Internationale Freiwilligendienste: Zu wenig Unterstützung für behinderte Helfer

Dies war eine der Erkenntnisse eines Workshops, der in Essen stattfand. Wie könnte sich das ändern?

Projekt in Afrika: Gruppenbild mit zwei deutschen Volontären, die vom "weltwärts"-Programm finanziert wurden. (Foto: steps for children)

Die gesetzlichen Bestimmungen müssen geändert werden, damit mehr Menschen mit Behinderung einen internationalen Freiwilligendienst machen können. Das war ein Ergebnis des internationalen Workshops „weltwärts alle inklusive!“, der vom 12. bis zum 14. Juni in Essen stattfand. Mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit mehr junge Erwachsene mit Behinderung am weltwärts-Programm, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), teilnehmen können.

Freiwillige mit einer Behinderung mit Auslandserfahrung machten deutlich, dass sie wenig Unterstützung bei Behörden für einen Freiwilligeneinsatz im Ausland finden. „Die höchste Barriere für mich war, die Finanzierung einer persönlichen Assistenz im Ausland genehmigt zu bekommen“, berichtete eine ehemalige Freiwillige im Rollstuhl.

Höhere Altersgrenze gefordert

Sozialämter finanzieren eine Assistenz im Ausland für maximal sechs Wochen – ein Freiwilligendienst im Ausland oder einer Auslandsstudium über mehrere Monate ist so nicht möglich. Die Teilnehmenden forderten daher eingeladene Politiker auf, die gesetzlichen Bestimmungen für behindertenspezifische Mehrbedarfe zu ändern.

Darüber hinaus schlugen potentielle Freiwillige vor, die Bedingungen für die Teilnahme an Freiwilligendiensten für Menschen mit Behinderung flexibler zu gestalten. Eine Altersbegrenzung wie beim weltwärts-Programm von 28 Jahren sei für viele Menschen mit Behinderung unangemessen, da diese aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen möglicherweise mehr Zeit für Schule und Studium benötigten.

Außerdem wurde deutlich, dass junge Menschen mit Behinderung weniger Ängste vor einem Auslandseinsatz haben als die Entsendeorganisationen. Viele wären sogar bereit, Anstrengungen in Kauf zu nehmen, wenn ihre Einsatzstelle inhaltlich zu ihnen passe. Selbstvertretungsorganisationen ermutigten die Entsendeorganisationen, Informationen für Bewerber und Bewerberinnen auch in barrierefreier Form zu veröffentlichen.

bezev will sich für die Inklusion einsetzen

Der Veranstalter des Workshops, bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.), kündigte an, die Empfehlungen aufzubereiten und sich auch politisch für die Inklusion in internationalen Freiwilligendiensten einzusetzen.

Freiwillige mit Behinderung sind in Freiwilligendiensten deutlich unterrepräsentiert. Beim weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben von rund 10.000 Freiwilligen nur etwa 5 Freiwillige mit einer Behinderung teilgenommen. Aus diesem Grund hat bezev das Pilotprojekt „weltwärts alle inklusive!“ ins Leben gerufen, mit dem mehr Menschen mit Behinderung die Teilnahme an Freiwilligendiensten ermöglicht werden soll.

Kritik an „weltwärts“

Allerdings gibt es auch Kritik: „Weltwärts ist ein Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Und dieser Name ist Programm: Junge Menschen bis 28 Jahre können für mindestens ein halbes Jahr in einem Projekt der Entwicklungszusammenarbeit im Ausland arbeiten“, schreibt die Deutsche Welle.

„Dafür gibt´s ein Taschengeld von 100 Euro. Alle wesentlichen Kosten wie Reise und Unterkunft werden den Freiwilligen bezahlt. Drei Viertel dieser Kosten trägt der Staat, pro Freiwilligem sind das rund 7000 Euro. Fast 10.000 Freiwillige sind mit Weltwärts schon im Ausland gewesen. Kritiker nennen das Programm allerdings ein Tourismus-Programm für junge Schulabgänger – und fordern dessen Abschaffung.“

Zu den Kritikern zählten auch Rupert Neudeck und Wilfried Pinger, die beide Veteranen der Entwicklungshilfe sind. „Wir helfen mit dem Programm uns selbst. Wir helfen nicht den Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika“, zitiert sie die Deutsche Welle, „sie fordern das sofortige Ende von Weltwärts.“

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