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Inklusion könnte Brandenburg rund 250 Millionen kosten

Dann wäre es so wie in Südtirol: 1 Lehrer für 9 Schüler.

Landtagsabgeordneter Gordon Hoffmann (Partei und Foto: CDU)

Landtagsabgeordneter Gordon Hoffmann (Partei und Foto: CDU)

Die Einführung von Klassen mit Schülern mit und ohne Behinderungen an Brandenburgs Schulen könnte mehr als 250 Millionen Euro kosten. Das berichtet die „Lausitzer Rundschau“ morgen (Freitagausgabe) und bezieht sich dabei auf die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Gordon Hoffmann und Beate Blechinger.

Brandenburg liegt derzeit mit einem Anteil von 40 Prozent an Schülern mit Förderbedarf, die Regelschulen besuchen, auf Platz 4 der inklusionsfortschrittlichen Bundesländer.

Vorreiter Italien

Die Politiker hatten gefragt, was es koste, wenn das Land an seinen Schulen ein Inklusionsmodell nach dem Vorbild der italienischen Provinz Südtirol einführe. „In Südtirol gibt es eine Lehrer-Schüler-Relation von 1:9 und die Klassengröße liegt bei etwa 15 Schülern pro Grundschulklasse“, so Hoffmann.

Italien gilt weltweit als Vorbild im Bereich der schulischen Inklusion: Bereits 1971 wurde durch ein Gesetz der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung verpflichtend und flächendeckend eingeführt. Offiziell besuchen 99,9 Prozent der Kinder mit Behinderung eine Regelschule (ROLLINGPLANET berichtete: Inklusion in Europa: Wer es gut macht, wer es schlecht macht).

Mehr Lehrer, mehr Klassen

Wollte Brandenburg Verhältnisse wie in Südtirol erreichen, wären der Antwort des Ministeriums zufolge 5300 Lehrerstellen und 2000 Schulklassen sowie zusätzliche Personalausgaben von 265 Millionen Euro nötig.

Und bevor das nun als Argument gegen Inklusion aufgeführt wird, merkt ROLLINGPLANET an: Prima angelegtes Geld. Sind die Klassen nicht sowieso viel zu groß? In Bildung kann man gar nicht genug investieren. Davon profitieren alle – auch und gerade Menschen ohne Behinderung.

(RP/dpa)

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2 Kommentare

  • Monika Schwaiger

    sinnvoll ausgegebenes Geld! Besser als für unnütze Bahnhöfe, Flughäfen, Waffen etc.

    4. April 2013 at 20:41
  • Helge Blankenstein

    Das ganze Inklusionsthema geht meilenweit an der Realität vorbei.

    Gründe dafür kann nur die unsagbar große Angst der sogenannten „Nichtbehinderten“ sein, die Angst haben, dass urplötzlich eventuell ein Mensch im Rollstuhl einem verkappten, aber erfolgreichen Spruchbeutel entlarvt, seiner politischen Karriere nicht nur einen Knacks gibt, sondern komplett beendet.

    Warum ist es denn, so unvorstellbar, dass Schüler nicht nach dem Ego der Eltern oder gar der Großeltern beschult würden, sondern einfach nach den persönlichen Möglichkeiten?

    Sind wir doch mal ehrlich. Der kleinste Teil der Schülerinnen und Schüler der Gymnasien sind dort aufgrund schulischer Fähigkeiten. Vielmehr sind sie dort, weil das Ego der Eltern erfüllt werden muss. Andere sind dort, weil es dem Ansehen schaden würde, wenn Kinder nicht diese Schule besuchen würden.

    Diese Minderwertigkeitskomplexe sind es, die unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten Million Euro kosten. Kosten die bei vernünftiger Betrachtung eingespart werden könnten. Denn die Schulabbrecher, die späteren Studienabbrecher, sind es die der Gesellschaft das Geld aus der Tasche ziehen.

    Nicht die Menschen mit Behinderungen die sich nach einer Schulbildung sehen, die es ihnen ermöglicht. Nach der Schule einen Arbeitsplatz auf dem 1. Arbeitsmarkt zu erreichen. Ist es nicht einleuchtend, dass Gelder die man in schulische Ausbildung für Menschen mit Behinderungen „steckt“ sich mehrfach refinanzieren?

    Oder ist es so wie es gegenwärtig den Anschein erwägt, dass die funktionierende Gesellschaft, erreicht hat, dass Menschen mit Behinderungen, solange man sie schlecht ausbildet, als auszubeutende Mitarbeiter in den gerade explodierenden Betrieben mit Inklusionscharakter, oder Behindertenwerkstätten benötigt werden? Wäre es so, wäre auch die gegenwärtige Angst vor gut ausgebildeten Schülern mit Behinderungen ein ungewünschtes Ergebnis.
    Sorry, aber es ist schon sehr auffällig, wie sehr sich die Gesellschaft am Thema Inklusion teilt. Die Einen die laut und mit erhobenen Zeigefinger darauf hinweisen, dass es nicht sein kann, dass beispielsweise, ein Schüler mit Down-Syndrom eine Schule, respektive die Schüler an einer guten Schulbildung hindern könnte?

    Hat sich mal jemand ernsthaft Gedanken gemacht, dass Schüler, welche sich in einem für sie zutreffenden Schulsystem befinden, überhaupt keine Probleme haben würden? Nur solche die schon von grundauf überfordert sind, sind von solchen Rahmenbedingungen dann aber restlos überfordert.

    Das nächste Grundübel der Inklusionsdebatte ist, dass man warum auch immer, bei den Kosten für die Inklusion, immer nur die Kosten betrachtet die während der Schulzeit auftreten. Während für alle anderen Schüler / Studenten die möglichen Lebenszeiterträge gegengerechnet werden.

    Fühlt sich jemand getroffen? Wäre gewollt. Die Politik der Angstmacherei ist rückwärtsgerichtet. Eine Aussage die sich ganz besonders an den selbsternannten Inklusionsgeger und Bildungsminister Mathias Bordkorb richtet. Wenn man, wie er es bereits mehrfach getan hat, Inklusionskongresse unter das Motto „Warum Inklusion nicht funktionieren kann“ stellt, spricht das doch Bände.
    In diesem Zusammenhang (Agieren in Meckenburg-Vorpommern) ist man gewillt zu sagen, dass man, wenn man politisch gesehen sehr weit links steht schon wieder rechts angekommen ist

    Helge Blankenstein

    5. April 2013 at 22:08

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