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If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert

Beim Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks zum Thema „Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit“ wurden tolle Motive ausgezeichnet. ROLLINGPLANET zeigt die Arbeiten.

Der Text If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert als typographisches Plakat mit rotem Hintergrund

1. Preis für „If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert“ von Gulnara Petzold, Universität der Künste Berlin

„If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert“ lautet die Botschaft des Plakats; die Worte auf rotem Grund sind von Hand in Großbuchstaben gemalt. So eigenwillig wie die englisch-deutsche Wortkombination „behind-ert“, so eigenwillig sind die gestalterischen Mittel, zu denen die Design-Studentin Gulnara Petzold von der Universität der Künste Berlin gegriffen hat. Sie belegt mit ihrem Plakat den ersten Platz beim 26. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks (DSW) zum Thema „Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit“.

Eine Fachjury mit Experten aus dem Grafik-Design und Kommunikations-Design (Mechthild Buchholz, Aktion Mensch, Bonn; Prof. Silke Juchter, Muthesius Kunsthochschule, Kiel; Prof. Armin Lindauer, Hochschule Mannheim, Jan Lorenz, Preisträger 24. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks) wählte aus den insgesamt 386 Plakaten, die 230 Design-Studierende beim DSW eingereicht hatten, die besten aus. Die Jury verteilte die insgesamt 5.500 Euro Preisgeld auf einen ersten Platz mit 2.000 Euro, zwei zweite Plätze mit je 1.000 Euro sowie drei dritte Plätze mit je 500 Euro.

8 Prozent der Studierenden haben eine Behinderung

Plakat von Piotr Zapasnik aus Düsseldorf

Mit seinem 26. Plakatwettbewerb hatte das Deutsche Studentenwerk die Design-Studierenden bundesweit zur Auseinandersetzung mit der Situation von behinderten und chronisch kranken Studierenden eingeladen. Derzeit sind dies 8 Prozent der Studierenden in Deutschland.

Erst vor Kurzem hat das DSW eine Online-Befragung von 15.000 behinderten oder chronisch kranken Studierenden vorgelegt. Sie zeigt: Nur 6 Prozent der Betroffenen ist ihre gesundheitliche Beeinträchtigung auf Anhieb anzusehen. Die große Mehrheit bleibt unsichtbar; das gilt gerade für chronisch kranke Studierende, Studierende mit psychischen Erkrankungen oder Teilleistungsstörungen wie etwa Legasthenie. (ROLLINGPLANET berichtete: Studie des Deutschen Studentenwerks erschienen: “beeinträchtigt studieren”)

Behinderung ist relativ

Die Design-Studierenden thematisieren mit ihren Plakaten dieses Spektrum. Paul Philippe Raabe von der Hochschule Darmstadt hat einen der drei dritten Plätze gewonnen mit einem Plakat, das das Konterfei Albert Einsteins zeigt. Seine Gesichtszüge bilden den Satz „Legasthenie ist relativ“. Der Schöpfer der Relativitätstheorie relativiert seine eigene Teilleistungsstörung…

Noch bis zum 22. Juni 2012 kann man sich im Kleisthaus in der Mauerstr. 53 in Berlin-Mitte eine Auswahl von 30 Plakaten aus dem 26. Wettbewerb ansehen. Im Dienstsitz des Bundesbehindertenbeauftragten Hubert Hüppe, der auch Schirmherr der gestrigen Preisverleihung ist, wird die Wanderausstellung zum 26. Plakatwettbewerb zuerst gezeigt, ehe sie auf Tour durch 20 Studentenwerke in ganz Deutschland geht.

Komplexes Thema gestalterisch gelöst

Prof. Dr. Dieter Timmermann, der Präsident des Deutschen Studentenwerks, freut sich über die „sehr gute Beteiligung“ der Design-Studierenden. Er sagt: „Das ist ein schwieriges, komplexes Thema, das die gestalterische, aber auch die soziale Kompetenz der Studierenden herausgefordert hat.“ Gemeinsam mit Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, das den Wettbewerb fördert, überreichte Timmermann die Preise.

Der Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks für Design-Studierende wird jedes Wintersemester ausgeschrieben. Er wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung anteilig gefördert; das Museum für Kommunikation Berlin ist Kooperationspartner.

Preisträgerinnen und Preisträger

26. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks 2011/2012: „Studieren mit Behinderung oder chronischer Krankheit“.

Klicken Sie auf die Motive, um sie in großer Ansicht zu sehen.

1. Preis (2.000 Euro)

Der Text If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert als typographisches Plakat mit rotem Hintergrund„If Your Mind’s Eye Is Blind You’ll Stay Behindert“
Gulnara Petzold, Universität der Künste Berlin

2. Preise (1.000 Euro)

„Juli will später mal studieren“
Monique Dumrese, Fachhochschule Düsseldorf
studiert bei Prof. Wilfried Korfmacher

„Sichtbar machen“
Josephin Klamet, Fachhochschule Potsdam
betreut von Prof. Lex Drewinski

3. Preise (500 Euro)

„Legasthenie ist relativ“
Paul Philippe Raabe, Hochschule Darmstadt
studiert bei Prof. Jenny del Corte Hirschfeld

„Vielfalt“
Alexandra Wilhelm, Fachhochschule Mainz
betreut von Prof. Dr. Isabel Naegele

„Bereichernd“
Johannes Hirsekorn, Hochschule Anhalt
studiert bei Prof. Michael Hubatsch

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