In doppelter Mission: Paralympics-Segler Heiko Kröger

Der mehrfache Weltmeister will bei der Segel-WM in Melbourne wieder Gold einheimsen. Aber er kämpft nicht nur für seinen persönlichen Erfolg – und übt scharfe Kritik an seinem Verband. Von Andreas Hardt

Heiko Kröger ist „Segler des Jahres 2015“ (Foto:  dpa)

Heiko Kröger ist „Segler des Jahres 2015“ (Foto: dpa)

Heiko Kröger kämpft gleich an zwei Fronten. Vor der beeindruckenden Skyline von Melbourne will der „Segler des Jahres 2015“ bei den am Dienstag beginnenden Weltmeisterschaften der Para-Segler nicht nur seinen Titel verteidigen. Viel wichtiger ist dem 49-Jährigen, dass seine Sportart wieder ins Programm der Paralympischen Spiele 2024 aufgenommen wird. Im kommenden Jahr in Rio de Janeiro werden noch Medaillen vergeben, für Tokio 2020 aber wurden die Segel-Wettbewerbe gestrichen.

„Wir sind aus dem Programm gestrichen worden, weil Segeln weltweit offenbar nicht genügend Verbreitung hat“, erklärt Kröger. „Statt der geforderten 32 Nationen gab es bis zuletzt nur 27.“ Im australischen Sommer wird wie in Rio in drei Bootsklassen gesegelt: Für einen, zwei und drei Segler. Kröger, der prominenteste Fürsprecher seines Sports, ist im Ein-Mann-Boot 2.4mR Titelverteidiger seiner Klasse.

Ein Sport im Fokus – dank Kröger

Vor wenigen Wochen wurde er zu Deutschlands „Segler des Jahres 2015“ gewählt (ROLLINGPLANET berichtete). Gerechnet hatte er mit dieser Auszeichnung nicht mehr unbedingt. Denn schon viele Jahre ist der 49-Jährige international dabei. Unzählige Titel hat er gewonnen, Gold bei den Paralympics 2000 und Silber 2012. „Dass ich erst so alt werden musste, um diese Auszeichnung zu bekommen“, sagte der siebenfache Weltmeister.

Die Achtung vor den Leistungen der behinderten Sportler ist auch im Segeln erst in den vergangenen Jahren gestiegen – nicht zuletzt durch Krögers Erfolge. „Diese Auszeichnung setzt ein deutliches Zeichen für die Inklusion im Segelsport und gegen aktuelle Aktivitäten und Entscheidungen einzelner Verbände“, sagt Oliver Schwall, Geschäftsführer des Sailing Team Germany, das für die Vermarktung der deutschen Segelnationalmannschaft verantwortlich ist. Schwall spielt damit auf die Entscheidung des Internationalen Paralympischen
Komitees (IPC) an, Segeln 2020 zu streichen.

„Der Verband hat geschlafen“

Kröger, der ohne linken Unterarm geboren wurde, macht für diese Misere den Weltverband der Behinderten-Segler mitverantwortlich, der als Folge dieser Entscheidung mittlerweile aufgelöst und in den Segel-Weltverband integriert wurde: „Es wurde zu wenig geworben, der Verband hat geschlafen.“

Bei der WM in Williamstown, einem Vorort von Melbourne, „nehmen bereits wieder 29 Nationen teil“, erzählt Kröger: „Es wird umfassend Werbung gemacht. Und es wird in Melbourne auch Charterboote für Segler geben, die kein eigenes haben. Bis 2017 müssen wir die Zahlen hinbekommen, um für 2024 wieder aufgenommen zu werden. Ich glaube, es sieht gar nicht so schlecht aus.“

„Inklusion eine Bereicherung“

Sollten die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 tatsächlich in Hamburg und in Kiel stattfinden, würde sich Kröger sogar überlegen, seine Leistungssportkarriere bis dahin fortzusetzen. Im Augenblick kann er nur bis 2016 planen, denn mit der Streichung des paralympischen Status‘ fällt dann auch seine Spitzenförderung weg.

Dem Segelsport aber bleibt Kröger auf jeden Fall erhalten. Heute schon versucht er beruflich, das inklusive Segeln in Segelclubs und -schulen bekanntzumachen, Projekte anzuschieben. „Es funktioniert sehr gut, das Interesse ist groß“, erzählt er. „Es spricht sich immer mehr herum, dass Segeln eine tolle Sportart auch für Behinderte ist und Inklusion eine Bereicherung für die Segelclubs.“

(dpa)

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