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Inklusion: Kommunen fordern Schwerpunktschulen

Der Städtetag will beim gemeinsamen Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung schrittweise vorgehen.

1198_54521_1_mNach Ansicht des Städtetags kann die Inklusion behinderter Kinder nur über Schwerpunktschulen erfolgen. „Wir übernehmen uns, wenn wir sagen, an allen Schulen gibt es alles“, sagte Verbandspräsidentin Barbara Bosch (Foto: Städtetag) am Montag in Stuttgart.

Es müssten im Rahmen der Regionalen Schulentwicklung frühzeitig Schulorte für Inklusion festgelegt werden, anstatt kurz vor Schuljahresbeginn zu entscheiden, an welchen Schulen sie stattfindet. Knappe Ressourcen würden dadurch atomisiert, nicht konzentriert. Das Ministerium lehnt Schwerpunktschulen ab, weil es befürchtet, dass damit durch die Hintertür neue Sonderschulen eingerichtet werden.

Als weiteren Streitpunkt mit dem Land nannte Bosch die Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr. Bauliche Veränderungen fielen in die Verantwortlichkeit des Landes, weil hier wie bei den Inklusionskosten die Konnexität (Wer bestellt, bezahlt) gelte. Diese Sicht teilt das Land nicht.

Unüberbrückbare Differenzen

Bosch forderte die Landespolitiker auf, nicht alle zwei, drei Jahre völlig neue Schulkonzepte aufzulegen. „Schule braucht Verlässlichkeit“, sagte sie mit Blick auf Schulfrieden im Südwesten, der wegen unüberbrückbarer Differenzen zwischen Opposition und grün-roter Koalition in immer weitere Ferne gerückt ist. Dabei ist vor allem die Gemeinschaftsschule umstritten. Bosch sagte aber: „Nachdem die Weichen in Richtung Gemeinschaftsschule gestellt sind, kann ich mir ein Zurück zum vorherigen Modell nicht vorstellen.“

Die Gemeinschaftsschule sei auch Folge davon, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr auf die Hauptschule schicken wollten. Deshalb sei das dreigliedrige Schulsystem nicht mehr zu halten. „Dieser Erkenntnis kann sich niemand mehr entziehen.“ Allerdings würden die Gemeinschaftsschulen in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr zum Nachfolgemodell für Hauptschulen, weil sie zu mehr als 90 Prozent aus diesen hervorgegangen seien, bedauerte Bosch.

(dpa/lsw)

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