""

Inklusion in Europa: Wer es gut macht, wer es schlecht macht

Das Bildungswesen in Italien setzt Inklusion vorbildlich um (Symbolfoto: das Hauptgebäude der Universität Scuola Normale Superiore di Pisa)

Das Bildungswesen in Italien setzt Inklusion vorbildlich um (Symbolfoto: das Hauptgebäude der Universität Scuola Normale Superiore di Pisa)

Die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem meistert Europa mit unterschiedlichem Erfolg. Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung besagt, dass jedes Kind – einschließlich Kinder mit Handicap – das Recht hat, auf die Schule seiner Wahl zu gehen. Der internationale Ländervergleich zeigt: Italien ist top, Deutschland ein Flop.

Italien

gilt weltweit als Vorbild im Bereich der schulischen Inklusion: Bereits 1971 wurde durch ein Gesetz der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung verpflichtend und flächendeckend eingeführt. Offiziell besuchen 99,9 Prozent der Kinder mit Behinderung eine Regelschule.

Finnland

wird zwar in Bildungsbelangen häufig als Vorbild gehandelt – was die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung betrifft, ist man von flächendeckender Inklusion aber noch weit entfernt. Im Jahr 2010 wurden fast 50 Prozent der Kinder mit Behinderung in Sonderschulen oder speziellen Klassen unterrichtet. Allerdings dominieren Formen, die zumindest teilweise integrativ sind, wie Sonderklassen an Regelschulen oder zeitweiser Unterricht in Regelklassen, gegenüber der klassischen Sonderschule.

Spanien

hat bereits im Jahr 1985 mit dem königlichen Beschluss zur Ordnung der Sonderpädagogik die Grundlage für ein Regelschulsystem geschaffen, in dem „alle Formen der Beeinträchtigung“ zu berücksichtigen sind. Damit wurden auch Spezialklassen an Regelschulen eingeführt. Probleme gibt es aber noch mit der sonderpädagogischen Ausbildung von Lehrern.

Österreich

tut sich schwer. Ausbau inklusiver Pädagogik: ja, Abschaffung der Sonderschulen: nein. Zu dieser Übereinkunft sind die Landesschulratspräsidenten mit dem Unterrichtsministerium gekommen. Dafür gab es von Behindertenverbänden und der UN Scharfe Kritik. Der UN-Monitoringausschuss stellte fest: Österreich verstößt mit seiner Sonderschulregelung seit nunmehr drei Jahren gegen die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung.

Deutschland

kommt in Sachen inklusive Schule nur schleppend voran: Einige Bundesländer nehmen zwar absolute Vorbildfunktion ein (Bremen oder Schleswig-Holstein), bei den Schlusslichtern Hamburg und Bayern gibt es hingegen noch enormen Aufholbedarf. Im Schuljahr 2009/10 besuchten in Deutschland insgesamt nur 20 Prozent der Kinder mit besonderem Förderbedarf eine Regelschule. Besonders drastisch: Mehr als die Hälfte derer, die eine Sonderschule besuchen, verlassen diese ohne Hauptschulabschluss.

Quelle: presse.com. Gefunden bei UN-Behindertenrecht. Foto: Wikipedia/Lucarelli. Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported


Themenschwerpunkt Inklusion in Schulen


Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • Björn-Marc S.

    Ich bin leider nicht dafür mit Inklusion, weil bin ja selbst erleben hat mit 4 jahre lang auf Regelschule und bin ja selbst Gehörlos mit Cochlea-Implantat… sozusage regelschule wird ja noch härter weil wird man vergiss dass gehörlos dabei sind! Und Hörende hat einfach keine Interesse dadurch Gehörlos muss leider öfter beweise geben oder zeigen dass kann es auch wie hörende aber sozusage bin leider nicht dafür mit Inklusion sondern lieber mehr auf Hörgeschädigten Schule unterschützung mit DGS und Lernmittel verbessern!! Wir sollte ja realität sehen dass wir konnte niemals wie Finnland haben aber wir sollte ja anders richtung entwickeln bsp mehr DGS auf Hörgeschädigtenschule geben.. Das ist sicher und besser für Bildung.

    Italien mit 99% Inklusion ist auch nicht besser, schau mal hier Erfahrung durch ein Gehörlos aus Italien.
    https://hewritesilent.wordpress.com/2012/01/31/der-deutsch-italo-poet-giuseppe-giuranna/

    30. Januar 2013 at 16:44
  • Helge Blankenstein

    Lieber Björn-Marc,

    Wenn Inklusion bedeuten würde, dass Menschen zwangsweise auf eine Regelschule gehen müssen, so wäre dies ein falscher Weg. Inklusion bedeutet, dass jeder entscheiden kann welchen Weg er in Anspruch nehmen möchte. Förderschulen bleiben bestehen, es können dort auch nichtbehinderte Schüler beschult werden. Jede Schule steht jedem Schüler offen.
    Viel schlimmer finde ich, das die Inklusionsdebatte immer nur an Schulen festgemacht wird. Inklusion hat im gesamtgesllschaftlichen Leben präsent zu sein.
    Was soll es wenn Kinder lernen was Behinderung ist und dass es sich dabei um individuelle Einschränkungen handelt, deren Eltern jedoch keinen Zugang haben? Es wird nach kurzer Zeit zu einem Blackout in Sachen Inklusion kommen.

    Helge Blankenstein

    31. Januar 2013 at 11:12
  • Sabine Magnus Henriques

    Hallo, ich bin Physiotherapeutin und arbeite in Portugal. Seit gut 14 Jahren bin ich an verschiedenen Schulen im Grossraum Lissabon taetig und arbeite mit meist schwerst mehrfachbehinderten Kindern, die in die Schulen integriertt sind. Anfangs ein Projekt aus der Not heraus wegen fehlender anderer Moeglichkeiten, hat sich das mittlerweile zu einer Art Vorreiter fuer die Inklusion entwickelt. Es wuerde jetzt zu weit fuehren, ueber Erfahrungen zu berichten. Ich finde es aber ein sehr guter Ansatz, es muss halt nur alles stimmen. Das traurige ist, dass im Rahmen der Sparmassnahmen in Portugal besonders an solchen sozialen Projekten gespart wird. Seit Beginn dieses Schuljahres hat das Bildungsministerium Portugals noch nicht beschlossen, ob es fuer uns Therapeuten (Physio,Ergo,Sprach und Psychologen) ueberhaupt weitergeht. Die Kinder sind nun schon seit einem Monat in den Schulen deponiert, haben eine Minimalbetreuung in Bezug auf Hygiene und Ernaehrung, aber keine Bildungsmassnahmen und keine Therapien und wir sitzen zu Hause und warten auf eine Entscheidung. Es ist zum heulen. Schade, dass die Europaeische Union bei ihren Inklusionsbestrebungen nicht auch sowas sieht.

    27. September 2013 at 19:42

KOMMENTAR SCHREIBEN