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Inklusion und Autismus: DAS Buch.

 Auf was muss man achten, wenn es um Inklusion bei autistischen Menschen geht?

Inklusion ist in aller Munde und auch im Schulbetrieb wird erschrocken festgestellt, dass 2006 lange her ist. Aus diesem Jahre stammt die UN-Konvention, die nun der Umsetzung harrt. Inklusion hat viele Aspekte und viele Schulbehörden denken dabei vor allem an Rampen und Fahrstühle.

Aber die wenigsten Autisten brauchen Rampen und nutzen Fahrstühle auch nur, weil sie bequemer sind. Solche Baumaßnahmen helfen Autisten nicht. Sie brauchen eher Ruheräume, die passende Beleuchtung (eben nicht Neonröhren!) und gestaltete Klassenräume, die nicht ständig gewechselt werden. Ach, und dann geht es noch um den Lehrkörper, weil der ganz viel wissen muss.

Diese und weitere Aspekte gelten auch für den Kindergartenbereich, genauso wie für die spätere Arbeitsaufnahme. Ein weites Feld. Um dieses weite Feld zu beleuchten, haben Nicole und Ute Schuster dazu genau das richtige und umfassende Buch geschrieben:

Schuster, Nicole und Schuster, Ute: Vielfalt leben – Inklusion von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung

Buch: 24,90 € (Kohlhammer Verlag)

eBook: Wird nicht angeboten

Das Buch von den Schusters liefert eine detaillierte Zusammenfassung aller Inklusionsaspekte in allen Alters- und Lebensstufen. Sehr gut und akribisch gemacht.
Es geht über den Kindergarten in die Schule, weiter über Universität/ Ausbildung bis ins Arbeitsleben. In allen Bereichen wird der aktuelle Stand von Förderung/ möglicher Förderung bis hin zu Vorschlägen, Erwartungen und Notwendigkeiten der Inklusion aufgezeigt. Ich würde sagen: Lückenlos.
Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Web-links für weitere Informationen und die Fallbeispiele.
Jedem neuen Lebensabschnitt wird ein Ausschnitt aus „Karlas Tagebuch“ vorangestellt. Hier wird die aktuelle Entwicklung von „Ben“ beschrieben und die Schwierigkeiten und Nöte der Mutter dargestellt. Als Stilelement eine interessante Idee, es wirkt aber als Tagebuch eher aufgesetzt. Hier empfehle ich als Ergänzung das Buch von Liane Willey „Ich bin Autistin – aber ich zeige es nicht“.
Deutlich wird, welch weiten Weg die Inklusion noch vor sich hat. Als geradezu köstlich amüsant empfand ich den Überblick im Buch über das deutsche föderale Schulsystem. Wenn man das auf 2 Seiten grafisch komprimiert vor sich sieht, ist es kein Wunder, das Bürger den Überblick verlieren. Kompliment an die Autorinnen, die es doch geschafft haben.

Wie Inklusion gut laufen könnte, zeigt ein Beispiel aus Norwegen. Dazu hat Halfdan Freihow ein fast schon poetisches Buch über seinen 7jährigen Jungen geschrieben. Das amerikanische System lässt sich sehr gut am blinden und autistischen Jugend Rex verfolgen, der sich zu einem musikalischen Savant entwickelt – auch ein wunderschönes Buch (beide werde ich demnächst hier vorstellen).
Das Buch von Nicole und Ute Schuster hat in jedem Fall das Zeug zum Standardwerk im Bereich Inklusion und bietet sich in der Struktur für alle weiteren Inklusionsschwerpunkte und Formen von Behinderungen an.

Michael Schmitz von www.autismus-buecher.de

Folgend Sie dem Autor auf Twitter unter @autismusbuecher

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3 Kommentare

  • Rolfi

    Da gibt es übrigens auch eine interessante Broschüre Autistische Menschen am Arbeitsplatz http://www.familienratgeber.de/div/aktuell/meldung.php?nid=317

    19. Januar 2014 at 08:36
  • Pearly Spencer

    Ich gehe ja Autisten grundsätzlich aus dem Weg. Kann ihr Verhalten einfach nicht nachvollziehen.

    20. Januar 2014 at 07:51
    • Chris Stern

      Och, das finde ich jetzt nicht so problematisch.
      Es gibt wohl für jede Gruppe von Menschen, die „anders“ sind, sei es durch Aussehen, Verhalten oder einem Gemisch davon, wiederum Gruppen von Menschen, die sie ablehnen.
      Ich schließe mich da nicht aus: Ich gehe grundsätzlich Leuten mit unreflektierten Vorurteilen aus dem Weg und bin damit immer ganz gut gefahren.
      Jedem das Seine.

      11. März 2014 at 23:32

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