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Ich bin ein Psycho, holt mich hier raus: Depression kann jeden treffen

Ein Patientenkongress will Betroffenen helfen und die Öffentlichkeit sensibilisieren – 1500 Teilnehmer erwartet.

Patientenkongress: „Wir wollen den Betroffenen und ihren Angehörigen Stimme und Gesicht geben“ (Foto: C Falk/pixelio.de)

Patientenkongress: „Wir wollen den Betroffenen und ihren Angehörigen Stimme und Gesicht geben“ (Foto: C Falk/pixelio.de)

Jeder zweite Deutsche ist nach Expertenangaben mindestens einmal im Leben intensiver mit dem Thema Depression konfrontiert – entweder als Betroffener oder als Angehöriger.

Das gilt auch für Mitarbeiter von ROLLINGPLANET, die sich schon öfter als Psychos geoutet haben, zum Beispiel hier: Treppen, Türen, Toiletten: Dr. med. Istmirdochegal oder Wie ein Ex-depressiver Post-Polio-Nicht-Karrierist ROLLINGPLANET aufmischt.

„Depression kann jeden treffen, unabhängig von sozialem Status oder Bildung“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl.

Um Betroffenen zu helfen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, veranstaltet die Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression und der Deutschen Depressionsliga an diesem Sonntag (1. September 2013) in Leipzig den 2. Deutschen Patientenkongress Depression. Erwartet werden etwa 1500 Teilnehmer.

„Stimme und Gesicht geben“

„Wir wollen den Betroffenen und ihren Angehörigen Stimme und Gesicht geben“, sagte Hegerl. Er leitet an der Universität Leipzig die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (siehe auch: Depressionen erkennen und loswerden – 5 wichtige Fragen und Antworten).

In Deutschland leiden der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zufolge etwa vier Millionen Menschen unter einer behandlungsbedürftigen Depression. Oft werde von einer Zunahme der Fallzahlen gesprochen, epidemiologische Untersuchungen lieferten darauf aber keinen Hinweis, so Hegerl.

Was ansteige, sei ihre Zahl in den Statistiken der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger. „Das liegt daran, dass heute Depressionen besser diagnostiziert werden und sich immer mehr Menschen Hilfe suchen.“

Burnout als Ausweichdiagnose

Früher seien Patienten häufiger wegen der körperlichen Beschwerden, die Depressionen oft begleiten, behandelt worden – zum Beispiel Tinnitus oder chronischen Rückenschmerzen.

„Betroffene waren viel isolierter, ihre psychische Erkrankung wurde hinter Scheindiagnosen versteckt“, sagt der Professor. „Heute ist Burnout als Ausweichdiagnose modern geworden.“

Inzwischen sei der Umgang mit dem Thema Depression viel offener. Auch die Versorgung Erkrankter sei in den vergangenen Jahrzehnten besser geworden. Deutschland habe trotz der teils langen Wartezeiten im europäischen Vergleich ein vorbildliches Netz für die Versorgung psychisch Kranker.

Letzteres findet ROLLINGPLANET zwar nicht (siehe unser eingangs erwähntes Outing) – aber unsere betroffenen Kollegen haben trotzdem den Weg aus der Depression geschafft: Als Mitglied des ROLLINGPLANET-Teams, das zusammenhält. Egal ob Psycho oder nicht.

Internet: Infos zum Patientenkongress

(RP/dpa)

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