauso groß ist wie vor 40 Jahren.

Krankheiten variieren nach Region

Auch bei den Krankheiten variierten die Gefahren in den unterschiedlichen Regionen der Welt stark, erklärte Majid Ezzati vom Imperial College London, der an dem Bericht mitgearbeitet hat. „Insgesamt können wir aber eine wachsende Belastung für Risikofaktoren erkennen, die bei Erwachsenen zu chronischen Krankheiten führen, wie Krebs, Herzproblemen und Diabetes. Gleichzeitig sinkt der Druck durch Risiken, die mit Infektionskrankheiten bei Kindern in Verbindung gebracht werden.“

Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Armut seien an den meisten Orten gesunken, zum Beispiel in Asien und Lateinamerika. In Afrika südlich der Sahara seien sie aber weiter die größte Sorge.

Gesundheitsrisiken lassen sich reduzieren

„Die gute Neuigkeit ist, dass wir sehr viel tun können, um die Gesundheitsrisiken zu reduzieren“, sagte Ezzati. Im Kampf gegen Bluthochdruck etwas müsse der Salzgehalt von Lebensmitteln gesenkt und der Zugang zu frischem Obst und Gemüse verbessert werden. Mangelernährung sei in den vergangenen zehn Jahren weniger geworden. In Afrika sei dies sie aber weiterhin ein großes Problem.

Wer war eigentlich Husch Husch?

Anlässlich unserer Überschrift ein kleiner Ausflug in die Geschichtsbücher bzw. zu Wikipedia: Wer war Husch Husch?

Der Mann kam aus Wuppertal und hieß mit bürgerlichem Namen Peter Held. Er war ein bärtiger Hausierer. Geboren am 2. August 1886, soll er laut der Legende einer Pastorenfamilie abstammen und Bruder eines berühmten Hals-Nasen-Ohren-Arztes gewesen sein; tatsächlich war er der Sohn eines Tagelöhners. Nach dem Tod des Vaters 1920 verließ er seine Wohnung und ging – wie er sagte – „auf die Walz“.

In den 1930er Jahren zog er mit seinem Pappkarton umher, der zu seinem Markenzeichen geworden war, und verkaufte Kleinwaren. Er wurde schnell zornig, wenn man ihm nichts abkaufen wollte, daher gingen ihm viele aus dem Weg. Er hatte zudem ein angespanntes Verhältnis zu den Ordnungsbehörden und wurde wiederholt durch Pöbeleien und Beleidigungen auffällig. Bei seinen Wegen wurde er mit den Rufen „Husch Husch“ von Jugendlichen gehänselt, worüber er sich erwartungsgemäß lautstark aufregte. Er hasste diesen Spottnamen zutiefst und reagierte sehr aggressiv. Dennoch fand er als Stadtoriginal Aufnahme in das Herz der Bevölkerung.

Als er im März 1936 in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, versammelte sich eine große Menschenmenge an der Pforte, die sich, aufgeschreckt von einem Gerücht über sein baldiges Ableben, nach seinem Befinden erkundigen wollten. Das Krankenhaus sah sich aufgrund des großen Andrangs genötigt die Presse zu bitten, eine Mitteilung abzudrucken, wonach es sich nur um eine leichte Erkrankung handelte.

Am 2. November 1937, in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde er wegen Bettelei und Landstreicherei verurteilt und verbüßte sechs Wochen Haft in der Justizvollzugsanstalt Bendahl, danach weitere zwei Jahre in Nachhaft. Nicht zuletzt seine Respektlosigkeit und seine schlagfertigen Pöbeleien gegenüber der Polizei und den nationalsozialistischen Ordnungshütern, die von Teilen der Bevölkerung mit heimlichem Schmunzeln gesehen wurde, trugen zu der harten Strafe bei.

Husch Husch wurde das letzte Mal in der Elberfelder Bombennacht von Juni 1943 gesehen, danach verliert sich jedes Lebenszeichen. Augenzeugen berichteten von seinem Tod in seiner zerbombten Wohnung, andere dagegen wollten gesehen haben, wie er mit schweren Verletzungen gerettet wurde. Seine Schwester Maria berichtete, ihn nach dieser Nacht nie mehr gesehen zu haben. Laut einem Aktenvermerk der Stadt Wuppertal soll er am 28. November 1953 in der Psychiatrischen Klinik Galkhausen in Langenfeld gestorben sein. In den Klinikarchiven fanden sich bei einer Recherche im Jahr 2003 aber keine Akten über einen Patienten Peter Held, so dass sein Schicksal ungeklärt bleibt.

(dpa/RP)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN