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„In die falsche Richtung“ – Wojtek Czyz kritisiert zum Abschied den Behindertensport

Björn Otto, Heike Drechsler und Stefan Kuntz kommen: Am Freitag bestreitet der viermalige Paralympics-Sieger seinen letzten Wettkampf. Von Frank Kastner

Wojtek Czyz bei den Paralympics 2012 in London (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Wojtek Czyz bei den Paralympics 2012 in London (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Es soll ein gewaltiger Satz ins neue Leben werden. „Die Sechs-Meter-Marke habe ich mir vorgenommen“, sagt der ehrgeizige Paralympics-Star Wojtek Czyz vor seinem letzten Wettkampf an diesem Freitag bei der „Flugnacht“ im pfälzischen Eisenberg und betonte schmunzelnd: „Wenn der marode Körper es mitmacht. Er wird mir sicher Grenzen aufzeigen.“

Der viermalige Paralympics-Sieger, der zu Glanzzeiten 6,50 Meter sprang, will den Tag des Abschieds vom Leistungssport mit vielen Freunden „in jeder Minute genießen“.

Noch einmal Spaß haben

Im Beisein von Stabhochspringer Björn Otto und der zweimaligen Weitsprung Olympiasiegerin Heike Drechsler sowie Stefan Kuntz, dem Vorstandsvorsitzenden vom 1. FC Kaiserslautern, will der 32-Jährige, dessen linkes Bein 2001 nach einem Foul beim Fußball amputiert werden musste, noch einmal Spaß haben.

Den internen Wettkampf gegen seine italienische Lebensgefährtin Elena Brambilla will er aber gewinnen. Die in Köln lebende Hochspringerin (Bestleistung 1,87 Meter) gab die sechs Meter – entsprechend einer 1,80 Meter im Hochsprung – vor.

Karriere mit Spuren

„Ich denke, so kann man dann auch abtreten. Die Verletzungen nehmen zu, man kann seine Topleistungen nicht mehr abrufen. In meinen elf Jahren Leistungssport hat mein Körper auch die ein oder andere Blessur mitgetragen, unter anderem auch Bandscheibenvorfälle aufgrund der hohen Belastung beim Weitsprung“, sagte Czyz der Nachrichtenagentur dpa.

„Ich bin dann nicht derjenige, der krampfhaft versucht, dabei zu sein. Ich habe eine ganz tolle Zeit erlebt. Es ist nun Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Das Projekt Weltumsegelung läuft fantastisch an.“

Hört auf: Wojtek Czyz (Foto: dpa)

Hört auf: Wojtek Czyz (Foto: dpa)

Projekt Weltumsegelung für Prothesen

Der ehemalige Profifußballer will mit dem Projekt „sailing4Handicaps“ Behinderten in weniger wohlhabenden Ländern helfen, an Prothesen zu kommen (ROLLINGPLANET berichtete). Spätestens 2015 soll sein Katamaran Lagoon 410 in See stechen – es geht über die sogenannte „Barfuß-Route“ auf Weltreise.

„Segeln ist meine Passion, diese Idee ist schon seit Jahren in meinem Herzen. Wir wollen für die Menschen da draußen etwas tun, dafür bringe ich gerne Opfer“, sagte Czyz.

„Da müssen dringend Verbesserungen her“

Grundsätzlich sieht der siebenfache Medaillengewinner der Paralympics den Behindertensport derzeit kritisch. „Er bewegt sich in die falsche Richtung. Da müssen dringend Verbesserungen her“, erklärte Czyz und macht sich zugleich für ein Kräftemessen der Prothesen-Athleten gegen normale Sportler stark.

„Wir haben mit dem brasilianischen Sprinter Alan Oliveira und dem Göppinger Weitspringer Markus Rehm fantastische Athleten. Gerade Markus ist ein absoluter Vorreiter, er ist für mich der Vorzeigeathlet Deutschlands. Ein Start bei den Nichtbehinderten ist sein Ziel. Es wird zwar wieder eine Diskussion entstehen, aber sie soll dann auch mit der größten Transparenz und ohne Vorurteile geführt werden.“

Passives System

Laut Czyz ist jedes System eines gehandicapten Athleten – sofern es überprüft wird – ein passives System. Ein Sportler kann nur eine bedingte Kraft aufbringen, die er dann in die Prothese hinein gibt. Somit wären Zehn-Meter-Sprünge praktisch ausgeschlossen.

„Er kann nicht die Kraftverteilung wie ein Zweibeiner aufbringen,“ so Czyz. Rehm sprang bei der WM der Behinderten immerhin 7,95 Meter und schaffte somit die Qualifikationsnorm für die deutschen Meisterschaften. Rein rechnerisch hätte er dort den dritten Platz belegt.

(dpa)

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