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Ich glaub’ ich steh’ im Wald: Die neue „Aida Stella“ vor dem Start

Die Betreiber setzen auf Wellness, Birkenbäume – und Blindenschrift. Alles wirkt eine Spur kühler, aber auch edler als auf den bisherigen Schiffen. Ein Rundgang von Michael Zehender.

Aida Stella: Auf hoher See mitten in einem Wald (Foto: Aida Cruises)

Aida Stella: Auf hoher See mitten in einem Wald (Foto: Aida Cruises)

Die Architekten auf der „Aida Stella“ haben an alles gedacht. In der Wellnessoase mussten unbedingt Birkenbäume stehen. Aber natürlich sollten auch Allergiker keine Probleme an Bord bekommen. So wurden kurzerhand sogenannte mumifizierte Bäume eingepflanzt – ein Zwischending zwischen künstlich und echt. Das Ganze hat den Vorteil, dass sie niemand gießen muss – „nur abstauben sollte man hin und wieder nicht vergessen“, sagt Hoteldirektor Michael Strauss mit einem Lachen.

Am 16. März wird mit der „Stella“ das zehnte Schiff der Kussmundflotte in Warnemünde getauft. Der Neuzugang bietet für Stammgäste viel Altbekanntes. Das Schiff ist baugleich mit den Vorgängerinnen. Die Unterschiede liegen in der Farbgebung sowie einigen Details, wie ein Rundgang über das Schiff zeigt.

Skandinavisches Design statt Violett

Skandinavisches Lebensgefühl statt Violett (Foto: Aida Cruises)

Diese Einrichtung in violett wäre zu grausam (Foto: Aida Cruises)

Viele Teile des Schiffs sind in skandinavischem Design gestaltet. Braun-, Beige und Grüntöne dominieren. In den Kabinen wurde zum Beispiel das auf den älteren Schiffen dominierende Violett entfernt. Das Mobiliar ist in hellen Brauntönen gehalten, der Aida-typische Baldachin über den Betten ist beige, ebenso die Betten und der Teppichboden. Alles wirkt zwar eine Spur kühler, aber auch edler als auf den bisherigen Schiffen, die teilweise verspielt und flippig daherkommen.

1097 Kabinen beherbergt das Schiff. Wie auf den Vorgängern gibt es auch auf der „Stella“ 34 sogenannte Spa-Kabinen, die einen direkten Zugang zum Spa-Bereich ermöglichen. Dadurch entsteht laut Strauss quasi ein Wellnesshotel im Hotelschiff.

Hinweisschilder in Blindenschrift

Das Thema Skandinavien dominiert vor allem im Wellnessbereich. Die Fliesen sind cremefarben, das Mobiliar aus Holz, dazwischen gibt es ein paar Farbtupfer in Grün. An den Wänden des Ruhebereiches hängen Bilder von Bäumen – wie sollte es anders sein: Birken. Der Besucher fühlt sich auf hoher See mitten in einem Wald.

Neben der Farbgebung wurden kleine Details verändert. Eines davon dürfte für manche ROLLINGPLANET-Leser/innen indes ein ganz großes und wichtiges sein: An vielen Stellen des Schiffs wurden Hinweisschilder in Blindenschrift angebracht. Die kosten weder viel, noch stören sie sehende Menschen – ermöglichen es aber der „Aida Stella“, im hart umkämpften und lukrativen Markt der Kreuzfahrten eine neue Zielgruppe anzusprechen, so wie es MSC Kreuzfahrten schon seit einiger Zeit macht.

Braille-Hinweisschilder auf einem MRC-Schiff (Foto: MRC)

Braille-Hinweisschilder auf einem MRC-Schiff (Foto: MRC)

Deren Flotte hat sich ebenfalls auf behinderte und blinde Kunden eingerichtet. Auf den MSC-Schiffen, für die mit Barrierefreiheit geworben wird, gibt es Braille-Anzeigen auf allen Kabinentürbeschilderungen, den Treppengeländern auf der Landungsebene, den Aufzugknöpfen und den Richtungsanzeigern in den Passagier-Korridoren. Außerdem sind die Aufzüge mit Licht- und Sprachanzeigen ausgestattet.

Zurück zur „Aida Stella“: Eine kleine – aber für Stammgäste wesentliche – Veränderung zeigt sich auf den Emporen rund um das Theatrium. Die Ausflugscounter wurden zusammengelegt und dafür die Anzahl der Kuschelmuscheln erhöht. „Die sind so beliebt, dass wir noch mehr einbauen mussten“, so Strauss. Zusammen mit dem beige-braunen Teppichboden sorgt das für zusätzliche Gemütlichkeit – gerade an Tagen, an denen die Passagiere nicht auf die Außendecks können.

Im Theatrium erleben die Gäste 13 neue Shows. Darunter ist die eigens für das neue Schiff gestaltete „Utopia“-Show mit opulenten Kostümen. Auch Michael Jackson wird in einer Show gehuldigt.

Hofbräuhaus-Feeling auf hoher See

An Bord der Aida Stella werden drei Biersorten gebraut (Foto: Aida Cruises)

An Bord der Aida Stella werden drei Biersorten gebraut (Foto: Aida Cruises)

Acht Restaurants stehen Passagieren auf der „Stella“ zur Wahl: neben dem „Marktrestaurant“ das „Bella Donna“, das „East Restaurant“, das „California Grill“, das Sushi-Restaurant, das „Bufallo Steak House“, das „Rossini“ und das „Brauhaus“. Dort weht den Gästen zusammen mit eine Prise Hopfen und Malz in die Nase.

Das ausgeschenkte Bier wird an Bord gebraut. Drei Sorten stehen zur Auswahl, darunter ein extra für die „Stella“ kreiertes rote Bier. Es wird in eigenen Gläsern serviert, die passend zur Anzahl der Aida-Schiffe mit zehn Swarovski-Kristallen besetzt sind.

Hollywood-Feeling kommt dagegen zwischen den Bordshops auf. Dort haben die Architekten einen Walk of fame installiert. In den Boden eingelassene Sterne zeigen aber nicht Filmstars, sondern eben die zehn bisherigen Aida-Schiffe.

Kaum Neues – aber umweltfreundlicher

Für die Passagiere gibt es auf der „Aida Stella“ kaum Neues, für Kapitän Nico Berg dagegen umso mehr – und das, obwohl er bereits ein alter Hase auf Aida-Schiffen ist. Er hat schon zwei Auslieferungen mitgemacht und ist auf den Schwesterschiffen der „Stella“ gefahren. „Wir haben einige technische Neuerungen“, erklärt der 38-Jährige. Dazu gehört zum Beispiel ein System, das das zum Stabilisieren des Schiffs benötigte Ballastwasser vor dem Ausleiten ins Meer keimfrei filtert.

„Für mich ist es schon ein emotionaler Moment, das Schiff übernehmen zu dürfen“, sagt Berg, dem bei seinen Passagier-Ansprachen echte Entertainment-Qualitäten nachgesagt werden. „Das erste Schiff der Baureihe habe ich mit übernommen, und jetzt das letzte.“ Die Routen der Premierensaison sind wie gemacht für Berg, der eigentlich Däne ist, aber Hamburg als seine Heimat bezeichnet.

Jungfernfahrt nach Nordeuropa

Das Schiff ist baugleich mit den Vorgängerinnen (Foto: Aida Cruises)

Das Schiff ist baugleich mit den Vorgängerinnen (Foto: Aida Cruises)

Am 17. März bricht die „Stella“ nach der Taufe in Warnemünde passend zur skandinavischen Einrichtung zur Jungfernfahrt nach Nordeuropa auf. Danach stehen viertägige Kurztrips ab Hamburg auf dem Programm, bevor es auf zwei jeweils 14-tägige Routen nach West- und Nordeuropa geht.

„Ich liebe das Farbenspiel der auf- und untergehenden Sonne auf dem Meer“, sagt Berg. „Und das ist nirgends so faszinierend wie in Skandinavien.“ Ein Weiteres kommt hinzu: „Mein absoluter Lieblingshafen ist Hamburg – es ist einfach toll, früh morgens bei Sonnenaufgang in den Hafen einzulaufen, wenn direkt hinter dem Michel die Sonne aufgeht.“

Die derzeit günstigste Kreuzfahrt mit der „Aida Stella“ kostet pro Person 399 Euro (fünftägige Kurzreise von Hamburg nach London/Dover und zurück), die teuerste 2.270 Euro (17 Tage, einmal quer durch Nordeuropa, ab Hamburg).

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