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In Baden-Württemberg gibt es nur 60 statt 250 Gebärdensprachdolmetscher

Am 14.9.2013 ist Tag der Gebärdensprache in Stuttgart. Wichtigstes Thema ist Arbeitsassistenz.

Christine Linnartz moderiert die Veranstaltung (Foto: http://zeichensetzen-online.de)

Christine Linnartz moderiert die Veranstaltung (Foto: zeichensetzen-online.de)

Der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V. in Stuttgart veranstaltet am Samstag, 14. September 2013, den „Tag der Gebärdensprache“. Im Fokus der Veranstaltung steht eine Podiumsdiskussion über die dramatische Lage der Arbeitsassistenz.

Gesetzlich ist seit 2000 geregelt, dass Gehörlose einen Rechtsanspruch auf Arbeitsassistenz haben, trotzdem ist der Antragsverfahren kompliziert und undurchsichtig. Nach wie vor fehlen Gebärdensprachdolmetscher und es gibt keine Ausbildungsmöglichkeit oder einen Studiengang für diesen Beruf in Baden-Württemberg.

Was der Verband fordert

„Wir fordern eine qualitativ hochwertige und gesicherte Kommunikation zwischen hörbehinderten und hörenden Menschen“, so Daniel Büter, der Geschäftsführer des Landesverbandes der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V..

Hierzu brauchen die Betroffenen Gebärdensprachdolmetscher, Kommunikationsassistenten, Schriftdolmetscher als Formen der Arbeitsassistenz. Ohne den Einsatz geeigneter Arbeitsassistenz ist eine barrierefreie Teilhabe am Arbeitsplatz, im Studium oder in der Ausbildung nicht möglich. Genaue Fakten und Zahlen, die als Grundlage zur Diskussion dienen, wurden vom Geschäftsführer des Landesverbandes zusammengefasst.

Gehörlose in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg leben zirka 37.000 Menschen mit Hörbehinderung, von denen 8.000 gehörlos sind. Es gibt nur 60 Gebärdensprachdolmetscher, das heißt, auf einen Dolmetscher kommen 133 Gehörlose. Nach Angaben des Landesverbandes werden jedoch etwa 250 Dolmetscher benötigt.

Betroffene, Politiker und Experten diskutieren

Um diese kritische Situation zu verbessern, diskutieren in Stuttgart die Betroffenen mit Politikern und Fachleuten. Von Seiten der Politik nehmen Walter Tattermuch, der stellvertretende Behindertenbeauftragte der Stadt Stuttgart, Thomas Poreski, MdL (Bündnis90/Grüne), Florian Wahl, MdL (SPD) und Werner Raab, MdL (CDU) teil.

Karin Kimmich-Protzt (KVJS), Elisabeth Loffl (IFD), Bernd Schneider (Tess und Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes der Gehörlosen) und Rita Wangemann (Telesign) sind als Fachleute eingeladen.

200 Besucher erwartet

Markus Fertig, 2. stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V. und Marcel Karthäuser, 2. Vorsitzender des Landesverbandes der Schwerhörigen Baden Württemberg e.V., werden aus der Sicht der Betroffenen ihre Erfahrungen schildern. Die Moderation der Runde übernimmt die gehörlose Christine Linnartz, Vizepräsidentin des Deutschen Gehörlosenbundes.

Das ist Christine Linnartz

Christine Linnartz (siehe Foto oben) wurde 1965 als gehörloses Kind hörender Eltern in Trier geboren. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Chemielaborantin, erwarb danach die Hochschulreife und studierte anschließend Sozialarbeit.

Nach ihrem Diplom-Abschluss arbeitete sie viele Jahre beim Berufsförderungszentrum Essen als Netzwerk-Managerin für Gehörlose.

Anschließend leitete sie verschiedene Projekte im Medienbereich und entwickelte Gebärdensprachvideos für Gehörlose.

Durch eine zusätzliche Ausbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf qualifizierte sie sich als Coach und gründete 2004 die Firma „sign & voice“. Seitdem begleitet sie alle (also auch hörende und gehörlose) Kunden in Deutschland und Österreich, außerdem leitet sie Seminare zum Thema Projektmanagement, Empowerment und Entwicklung von Kommunikationsstrategien.

Nebenberuflich absolviert sie das weiterbildende Studium „Managing Gender & Diversity“ an der Technischen Universität Dortmund.
Quelle: zeichensetzen-online.de

Zum „Tag der Gebärdensprache“ werden knapp 200 Besucher erwartet. Während der ganzen Veranstaltung sind Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscher vor Ort und sorgen für die barrierefreie Kommunikation für gehörlose und hörende Besucher.

(RP/Judit Nothdurft)

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