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Inklusion: Wie aus einer Gurkenscheibe ein Big Mac wurde

Warum ROLLINGPLANET eine Pressemitteilung von McDonald’s über schwerbehinderte Arbeitnehmer im Hals stecken blieb.

Big Mac: Irgendwo da drinnen sind auch Gewürzgurkenscheibchen versteckt (Foto: iwdn)

Big Mac: Irgendwo da drinnen sind auch Gewürzgurkenscheibchen versteckt (Foto: iwdn)

Betriebe mit mehr als 20 Arbeitsplätzen müssen laut § 71 Sozialgesetzbuch (SGB) IX mindestens fünf Prozent davon mit Schwerbehinderten besetzen, ansonsten eine monatliche Ausgleichsabgabe fällig wird. Angenommen, Sie wären ein Weltunternehmen, das diese Quote nicht erfüllt: Würden Sie damit protzen oder lieber die Füße ganz still halten?

Vergangene Woche hat McDonald’s seinen Nachhaltigkeitsbericht 2012 veröffentlicht. Der Konzern lobt sich für „erneut messbare Fortschritte hinsichtlich des Unternehmensengagements entlang der gesamten Wertschöpfungskette“. So seien die restaurantbezogenen CO2-Emissionen, umgerechnet auf den einzelnen Gast, um 27 Prozent reduziert worden.

Ein bemerkenswerter Satz

Und dann folgt in der Pressemitteilung dieser Satz:

„Gleichzeitig stieg die Anzahl der Arbeitnehmer mit Behinderung im Vorjahr um 12 Prozent an.“

So dreist hat in den vergangenen Monaten wohl kaum eine Firma seine Inklusionsbemühungen gelobt Denn nicht überall, wo Big Mac draufsteht, ist Big Mac drin. Manchmal ist es nicht einmal eine Gewürzgurkenscheibe, mit der die Klöpse belegt werden.

Was die Pressemitteilung verschweigt: McDonald’s (Netto-Jahresumsatz: 3,25 Milliarden Euro) beschäftigte im vergangen Jahr 828 Mitarbeiter, die einen Schwerbehindertenausweis oder einen Gleichstellungsbescheid besitzen (2011: 740).

Die Wahrheit hinter den Zahlen

Was zunächst einmal ganz ordentlich aussieht, entpuppt sich schnell als Klops des Tages: Deutschlandweit hat McDonald’s 64.000 Mitarbeiter. Das ergibt einen Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter von 1,29 Prozent. Auf ROLLINGPLANET-Anfrage bestätigte McDonald’s diese Zahl.

Es mag viele Gründe geben, warum eine Firma nur einen Bruchteil der gesetzlich vorgeschriebenen und gesellschaftsverantwortlich angebrachten Anzahl von Schwerbehinderten beschäftigt. Vielleicht hat ja McDonald’s das „Supersize me“ seines Kritikers Michael Moore einfach nur falsch verstanden? Wie wäre es damit? Nicht angeben, Klappe halten und das Zeugs runterschlucken.

(RP)


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