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Ich habe Schmerzen oder MS: Kennst Du einen guten Coffeeshop für mich?

Seit heute sind „Haschischkuren“ in Holland auch für Ausländer wieder möglich. Von Lothar Epe

Haste mal ’ne Ferkeltüte für mich? (Rike/pixelio.de)

Haste mal ’ne Ferkeltüte für mich? (Rike/pixelio.de)

Cannabis macht nicht nur high: Richtig dosiert kann das Rauschmittel Krebspatienten von Übelkeit und Aidskranke von Appetitlosigkeit befreien, und es kann chronische Schmerzen lindern.

Seit sich in Studien auch eine positive Wirkung bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) zeigte – hier können Extrakte des Naturstoffs Spastiken lindern und so die Bewegungsfreiheit der Patienten verbessern – glauben viele daran, dass das Rauschmittel langfristig das Fortschreiten der Nervenerkrankung verhindern könnte.

Das hat sich zwar nicht bestätigt, doch für einige Betroffene ist Cannabis wenigstens bei Alltagsbeschwerden ein Rettungsanker – der als sündhaft teures Betäubungsschutzmittel Dronabinol erhältlich ist (500 mg für zirka 465 Euro).

Ausländer dürfen wieder

Eine gute Nachricht für Schmerzpatienten, MSler und andere Betroffene, die auf chemische Produkte der Pharmaindustrie verzichten wollen und stattdessen auf „naturbelassene“ Cannabisprodukte setzen: „Haschischkuren“ sind in Holland jetzt grundsätzlich auch für Ausländer wieder möglich.

Wer also auf die Kicherplätzchen zum Haschisch-Tee schwört und dazu eine „Tüte“ rauchen will, den wird es möglicherweise – jedenfalls wenn er in Grenznähe zu Holland wohnt – wieder in die Coffeeshops treiben.

13 Coffeeshops legen los

Seit Mai 2012 müssen sich im niederländischen Limburg, der Kiffer-„Hochburg“, und in anderen Städten Besucher von Coffeeshops mit dem „Wietpas“ (Haschpass) ausweisen. Den erhält nur, wer seinen Wohnsitz in den Niederlanden hat.

13 Coffeeshops in Maastricht ignorieren diese Vorgabe und verkaufen seit diesem Sonntag wieder Hasch an ausländische Kunden – und Inhaber in Parkstad, Roermond und Sittard wollen nachziehen. Nicht aus purem Humanismus – sondern nicht zuletzt deshalb, weil die Grenztouristen aus Deutschland und Belgien eine einträgliche Zielgruppe sind.

Dabei beruft sich die Vereinigung offizieller Coffeeshop-Besitzer in Maastricht (VOCM) auf ein niederländisches Gerichtsurteil. Danach sei die Schließung eines Coffeeshops durch den Bürgermeister von Maastricht, Onno Hoes, nicht rechtens gewesen. Der warnte bereits in den vergangenen Tagen, dass er die Coffeeshops umgehend schließen lassen wird, die sich an der Aktion beteiligen.

Was Deutsche beachten müssen

ROLLINGPLANET warnt: Strafbar ist weiterhin, Cannabisprodukte mit über die deutsche Grenze nach Hause zu nehmen und nach dem Konsum von Haschischprodukten Auto zu fahren. Strittig scheint indes, ob es aus deutscher Sicht illegal ist, in Holland zu konsumieren.

So manch einer hatte in der Vergangenheit nicht unerhebliche Probleme mit der Ordnungsmacht in Deutschland, nachdem er in Holland Haschisch konsumiert hatte, an der Grenze eine Blutprobe abgeben musste und ihm der Konsum von Haschisch nachgewiesen wurde.

Niederländer haben „gute Manieren“

Übrigens: Cannabisnutzer sind in den Niederlanden „weniger extrem“ als ihre europäischen Kollegen in Europa, was den Gebrauch von Hanfprodukten angeht. Sie rauchen weniger Cannabis, mischen es oft mit Tabak, kaufen nicht all zu viel Cannabis auf einmal und teilen ihren Joint oft mit anderen. Das ergab eine Untersuchung des renommierten „Trimbos-Instituut“ in den Niederlanden.

Im Vergleich mit anderen Europäern „brauchen“ Niederländer nur eine eher beschränkte Menge pro Jahr. Pro Nutzer sind das im Durchschnitt 310 Gramm pro Jahr. Das ist etwas weniger als der Durchschnitt der sieben an der Untersuchung beteiligten europäischen Länder. An der Spitze liegen demnach England und Wales mit 374 Gramm pro Jahr. Für Deutschland wurden keine Zahlen angegeben.

(RP)

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3 Kommentare

  • Petter Bernd

    Hallo Herr Epe

    Ein Jammer dass ich in den Pyrenäen lebe und nicht in Holland. Es ist absurd, gegen meine chronischen Schmerzen darf ich immer mehr und immer stärkere Medikamente schlucken aber einen Joint rauchen da steigt mir die Gendarmerie aufs Dach. Ich habe post-polio und würde zu gerne mal probieren ob ein Joint Erleichterung bringt.

    herzliche Grüße aus Frankreich
    Bernd Petter

    5. Mai 2013 at 16:51
  • Lothar Epe

    Hallo Bernd,

    Für mich stellt sich die Frage nicht mehr, dass die EInnahme insbesondere von Hammerschmerzmitteln jedenfalls nicht weniger schädlich ist als gelegentlich einen Joint zu rauchen, Ich habe mal vor Jahren hochdoisiertes Gabapentin genommen und bin dann wochenlang wie ein Alien herumgegeistert, so als hätte ich permanent „einen neben mir laufen“. Das war nicht besonders lustig. Abgesehen davon, dass man bei diesen Hammermedikamenten ständig Gefahr läuft, sich zusätzliche „Baustellen“ zu eröffnen. Insofern ist die Diskussionen in Bezug auf Cannabisprodukte aus meiner Sicht ziemlich verlogen, auch wenn ich bisher nicht in der Siutation war, es nutzen zu müssen, auch wenn hier der Coffeshop sozusagen direkt um die Ecke ist. Was ich Dir aus persönlicher Erfahrung auch gegen die Schmerzzustände bei PPS empfehlen kann, ist regelmässige Physiotherapie/angepasste Krankengymnastik. Das sollte aber jemand machen, der sich mit PPS auskennt! Ich habe die besten Erfahrungen damit gemacht. Aber Geduld muss man dabei haben, weil es eine Zeit dauert, bis es „wirkt“.

    LG aus Holland

    5. Mai 2013 at 18:05
  • Lothar Epe

    eine kleine Morgenrecherche im „De Limburgse Tagblad“ ergab, dass die Ordnungsmacht bisher nicht eingegriffen hat. Der Bürgermeister von Maastricht ist z. Zt. in Urlaub, die Ordnungsmacht hat sich bisher darauf beschränkt, falschparkende Autos mit Knölchen zu versorgen und hat sich ansonsten darauf beschränkt, an den Coffeeshops gelegentlich auf und ab zu fahren. Der Zulauf ist offensichtlich so gross, dass die Kunden teilweise an andere Coffeshops verwiesen wurden. Und das Beste: die illegalen Dealer sind weg geblieben! Denn ein Vorwurf an die holländische Politik war in dem Zusammenhang immer wieder, dass man Selbige durch das Verkaufsverbot geradezu auf den Plan rufen würde. Also: Alles gut am diesem onnigen Montag Morgen an der Coffeshopfront.

    6. Mai 2013 at 08:27

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