„Inklusionsbarometer Arbeit“: So viele Menschen mit Behinderung wie nie zuvor haben eine Stelle

Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Behinderung.

Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI (Foto: dpa)

Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI (Foto: dpa)

Die Inklusion am Arbeitsmarkt macht Fortschritte, wenn man dem „Inklusionsbarometer Arbeit“ vertrauen kann: Mehr als 1,15 Millionen Menschen mit Behinderung sind nach jüngsten Zahlen in Deutschland erwerbstätig – so viele wie nie zuvor. Das ergibt ein Bericht der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI). Im Gesamtergebnis erreicht das Inklusionsbarometer mit 101,2 erstmals einen Wert, der auf eine Verbesserung hinweist. „In vielen Teilbereichen sind Entwicklungen zu erkennen, die zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben“, sagt Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI.

Positiv sei auch der Anstieg der Zahl der Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen, um mehr als 4.000 auf fast 150.000. Damit einher geht die Rekordzahl von 1,016 Millionen besetzten Pflichtarbeitsplätzen. Dies bedeutet auch, dass die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung auf 4,67 (Vorjahr: 4,64) zulegt und näher an die gesetzliche Vorgabe von fünf Prozent rückt. Weitere 138.000 Menschen sind in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern beschäftigt.

„Dennoch könnten Menschen mit Behinderung noch viel stärker vom Aufschwung am Arbeitsmarkt profitieren“, relativiert Armin von Buttlar, Aktion Mensch-Vorstand. Denn die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist mit 13,9 Prozent leicht gesunken, aber immer noch doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe ohne Behinderung. Die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung bestätigt den Handlungsbedarf: Sie ist mit 181.110 Menschen um rund 3000 gestiegen.

Art der Behinderung spielt eine Rolle

Hinzu kommt, dass die Arbeitssuche im Durchschnitt 96 (Vorjahr: 95) Tage länger dauert als bei Arbeitslosen ohne Behinderung. Immer noch bleiben 36 (Vorjahr: 32) Prozent aller Arbeitgeber unter der Einstellungsquote für Menschen mit Behinderung von fünf Prozent. Sie zahlen stattdessen die gesetzliche Ausgleichsabgabe. Als Gründe nennen sie räumliche Barrieren und die mangelnde Bekanntheit der staatlichen Förderung.

Auch die Art der Behinderung spielt bei der Einstellung eine entscheidende Rolle. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist der erste Arbeitsmarkt weitgehend verschlossen. Immerhin: 67 Prozent der befragten Unternehmen stellen sich auf Mitarbeiter mit körperlicher Behinderung ein.

Bewegung am Arbeitsmarkt ist nicht zu erwarten: Nur zehn Prozent der befragten Unternehmen wollen in den kommenden zwei Jahren weitere Mitarbeiter mit Behinderung in ihrer Firma einstellen. Jedoch gibt der Erfolg inklusiv arbeitenden Firmen Recht. Mehr als drei Viertel aller Unternehmer (2015: 77 Prozent/Vorjahr: 74 Prozent) sehen keine Leistungsunterschiede zwischen den Beschäftigten mit und ohne Behinderung.

Der „Inklusionsbarometer“ meldet für 2015 einen verbesserten Wert von 101,2 statt 99,9 im Vorjahr. (Grafik: Aktion Mensch)

Der „Inklusionsbarometer“ meldet für 2015 einen verbesserten Wert von 101,2 statt 99,9 im Vorjahr. (Grafik: Aktion Mensch)

Blick auf die Regionen
NRW gibt Spitzenposition bei Inklusionsklima ab:
Im regionalen Vergleich gibt Nordrhein-Westfalen in Bezug auf das Inklusionsklima seine Spitzenposition an die Region Mitte (dies sind die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) ab und fällt auf den dritten Platz. Denn auch der Süden Deutschlands (Bayern, Baden-Württemberg) hat das bevölkerungsreichste Bundesland überholt. Auf weiterhin niedrigem Niveau bewegen sich die Regionen im Osten und Norden, wobei der Norden das Schlusslicht bildet.

(RP/PM)

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8 Kommentare

  • Monika Schwaiger

    Bei einer WfbM mit weniger als 1 Eur pro Stunde?

    1. Dezember 2015 at 13:35
  • Nico Ringe

    Witz komm raus

    1. Dezember 2015 at 16:51
  • Klaus-Dieter Dingel

    Lügenbaron.

    1. Dezember 2015 at 17:07
  • Rainer Kühne

    Er traut sich jetzt nicht einmal mehr seinen Namen ins Volk zu werfen, so viel faule Eier gibt es in ganz Deutschland nicht!

    1. Dezember 2015 at 19:33
  • Andrea Bröker

    Bei den Schwerbehinderten liegt die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie bei den Nichtbehinderten und die, die einen Arbeitsplatz haben, sind oftmals nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt.

    1. Dezember 2015 at 23:25
  • Andrea Bröker

    Bei den Schwerbehinderten liegt die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie bei den Nichtbehinderten und die, die einen Arbeitsplatz haben, sind oftmals nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt.

    1. Dezember 2015 at 23:28
  • Andreas Lindlar

    Klar bei den miesen Zahlen ist eine Verbesserung auch recht leicht.

    2. Dezember 2015 at 18:00
  • Stefan Himbert

    Alles nur für “ fitte “ und die anderen kommen immer noch in eine psychiatrische Einrichtung und werden medikamentös ruhig gestellt . Das nennt sich Inklusion !

    2. Dezember 2015 at 20:06

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