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Inklusion: Grüne wollen Regelschulen für behinderte Kinder öffnen

„Meilenstein“ und „Systemwechsel“: In Rheinland-Pfalz soll es schon bald möglich sein, eine Schulform frei zu wählen. Die Grünen starten dazu eine Veranstaltungsreihe.

Archivfoto: Cem Özdemir beim Grünen Bildungskongress am 21.03.2010 an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck (Foto: Stefan Engstfeld)

(dapd-rps) – Das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern soll zur Regel in rheinland-pfälzischen Schulen werden. Die Grünen-Fraktion wolle noch in diesem Jahr eine Änderung des Schulgesetzes auf den Weg bringen, sagte Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler am Dienstag in Mainz. Eltern von behinderten Kindern sollten künftig frei wählen können, ob sie ihr Kind auf eine Förderschule oder auf eine Regelschule schicken wollen.

Im nächsten Jahr soll die entsprechende Novellierung des Schulgesetzes im Landtag verabschiedet werden. Die SPD-Fraktion bestätigte dies. Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler sprach von einem Meilenstein und Systemwechsel.

Damit wollen die Grünen die UN-Konvention über die gleichen Rechte behinderter Menschen auch an Schulen in Rheinland-Pfalz umsetzen. „Inklusion bedeutet, alle Menschen gehören überall dazu, alle können mitmachen“, betonte Köbler. Bei der Umsetzung gebe es aber noch „eine ganze Menge zu tun.“ Deshalb startete die Grünen-Fraktion eine dreitägige Veranstaltungsreihe in sieben rheinland-pfälzischen Städten zum Thema Inklusion in Kitas und Schulen. Dabei wolle die Fraktion mit den Betroffenen reden und „lernen, wo es Probleme gibt“, sagte Köbler.

Kinder profitieren in gemischten Gruppen

Die Grünen seien die Partei in Deutschland, die für ein gemeinsames Leben aller Menschen stünden, sagte der Vorsitzende der Bundespartei, Cem Özdemir, der als Schirmherr der Reihe zum Auftakt nach Mainz gekommen war. Mit der Verabschiedung der UN-Konvention im Jahr 2006 müsse die Inklusion nun in allen Bereichen von Schule, Arbeit und Mobilität umgesetzt werden.

In Rheinland-Pfalz gibt es seit März 2010 einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention. Der Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen hatte bereits im März 2009 in seinen Empfehlungen das Ziel formuliert, dass behinderte Kinder und Jugendliche grundsätzlich die gleichen Schulen besuchen sollten wie nicht-behinderte Kinder. Das Bildungsministerium hatte jüngst angekündigt, 200 zusätzliche Lehrerstellen bereitzustellen.

Landesweit gebe es 229 Schwerpunktschulen, an denen behinderte zusammen mit nicht-behinderten Kindern lernen, sagte Grünen-Schulexpertin Ruth Ratter. Schon seit den 70er Jahren zeigten Studien, dass Kinder eben nicht in homogenen, sondern in heterogenen Gruppen besser lernten. Klassen mit behinderten Kindern seien zudem häufig sozial offener, beide Seiten profitierten davon.

Fakten zu Rheinland-Pfalz

Die Integration von behinderten Kindern in Regelschulen ist Ziel des Koalitionsvertrages der rot-grünen Landesregierung. Hintergrund ist die UN-Konvention für die gleichen Rechte Behinderter von 2006:

– Im Schuljahr 2010/2011 waren 18.188 behinderte Kinder und Jugendliche an rheinland-pfälzischen Schulen eingeschult, die Waldorfschulen nicht mitgerechnet. Insgesamt gingen in dem Schuljahr in Rheinland-Pfalz 450.464 Schüler auf Allgemeinbildende Schulen.

– Damit hatten 4,04 Prozent aller Schüler einen sonderpädagogischen Förderbedarf.

– 15.099 Kinder und Jugendliche besuchten im Schuljahr 2010/2011 Förderschulen.

– 2.985 behinderte Jugendliche besuchten eine der 229 Schwerpunktschulen für die Integration behinderter Kinder. Das sind allgemeinbildende Schulen, an denen die Förderung von behinderten Kindern gebündelt wird.

– Das Konzept wird seit 2001 umgesetzt, zum Schuljahr 2010/2011 gab es 28 neue Schwerpunktschulen. Dazu gehören Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen plus sowie Integrierte Gesamtschulen, aber bislang keine Gymnasien.

– Lediglich 104 behinderte Kinder besuchten im Schuljahr 2010/2011 eine allgemeinbildende Schule.

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