""

Inklusion in der Leichtathletik: Mitmachen erlaubt, gewinnen nicht

Rehm bleibt Weitsprung-Meister – aber er wird der letzte Behindertensportler sein, der gegen Nichtbehinderte des DLV einen Titel erringt.

Markus Rehm schaffte im Juli bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm die Sensation (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Markus Rehm schaffte im Juli bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm die Sensation. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Mit einer Grundsatzentscheidung zur Inklusion hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Diskussionen um Paralympics-Sieger Markus Rehm beendet. Der 26-Jährige bleibt deutscher Weitsprung-Meister 2014. Er kann sich künftig auch ganz offiziell mit nichtbehinderten Sportlern messen, aber seinen Titel wird er im nächsten Jahr nicht verteidigen können.

Wie der DLV am Montag mitteilte, können ab dem 1. Januar 2015 behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam starten – sie werden aber künftig getrennt gewertet. Das DLV-Präsidium beschloss diese nationale Bestimmung, um – so die offizielle Argumentation – in Zukunft den Athleten Rechtssicherheit zu verschaffen und gemeinsamen Sport zu ermöglichen. Die neue Regel 144.3c – Nationale Bestimmung DLV – lautet:

„Athleten, die ein oder mehrere Hilfsmittel oder vergleichbare Technologien bzw. vergleichbare Geräte, die nicht ausdrücklich durch andere Regeln erlaubt sind, benötigen und/oder nutzen oder auf die Unterstützung durch andere Personen angewiesen sind, um den Sport ausüben zu können, sind getrennt von anderen Athleten zu werten.“

DLV gibt sich wohlwollend

Rehm hatte als erster Behindertensportler den Titel bei den Nichtbehinderten gewonnen, als er am 26. Juli bei den deutschen Meisterschaften in Ulm mit 8,24 Metern vor dem mittlerweile zurückgetretenen Christian Reif (8,20 Meter) gesiegt hatte.

Nach seinem Erfolg war eine Diskussion entbrannt, ob Rehm durch seine Prothese einen Vorteil gehabt habe, er wurde deshalb nicht für die EM nominiert. Der DLV beschloss nun, dem 26-Jährigen seinen errungenen deutschen Meistertitel nicht abzuerkennen.

Zwar würden die in Ulm durchgeführten Messungen stark indizieren, dass Rehm einen Vorteil habe. „Allerdings lässt dieser sich nicht mit absoluter Sicherheit aus den bisherigen Ergebnissen ableiten, und insofern ist in der Frage zu Ihren Gunsten zu entscheiden“, hieß es in einem DLV-Schreiben an Rehm.

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, die ehemalige Spitzensportlerin Verena Bentele, begrüßte die DLV-Entscheidung.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

2 Kommentare

  • Lieschen Müller

    ja wie im richtigen LEBEN eben…grrrr..

    3. November 2014 at 15:02
  • Dani

    Ist hier jetzt irgendjemand auch nur im Ansatz verwundert? War doch klar.
    Hat man denn das Thema inzwischen ausreichend wissenschaftlich untersucht? Hat der Sportler mit Carbonfeder wirklich Vorteile beim Absprung? Wenn ja, hat man den Nachteil des langsameren und „unrunderen“ Anlaufs gegengerechnet? Wenn es wirklich so große Vorteile hat, warum haben wir dann nicht jede Menge amputierte 8-m-Springer?
    Ich persönlich halte überhaupt nichts von gemeinsamen Wettkämpfen, wenn ich nicht gewertet werde. Hallo, das sind Leistungssportler, die sich im Wettkampf messen.

    3. November 2014 at 16:16

KOMMENTAR SCHREIBEN