Immer mehr Schmerzpatienten in Deutschland – aber nur jeder achte Patient wird richtig versorgt

Wo es Hilfe gibt. Und nach welchem Arzt Betroffene gezielt suchen sollten.

Betroffene müssen oft lange warten, bis sie Hilfe finden: In Deutschland gibt es zu wenige Ärzte, die auf Schmerzpatienten spezialisiert sind. (Foto: Martin Schutt/dpa)

Betroffene müssen oft lange warten, bis sie Hilfe finden: In Deutschland gibt es zu wenige Ärzte, die auf Schmerzpatienten spezialisiert sind. (Foto: Martin Schutt/dpa)

Bei immer mehr Patienten in Deutschland stellen Ärzte chronische Schmerzen fest. Die Zahl stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf zuletzt 3,25 Millionen an, wie aus dem Arztreport 2016 der Krankenkasse Barmer GEK hervorgeht. Waren 2005 noch 1,59 Prozent der Bevölkerung betroffen, waren es demnach 2014 mehr als 4 Prozent.

Der Arztreport basiert auf den Daten von 8,6 Millionen Versicherten der Barmer GEK im Jahr 2014. Unter den Bundesländern gab es die meisten Diagnosen in Brandenburg mit 5,8 Prozent der Bevölkerung, gefolgt von Berlin mit 5,7 und Thüringen mit 4,8 Prozent. Am seltensten wurden chronische Schmerzen in Bremen mit 2,9 Prozent diagnostiziert.

Barmer-GEK-Chef Christoph Straub machte auf Verbesserungen in der Schmerztherapie aufmerksam. Sie reichten aber nicht aus. Der Hausarzt müsse Lotse sein, so dass Betroffene bereits früh von verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen betreut werden könnten, so dass Schmerzen möglichst gar nicht erst chronisch werden.

Mit 8,5 Behandlungsfällen pro Kopf hat es laut dem Report 2014 einen neuen Rekordstand bei den Arztbesuchen gegeben. Im Schnitt zahlten die Krankenkassen mehr als 523 Euro pro Versichertem für ambulante Arztbehandlungen, im Jahr zuvor waren es laut dem Report noch 505 Euro.

Bei der Versorgung der Betroffenen klaffen Riesenlücken, kritisierte der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin (BVSD). „Nur etwa jeder achte Patient kann von einem der 1102 ambulant tätigen Schmerzärzte, die auf die Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen spezialisiert sind, versorgt werden“, sagte der BVSD-Vorsitzende Joachim Nadstawek.

Wo Menschen mit chronischen Schmerzen Hilfe finden

Schmerzen hat jeder mal. Aber bei einigen Menschen brennt sich der Schmerz im Gehirn ein, obwohl die Ursache eigentlich behandelt ist – und der Schmerz bleibt bestehen. Ist das mindestens drei bis sechs Monate der Fall und beeinflussen die Schmerzen etwa die Stimmung oder die Mobilität, wird das als chronischer Schmerz bezeichnet. Betroffene finden zum Beispiel in speziellen Schmerzzentren Hilfe. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) bietet unter www.dgschmerzmedizin.de die Möglichkeit, per Postleitzahl nach einem Schmerzzentrum in der Nähe zu suchen.

Ebenfalls speziell für die Bedürfnisse von Schmerzpatienten geschult sind Ärzte, die die Zusatzqualifikation Algesiologie tragen oder die Weiterbildung „Spezielle Schmerztherapie“ absolviert haben. Hilfe finden Betroffene auch bei der Patienten-Organisation Deutsche Schmerzliga. Sie stellt auf Anfrage eine Liste mit Selbsthilfegruppen in der Region zur Verfügung und berät Betroffene über das Schmerztelefon (Montag, Mittwoch und Freitag von 9.00 bis 11.00 Uhr unter 06171/28 60 53 sowie Montag von 18.00 bis 20.00 Uhr unter 06201/6049415).

(RP/dpa)

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