Inklusion: Pilotprojekt in Brandenburg startet

85 Grundschulen beteiligen sich an einem Modellversuch, mit dem lernschwache Kinder integriert werden sollen. Von Katharina Wiechers

Könnte eigentlich auch eine eigene Schule gründen: Bildungsministerin Martina Münch (4.v.l.) mit Ehemann und sieben Kindern. (Foto: privat)

Mit dem Ende der großen Ferien beginnt am Montag an den Brandenburger Grundschulen ein Pilotprojekt zur Integration lernschwacher Kinder. 85 Schulen beteiligen sich an dem Modellversuch, wie Bildungsministerin Martina Münch (SPD) heute in Potsdam sagte. 119 von insgesamt 450 neuen Stellen sind dafür vorgesehen.

Dadurch würden alle ausscheidenden Lehrer ersetzt, betonte Münch. Bei etwa einem Drittel der 450 Stellen handele es sich um befristete Verträge, die in unbefristete umgewandelt würden. Die übrigen knapp 300 Lehrkräfte würden neu eingestellt. Damit ist die Zahl der tatsächlichen Neueinstellungen höher als 2011/12. Damals wurden 136 Lehrer neu eingestellt und 273 befristete Verträge umgewandelt.

Nachdrücklich warb die Ministerin für das Pilotprojekt zur Inklusion. Es gehe um eine „Schule für alle“, in der Kinder mit- und voneinander lernen würden. Davon profitierten durchaus auch leistungsstarke Schüler und das Lernniveau sinke nicht ab – im Gegenteil. „Jedes Kind lernt mit seinem Tempo.“ Ein von der Landesregierung geplantes Lehrerbildungsgesetz werde Anforderungen inklusiver Schulen zum Bestandteil des Studiums machen. Das Gesetz könnte im Sommer 2013 in Kraft treten.

FDP spricht von „Mogelpackung“

Die FDP bezeichnete Münchs Ankündigung als Mogelpackung. Noch im Juni 2012 habe das Ministerium angekündigt, 550 Lehrkräfte neu einzustellen, sagte FDP-Bildungsexperte Andreas Büttner. Für die Zukunft der Kinder seien ausreichend qualifizierte Lehrkräfte notwendig.

Münch sagte, sie habe ursprünglich noch 100 weitere Stellen schaffen wollen. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei dies im Kabinett aber nicht durchsetzbar gewesen.

Bei den 119 Lehrkräften für die Pilotschulen handelt es sich laut Münch um Sonderpädagogen, Lehrer mit einer sonderpädagogischen Zusatzausbildung oder um Lehrkräfte, die bereits Erfahrungen an inklusiven Schulen sammeln konnten. Sie sollen den gemeinsamen Unterricht von lernschwachen und normal entwickelten Schülern unterstützen.

Inklusion ist wichtigste Herausforderung

Die Inklusion sei eine der wichtigsten bildungspolitischen Herausforderungen, betonte Münch. Ziel sei es, dass sich jedes Kind bestmöglich entwickeln könne – ob hochbegabt oder lernschwach. Ab 2015/2016 sollen alle Regelschulen im Land einige behinderte Kinder aufnehmen, während die Förderschulen langfristig geschlossen werden.

Ebenfalls ein großes Thema in der Bildungspolitik wird in den kommenden Jahren der demografische Wandel sein. Jüngsten Prognosen zufolge soll sich die Zahl der Geburten von rund 19.000 im Jahr 2011 auf etwa 9.900 im Jahr 2030 halbieren. Dies werde sich auch auf die Schülerzahlen auswirken, warnte Münch. Schon heute seien in ländlichen Gebieten teils nur noch zehn Kinder in einer Klasse. „Bei einer noch geringeren Zahl ist das nicht mehr machbar.“

Ab September werde sich eine Kommission mit diesem Problem befassen, kündigte Münch an. Etwa ein Jahr lang soll sie über künftige Mindestgrößen, zumutbare Wege und alternative Lösungen beraten. „Wir wollen keine Schulen schließen, aber ich kann nicht ausschließen, dass es so kommen wird“, sagte die Ministerin. Bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres mussten bereits einige Grundschulen dichtmachen – laut Münch sind noch weitere gefährdet.

Über das Land verteilt ist die Zahl der Einschulungen allerdings noch stabil: 19.500 Kinder beginnen diesen Herbst mit der Schule. Insgesamt wird es in diesem Schuljahr rund 268.000 Schüler geben, 2.000 weniger als 2011/2012.

(dapd-lbg/dpa)

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