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Inklusion: Lehrer in Bayern „sind am Ende ihrer Kraft“

Die meisten von ihnen fühlen sich mit der Aufgabe alleingelassen, sagt ein Branchensprecher.

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (Foto: BLLV)

Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (Foto: BLLV)

Die bayerischen Lehrer schlagen wegen gravierender Probleme bei der Inklusion behinderter Kinder an Schulen Alarm und werfen der Staatsregierung mangelnde Unterstützung vor. „Die Lehrerinnen und Lehrer sind am Ende ihrer Kraft“, sagte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel in München. „Eine erfolgreiche Inklusion ist ohne optimale Rahmenbedingungen nicht möglich – auch wenn die Staatsregierung das offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen will.“

Die meisten Lehrer fühlten sich mit der Aufgabe alleingelassen, und die meisten Regelschulen seien weder personell noch räumlich auf behinderte Kinder vorbereitet. Es fehle Geld für räumliche Verbesserungen, und es fehlten Fortbildungsprogramme für Lehrer. „Für viele Lehrkräfte wäre es schon hilfreich, wenn sie besser auf die Herausforderungen vorbereitet wären“, sagte Wenzel. Die Lehrer wünschten sich zudem deutlich kleinere Inklusionsklassen, mehr Kooperation mit Sonderpädagogen und geeignete Lehr- und Lernmittel. Wenzel forderte mehr als 200 zusätzliche Stellen.

Als Beispiel für die Überforderung vieler Lehrer nennt der BLLV rechtliche Unklarheiten bei der Medikamentenabgabe an betroffene Kinder. Das Kultusministerium verlange dies von den Lehrern. Bei Fehlern zahle aber weder die Unfallversicherung noch die Diensthaftpflichtversicherung.

(dpa/lby)

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4 Kommentare

  • SiWa

    Das geht nicht nur den Lehrern in Bayern so, sondern das ist in ganz Deutschland der Fall. Hinzu kommt, dass Eltern von beeinträchtigen Kindern und Jugendlichen sich genausowenig verstanden fühlen wie die Lehrer, die ihre Kinder beschulen sollen. Es gibt zwar Nachteilsausgleich, aber niemand kennt sich so wirklich damit aus! In jedem Bundesland wird er anders ausgelegt, Dank Föderalismus. Fordert man ihn ein, stößt man schnell an Grenzen. Teilweise wird auf uralte Erlasse zurückgegriffen anstatt, dass Neues erarbeitet wird. Inklusionsregeln decken längst nicht alles ab. Das ist zum Beispiel beim Tourette-Syndrom der Fall. Da heißt es dann oft, dass eine Einzelfallentscheidung gefällt werden muss. Ungefähr 1% aller Schüler hat Tourette, ca. 7% haben Ticstörungen! Inklusionsregeln decken die Bedarfe dieser Kinder und Jugendlichen eindeutig nicht ab. Das hat z. B. der Landesbehindertenbeauftragte von Bremen schon 2005 so gesehen!

    12. Dezember 2014 at 14:33
  • Elter

    Die Wortmeldung klingt leider so, als sei an der Überlastung vor allem die Inklusion schuld.

    Ich wünschte mir, die Lehrer würden auch mal allgemein kleinere Klassen, weniger Arbeitsbelastung und eine bessere Aus- und Weiterbildung fordern, denn soweit ich es mitbekomme, sind die Lehrer auch so schon überlastet und können auch die Nicht-I-Kinder meistens nicht individuell fördern. So eine Forderung nach allgemein besseren Bedingungen hätte weniger Beigeschmack als die Forderung nach „Vorbereitung“ (Ist sowieso individuell – allgemeine Methodik-Kurse, wie man alle Kinder individuell fördern kann, fände ich sinnvoller. Meines Wissens werden aktuell in solchen Kursen u.a. juristische Tipps vermittelt, wie sich Schulen aus der Inklusion raushalten können.) und Sonderpädagogen (Klingt leider so, als wolle man die Kinder doch nicht nach ihren Möglichkeiten allgemeinbildend unterrichten, sondern an die Sonderpädagogen und defizitorientierte „ganzheitliche Förderung“ abschieben.).

    12. Dezember 2014 at 19:57
  • SiWa

    Nein, nicht die Inklusion ist Schuld. Inklusion ist schön und gut, wobei sie aber auch nicht alles abdeckt. Seit Jahren werden eher Schulen geschlossen als endlich Klassen mit weniger Schüler einzuführen. Es fehlen Sonderpädagogen und Förderlehrer. Ein Lehrer alleine kann das nicht leisten was man sich von Inklusion verspricht. Das steht auf dem Papier – und das ist geduldig!
    Fortbildungen sind wichtig, ebenso wie die Aufnahme von Beeinträchtigungen ins Studium. Ein Lehrer soll ja keine Krankheiten diagnostizieren können, aber es wäre sicherlich gut zu wissen was es an chronischen Erkrankungen gibt und das sind nicht wenige.
    Für mich war einmal der tollste Ausspruch einer Lehrkraft an einer Grundschule: „Nicht mal Legastheniker bekommen hier eine Extrawurst!“ Es ging um Nachteilsausgleich für einen Tourette-Schüler.
    Inklusion ist kein Luxusgut.

    13. Dezember 2014 at 08:29
  • Behindertebine

    Inklusion ist für mich persönlich der größe Mumpitz, nichts weiter als schöne Worte auf Papier, die nichts wert sind.

    Inklusion ist in erster Linie immer davon abhängig, unter welcher Behinderung das Kind leidet und wie stark die Behinderung ausgeprägt ist. Ich meine selbst Downsyndrom, ist nicht gleich Downsyndrom, sondern da gibt es unterschiedliche Ausprägungen.

    Nicht jedes Kind mit jeder Behinderung lässt sich integrativ in den normalen Schulalltag einbetten. Bei manchen Kindern ist es schlicht zwingend nowendig, dass sie in Sonderpädagogischen Einrichtungen betreut werden.

    Tatsache ist, die Zahlen der Beschäftigten in den WfbM steigen und steigen und nehmen NICHT ab, so wie man es eigentlich denken müsste, wenn man den großen Worten glauben schenken möchte, die Politker vom Stapel lassen. Das ist doch der beste Beweis dafür, dass es sich doch im Grunde nur um leere Phrasen handelt.

    Ich arbeite selber in einer WfbM und jede Woche werden Klassen vonsonderpädagogischen Einrichtungen bei uns durchgeschleußt, um den Leuten die „Vorzüge“ der Werkstatt schmackhaft zu machen.

    Fazit: Schöne Worte nichts dahinter, politisches Gequatsche dem keine merklichen Taten folgen sondern nur Worte auf Papier.

    5. Februar 2015 at 11:25

Kommentare sind geschlossen.