In meinem Kopf ein Universum

Warum Mateus kein Gemüse sein will (und Anka liebt) – eine wunderbare Tragikkomödie kommt am 9. April in die Kinos. Von Cordula Dieckmann

Eine Tragikkomödie im besten Sinne: „In meinem Kopf ein Universum“ (Foto: MFA+ FilmDistribution)

Eine Tragikkomödie im besten Sinne: „In meinem Kopf ein Universum“ (Foto: MFA+ FilmDistribution)

Was denkt und fühlt ein Mensch, der sich nicht mitteilen kann? Dessen Gehirn so geschädigt ist, dass er nur unverständliche Laute äußert? Um diese Frage dreht sich der einfühlsame, lustige und bewegende Spielfilm „In meinem Kopf ein Universum“. Mateus hat eine zerebrale Bewegungsstörung. Mit verkrampften Fingern sitzt er im Rollstuhl, hilflos auf die Fürsorge anderer angewiesen. Für die Ärztin ist der Junge nur „Gemüse“ – einer, der weder laufen noch reden und auch nicht denken kann. Doch die Medizinerin täuscht sich gewaltig, und das will Mateus ihr und allen anderen Zweiflern auch beweisen.

„In meinem Kopf ein Universum“ macht traurig, fröhlich und glücklich zugleich – eine Tragikkomödie im besten Sinne: Tragisch, weil Mateus mit seinem wachen Verstand in einem Körper gefangen ist, der ihm nicht gehorcht. Verzweifelt ringt er um Aufmerksamkeit. Er stammelt, schreit, wippt mit dem Kopf und rudert mit den Armen, hervorragend gespielt von Dawid Ogrodnik und Tymoteusz Marciniak in der Kinderrolle.

Keine Rührseligkeit, dafür Humor und Leichtigkeit

Poster A1 IMKEU_kleinerVerrückte Laute und Gesten, so sehen es die Meisten. Nur seine Mutter (Dorota Kolak) glaubt fest, dass ihr Sohn alles versteht und nicht das dumpfe geistlose Wesen ist, das die Ärztin in ihm sieht: „So ähnlich wie mein Hund, wenn ich ihm seinen Napf mit Futter zeige, sabbert er auch und er wedelt mit dem Schwanz.“

Zum Glück verzichtet der polnische Regisseur Maciej Pieprzyca auf Rührseligkeit. Er setzt auf Humor und Leichtigkeit, trotzdem geht der Film auch zu Herzen. Ironisch und bisweilen lakonisch kommentiert Mateus aus dem Off: die prallen Brüste der Nachbarin, die Marotten seiner Familie und seine Treffen mit der netten Anka. „Das Schlimmste ist, als Gemüse versteht dich keiner“, gibt Mateus offen zu. Doch damit abfinden will er sich nicht: „Ich habe auf meinen großen Moment gewartet, um allen zu zeigen, wer ich wirklich bin.“

Ausgezeichnet in Montreal

Ähnlich wie in anderen Filmen über Menschen mit Behinderungen, etwa in dem spanischen Publikumsliebling „Me too – Wer will schon normal sein“, ist das Handicap zwar immer Thema. Doch oft gerät sie in Vergessenheit, etwa wenn Mateus seine Liebe zu Anka (Anna Karczmarczyk) entdeckt. Plötzlich ist er ein fröhlicher, verliebter junger Mann mit großen Plänen, der von einem eigenen Haus und Kindern träumt, die mit ihm zusammen auf dem Boden spielen.

Der Streifen, der beim Filmfestival im kanadischen Montreal als bester Film geehrt wurde, beruht auf einer wahren Geschichte. Der Regisseur Pieprzyca verbindet mit seinem Werk vor allem eine Botschaft: „Gib niemals auf, stelle dich den Hindernissen und Einschränkungen und genieße dein Leben, wie es ist. Glück findet man oft in den unwahrscheinlichsten Momenten.“

(dpa)

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