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Internationaler Alzheimer-Tag (1): Die Stigmatisierung

Jährlich am 21. September machen die Weltgesundheitsorganisation und nationale Verbände auf die Lage der Erkrankten und ihrer Angehörigen aufmerksam. Die wichtigsten Fakten aus dem neuen Welt-Alzheimer-Bericht 2012.

(Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Weltweit haben etwa 35 Millionen Menschen Alzheimer oder andere Demenzerkrankungen. Bis 2050 werden es nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft voraussichtlich 115 Millionen sein. In Deutschland sind 1,2 Millionen Menschen betroffen. Die häufigste Demenzursache ist die nach dem Neurologen Alois Alzheimer benannte unheilbare Alzheimer-Krankheit. Seit 1994 machen die Weltgesundheitsorganisation und nationale Verbände jährlich am 21. September auf die Lage der Erkrankten und ihrer Angehörigen aufmerksam. In Deutschland werden zum Alzheimer-Tag 2012 unter dem Motto „Demenz: zusammen leben“ Aktionen und Vorträge organisiert.

Oft isoliert und am Rande der Gesellschaft

Wer Demenz oder Alzheimer hat, der findet sich oft isoliert und am Rande der Gesellschaft wieder – das bestätigt der Welt-Alzheimer-Bericht 2012 eindrücklich. Bei der Studie der Organisation Alzheimer’s Disease International (ADI), die zum Weltalzheimertag an diesem Freitag in London vorgestellt wurde, gaben 75 Prozent aller befragten Erkrankten an, dass mit der Diagnose Demenz in ihren Heimatländern sehr negative Assoziationen verbunden seien. 60 Prozent der Angehörigen stimmten zu. 40 Prozent der Kranken gaben an, sich nicht ins Alltagsleben integriert zu fühlen. 24 Prozent erklärten, sie hätten die Diagnose schon einmal verschwiegen, weil sie Angst vor Vorurteilen und negativen Folgen hätten.

„Diese Stigmatisierung bremst den Fortschritt sämtlicher Demenz-Initiativen“, erklärte Autorin Nicole Batsch. So werde die Arbeit daran erschwert, die Pflege der Erkrankten und die Lage der Angehörigen zu verbessern. Dringend nötige Gelder für die Forschung würden blockiert.

Zehn Empfehlungen für Regierungen

Der Bericht schlägt deshalb zehn Schlüsselelemente für Regierungen und gesellschaftliche Organisationen vor, Demenzkranke zu integrieren. Dazu gehören: Eine bessere Information der Öffentlichkeit und auch der Pfleger und Ärzte, mehr Teilnahme der Erkrankten am öffentlichen Leben etwa in Gemeinden und Stadtteilen, eigene Vertretungen für die Interessen von Demenzkranken. Die Organisation ADI fordert Regierungen weltweit auf, Pläne für den künftigen Umgang mit der Krankheit aufzustellen, und Forschung anzutreiben, wie gegen die Stigmatisierung vorgegangen werden kann.

„Der Bericht zeigt, dass sich Menschen mit Demenz und ihre Pfleger von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, manchmal durch ihre eigenen Freunde und Familienmitglieder“, erklärte Batsch. „Sie wollen wie normale Menschen behandelt werden, mit Blick auf ihre Fähigkeiten, nicht auf ihre Einschränkungen.“

Für den Bericht wurden 2500 Menschen in 50 Ländern online befragt. ADI weist erneut auf den für die kommenden Jahre erwarteten, rapiden Anstieg der Demenz-Diagnosen hin. Derzeit werde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO alle vier Sekunden ein neuer Fall festgestellt.

(dpa)

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