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Inklusion: Bundeskanzlerin Merkel tritt auf die Bremse

Vor der Landtagswahl in Niedersachsen unterstützt sie die Pläne des CDU-Spitzenkandidaten für einen einjährigen Aufschub.

Der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann und Kanzlerin Angela Merkel. (Foto: Ingo Wagner/dpa)

Der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann und Kanzlerin Angela Merkel. (Foto: Ingo Wagner/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag (15. Oktober) vor einer angeblichen Überstürzung bei der Inklusion gewarnt.

„Das Thema Inklusion darf aus meiner Sicht nicht über alles gesetzt werden“,

sagte die CDU-Chefin der an diesem Mittwoch erscheinenden „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Förderschulen massiv abgebaut würden. „Manche Kinder mit Behinderung können in der Förderschule, manche auch in einer Inklusions-Schule gute Ergebnisse erzielen“, sagte Merkel der Zeitung.

Sie stärkte bei dem Thema dem niedersächsischen CDU-Spitzenkandidaten Bernd Althusmann den Rücken. Er hatte sich für einen einjährigen Aufschub („Moratorium“) bei der Inklusion ausgesprochen sowie einen Erhalt der Förderschulen gefordert (ROLLINGPLANET berichtete) und damit starke Kritik ausgelöst: 17 Verbände und Organsationen schlossen sich daraufhin gegen Althusmann zum „Bündnis Inklusion“ zusammen. Derzeit wird das Land von SPD und Grünen mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) an der Spitze regiert.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Nach jüngsten Umfragen liegen SPD und CDU nahezu gleichauf. FDP und Grüne kommen je nach Umfrage zwischen 8 und 10 Prozent und wären damit sicher im Landtag. Die AfD kann am Sonntag den Sprung ins Parlament schaffen, die Linke muss um den Einzug zittern. Beide Parteien sind bislang nicht im Landtag vertreten.

Weil hat Forderungen seines Herausforderers zu einem Moratorium bei der Inklusion zurückgewiesen.

„Inklusion ist ein Menschenrecht – Menschenrechte setzt man nicht aus“,

sagte der Sozialdemokrat am Dienstagabend im NDR beim einzigen Fernsehduell vor der Landtagswahl. Die Landesregierung habe mehr Sozialpädagogen und Betreuer eingestellt, um den Plan umzusetzen. Althusmann hatte zuvor bekräftigt: „Wir brauchen dringend eine Atempause.“ Wenn es so weitergehe wie bisher, werde die Inklusion an die Wand gefahren, so der CDU-Politiker.

(RP/mit Materialien von dpa/lni)

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4 Kommentare

  • Passierschein-35a

    Ich bin unschlüssig:

    Meine Kinder haben gute Erfahrung in der Sprachheilklasse gemacht, Förderschulen sind keine Einbahnstraße! Mein großer Sohn besucht jetzt das Gymnasium 🤷‍♀️

    Und ich ärgere mich in Niedersachsen massiv: die Klasse meines Sohnes (Nr 2) bekommt 1,5 Stunden Grundversorgung. 1,5 Stunden.

    Die Sprachheilschule hat eine Rückschulquote von 95%. dh 95% der Kinder besuchen am Ende eine Regelschule. Ich bin ja immer für eine differenzierte Sicht.
    Es ist übrigens all das eingetreten was Eltern vorher befürchtet haben: in NDS ist die Inklusion nur eines: eine Sparnummer

    Inklusion ja! Aber bitte mit der freien Wahlmöglichkeit

    10. Oktober 2017 at 19:42
  • An Juschka

    Ich kann es nicht mehr hören. Was soll an der Aussage falsch sein? Ist es wirklich erstrebenswert ständig Schnellschüsse abzufeuern? Inklusion wird niemals für alle die Lösung sein. Außerdem: Die Lösung für was genau? Gleiches Lernen unter den gleichen Umständen wie Nichtbehinderte? Aber bitte mit behindertengerechter Förderung? In Wahrheit will Inklusion doch das Miteinander von behinderten und Nichtbehinderten Menschen stärken. Doch seien wir mal ehrlich. Wie viele Kinder treffen sich am Nachmittag mit dem behinderten Rolli-Jungen oder dem Trisomie-Mädel aus der Nachbarschaft, nur weil dieser in derselben Klasse ist. Wie viele werden dicke Freunde? Es gibt sicher vereinzelte Ausnahmen. Aber so richtig verübeln kann man es auch nicht. Hier muss noch viele Jahre vorgearbeitet werden. Bei den Eltern zuallererst. Aber Förderschulen sind keine Dumm-Schulen. Sie haben nur zentral alle möglichen pädagogischen und technischen Mittel um das Kind bestmöglich zu fördern. Ein nichtbehindertes Kind mit massiven Störpotential ist auf einer E-Schule auch besser aufgehoben. Warum schreit hier eigentlich niemand nach Inklusion?? Inklusion ja. Wenn es eine gute soziale Prognose für das Kind gibt. Es sich an einer normalen Schule besser entfalten und verwirklichen kann als an jeder anderen. Wenn es dort Freunde findet und diese Freunde bleiben. Alles andere tut dem Kind nicht gut.

    10. Oktober 2017 at 20:26
  • Severine Mahrle

    Über menschenrechte zu verhandeln ist unter aller sau. Da sehe ich mal wieder wie Politiker ihre Macht ausnutzen. Auch auf Förderschulen kann/ muss man Inklusion einsetzen. Ich bin entsetzt!!!

    11. Oktober 2017 at 11:04
  • Severine Mahrle

    An juschka. Zitat: Wieviele Kinder treffen sich am nachmittag mit den behinderten Kinder. Richtig wäre hier niemand gründe dafür können fehlende Inklusion sein oder mangel an sozialverhalten. Die Erziehung spielt eine große Rolle. Und auch schule bzw. Lehrer wollen oder können nicht richtig aufklären. Es wird ja immer wichtiger das Kinder so früh wie möglich selbständiger werden sollen und sinnfreie unterrichtsstunden gegeben sind. Es zählt nur noch Leistung in unserer Gesellschaft und nicht mehr das menschliche miteinander.
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    11. Oktober 2017 at 11:40

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