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Im falschen Film: Ein besonders dummer Versicherungsbetrug?

Wie sich ein angeblich schwerkranker Mann eine höhere Pflegestufe vermutlich erschlich – und sich selbst eine Falle stellte.

Mikrofon an: Das Fernsehen berichtete über einen angeblichen Skandal – aber vielleicht war’s doch nicht ganz so sauber, was die Protagonisten erzählten. (Foto: magicpen/pixelio.de)

Mikrofon an: Das Fernsehen berichtete über einen angeblichen Skandal – aber vielleicht war’s doch nicht ganz so sauber, was die Protagonisten erzählten. (Foto: magicpen/pixelio.de)

„Es geht um einen Senior im Alter zwischen 70 und 75 Jahren irgendwo aus dem Wetteraukreis“ (Hessen), gibt die Polizei an, die überzeugt ist, einen Versicherungsbetrug ermittelt zu haben. Mit der Unterstützung von drei Angehörigen soll der Mann im Jahr 2015 dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen den Bedarf einer Höhergruppierung von der Pflegestufe 1 in die Pflegestufe 2 dargestellt haben. Seine Krankenkasse zahlte auf Basis der bei dieser Begutachtung vorgebrachten Argumente und angeblichen gesundheitlichen Probleme des Seniors.

Im Jahr 2016 beantragte die Familie aufgrund der angeblich vorliegenden massiven Fähigkeitseinschränkungen von der Krankenkasse die Finanzierung eines Badumbaus, da der Senior auf einen Rollstuhl angewiesen sei.

Die Krankenkasse jedoch zweifelte die Angaben des Seniors und seiner Angehörigen an und verweigerte die Zahlungen. Daraufhin wandte die Familie sich an einen Fernsehsender. Vor etwa einem Jahr strahlte dieser eine Sendung aus, in der der Senior im Rollstuhl umher gefahren werden musste und bei verschiedensten Tätigkeiten auf die Pflege seiner Familie angewiesen war. Unter dem Druck der Öffentlichkeit beurteilte die Krankenkasse die Notwendigkeit der Umbaumaßnahmen neu und stimmt schließlich der Finanzierung des Umbaus zu.

Ein ganzes Städtchen ist empört

Genau diese Sendung war jedoch auch der Anlass dafür, dass sich diverse Bürgerinnen und Bürger mit offenen und anonymen Briefen an die Polizei und die Krankenkasse wandten. Sie hatten ein ganz anderes Bild von dem Senior. Als Theater und Inszenierung, über die sich der ganz Ort aufrege und die nicht zutreffend seien, beschrieben sie die Darstellungen im Fernsehbeitrag.

Die Betrugsabteilung der Kriminalpolizei in Friedberg ermittelte seither in dem Fall, vernahm verschiedenste Zeugen und sichtete Akten. Nach einem Jahr sind sich die Beamten sicher: „Dabei erhärtete sich der Verdacht der Hinweisgeber.“ Der Mann wurde lediglich einen Gehstock benutzend, aber ohne auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, gesichtet. Zudem stieg er Treppen hoch, ohne dass eine besondere Einschränkung erkennbar war.

Weder der Senior selbst noch seine Angehörigen, die nun ebenfalls als Tatverdächtige des Versicherungsbetruges in den Akten geführt werden, wollten sich selbst bislang zu den Vorwürfen äußern. Die Ermittlungen der Polizei sind nun abgeschlossen, der Vorgang wird an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die Justiz wird nun entscheiden, ob die vier Tatverdächtigen sich eines Versicherungsbetruges schuldig gemacht haben. Neben einer strafrechtlichen Ahndung steht dann der Regressanspruch der Krankenversicherung im Raum. Der Schaden des möglichen Versicherungsbetrugs wird mit 15.000 Euro beziffert.

(PM)

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