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Inklusion und Jobs – so doof sind deutsche Unternehmer

Neuer „Inklusionsbarometer Arbeit“: Jede fünfte Firma weiß nicht, dass es Zuschüsse geben kann, wenn sie Behinderte beschäftigt.

Bert Rürup und Aktion Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar stellten in der Bundespressekonferenz das Inklusionsbarometer der Aktion Mensch zum Thema Arbeit vor. (Foto: Aktion Mensch/Stefan Trappe)

Bert Rürup und Aktion Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar stellten in der Bundespressekonferenz das Inklusionsbarometer der Aktion Mensch zum Thema Arbeit vor. (Foto: Aktion Mensch/Stefan Trappe)

Menschen mit Behinderung profitieren von der positiven Tendenz am Arbeitsmarkt deutlich weniger als Menschen ohne Behinderung. Dies belegt auch das erstmals erhobene Inklusionsbarometer der Aktion Mensch zum Thema Arbeit, welches die Soziallotterie am Dienstag vorstellte. Anlass ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung (3. Dezember).

Ziel des vom Handelsblatt Research Institute entwickelten Barometers ist es, Auskunft über den Grad der Inklusion in der Arbeitswelt zu geben.

So funktioniert das Inklusionsbarometer

Für das Inklusionsbarometer Arbeit sind 402 mittelständische Unternehmen und 807 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung befragt worden. Zugleich sind die jüngsten Zahlen aus verschiedenen Quellen wie der Bundesagentur für Arbeit in die Bewertung eingeflossen. Das Barometer setzt sich aus Teilergebnissen zur Lage und zum Klima zusammen und wird von der Aktion Mensch künftig jährlich erhoben.

„Noch viel Handlungsbedarf“

Im Ergebnis ist die Quote der Arbeitslosen mit Behinderung mit 14 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Behinderung. Zudem stellten die Arbeitgeber von Menschen mit Schwerbehinderung im vergangenen Jahr rund fünf Prozent mehr Anträge auf Kündigung bei den Integrationsämtern als im Durchschnitt des vorangegangenen Fünf-Jahreszeitraums. „Zwar hat sich die Lage von Menschen mit Behinderung bereits verbessert, doch es gibt noch viel Handlungsbedarf“, sagt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch.

Dazu zähle auch ein veränderter Blickwinkel der Arbeitgeber. „Nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten der potenziellen Beschäftigten sollten bei der Einstellung im Fokus stehen.“ Dann könnte diese Gruppe von Menschen auch den in vielen Branchen beklagten Fachkräftemangel abmildern.

Nicht alle Firmen kennen die staatlichen Fördermittel

„In einer Marktwirtschaft verspricht sich jeder Unternehmer mit einer Einstellung die Verbesserung seines Unternehmensergebnisses“, sagt Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institutes. Dabei gibt das Barometer inklusiv denkenden Firmenchefs Recht: „Mehr als 80 Prozent der Arbeitgeber stellen keine Leistungsunterschiede zwischen Angestellten mit und ohne Behinderung fest.“

Grundsätzlich schöpften Mittelständler das Potenzial jedoch noch nicht voll aus, es fehle an Barrierefreiheit und Inklusionsplänen: „Rund ein Fünftel dieser Firmen wissen nicht, dass es staatliche Förderung gibt“, so Rürup. Und nur gut zwei Drittel der Informierten nutzen diese Möglichkeit.


Zum Inklusionsbarometer (PDF)

(PM)

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6 Kommentare

  • Benedikt Lika

    Das sag ich schon lang. Ich finde, man sollte so manchen AG zu seinem Glück einfach mal zwingen 🙂

    2. Dezember 2013 at 20:24
  • Thomas Schuler

    Na man könnte in einer Bewerbung ja auch darauf aufmerksam machen 😉

    2. Dezember 2013 at 20:26
  • Benedikt Lika

    Und wofür gibt es dann Schwerbehindertenvertreter?Ist das nicht deren Job?

    2. Dezember 2013 at 20:31
  • Thomas Schuler

    Auch, klar. Aber die gibt es nicht in jedem Betrieb. Und man kann nicht davon ausgehen, dass jeder Personaler alles weiß – bzw. sollte man nicht sondern lieber drauf hinweisen.

    2. Dezember 2013 at 20:33
  • Ana

    Der Titel lädt ja nun ganz prima dazu ein, dass man sich als Arbeitgeber gerne auf das Thema „Einstellung von Behinderten“ einlässt.
    Nicht.

    Ich weiß ja nicht, ob der Rollende Planet mal versucht hat, sich durch die Informationsbroschüren zu wühlen und dort das zu finden, was einem Arbeitgeber tatsächlich in der Praxis helfen könnte. Es ist ein heilloses Durcheinander.

    Natürlich kommt es auch darauf an, ob man wirklich will oder nicht, aber wie gesagt, eine Einladung an Arbeitgeber, sich mit dem Thema zu befassen, könnte anders klingen.

    3. Dezember 2013 at 12:10
  • Biotop

    Wenn du Arbeitgeber wärst und dich jemand zwingen würde, Behinderte einzustellen, was würdest du dann denken? Einfach ein paar 400-Euro-Stellen schaffen und schon is Ruh mit der Quote, nur dass damit kaum jemandem geholfen ist, der wirklich arbeiten und davon leben möchte.

    3. Dezember 2013 at 13:17

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