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Internet ist für Blinde das Tor zur Welt – wenn es barrierefrei ist

Behörden und deren Lieferanten sind verpflichtet, ihre Webangebote barrierefrei zu gestalten. Doch nur die wenigsten halten sich daran. Von Anna Wieland

Der blinde Student Jakob Herrmann aus Tübingen liest mit Hilfe einer Braillezeile am Computer. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Der blinde Student Jakob Herrmann aus Tübingen liest mit Hilfe einer Braillezeile am Computer. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Schon in der Schule war der Computer Jakob Herrmanns ständiger Begleiter. Seit er auch einen Internetzugang hat, bieten sich dem Tübinger Studenten viele neue Möglichkeiten. Mal eben schnell was nachschlagen, das war für den 30-Jährigen früher undenkbar – denn er ist von Geburt an blind.

„Wenn ich dann mal irgendwas wissen wollte, musste ich immer nachfragen. Seit ich das Internet hab‘, habe ich das ganze Wissen jederzeit, das ich brauche.“ Wie für Herrmann werden digitale Angebote auch für andere Menschen mit Handicap heute immer wichtiger. Problemlos nutzen können sie diese aber nur, wenn die Inhalte auch barrierefrei sind.

Was ist digitale Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit im Digitalen bedeutet, „dass man Inhalte in einer Form präsentiert, die von ihrem visuellen Eindruck unabhängig sind“, erklärt Markus Erle, Berater für digitale Barrierefreiheit und Inhaber der Tübinger Agentur Wertewerk.

Die Inhalte müssen für jeden wahrnehmbar, nutzbar und verständlich sein. Für keinen Anwender dürfen wegen eines Handicaps Informationen verloren gehen – egal ob Homepage, Textdokument, Abbildung oder App.

Welche Anforderungen ein digitales Angebot erfüllen muss, variiert je nach Handicap. Für die Gestaltung barrierefreier Websites gibt es jedoch gewisse Grundsätze, erklärt Erle: Neben einer klaren Struktur sind Navigation und Orientierung für den Nutzer wichtig. „Damit er weiß, wo er gerade ist“, präzisiert er. Kein Inhalt sollte nur über Visuelles oder Farben vermittelt werden. Ebenso ist die Bedienbarkeit mit der Tastatur von Bedeutung.

Möglichst keine Grafik-Spielereien

Für Informatik-Student Herrmann ist eine klare Strukturierung der Online-Inhalte wichtig. Sinnvoll verwendete Überschriften etwa helfen ihm, sich zu orientieren. Essenziell sind außerdem textliche Alternativen für Visuelles wie Beschriftungen oder Beschreibungen von Bildern und Grafiken.

Grafik-Spielereien oder aufwendige Designs sollten die Entwickler möglichst vermeiden: „Eine normale Seite, die auf Spezialeffekte verzichtet, ist in der Regel auch zugänglich – auch wenn sie nicht explizit barrierefrei ist. Sobald Spezialeffekte verwendet werden, ist meistens irgendwann Feierabend.“

Herrmann ist nicht nur für sein Informatikstudium auf digitale Angebote mit Netzzugang wie PC oder Smartphone angewiesen. Auch im Privaten setzt er auf die Technik: „Es würde gar nicht mehr ohne gehen“, erzählt er. „Ich verlasse mich da wirklich drauf.“

Wie Jakob Herrmann seinen Computer nutzt

Jakob Herrmann hat halblange dunkelblonde Haare. Er trägt ein schwarzes T-Shirt. Darauf ist in Rot ein lustiger Pinguin mit langen Haaren zu sehen. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Jakob Herrmann hat halblange dunkelblonde Haare. Er trägt ein schwarzes T-Shirt. Darauf ist in Rot ein lustiger Pinguin mit langen Haaren zu sehen. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Der Student lässt sich die Inhalte am PC doppelt ausspielen: Er nutzt eine Software zur Audio-Ausgabe, um sich Texte vorlesen zu lassen, sowie eine Braillezeile, die Texte in Blindenschrift darstellt. Mithilfe der Technik kann er sich problemlos im Internet bewegen, sagt der Student.

Zwar kann er bestimmte Hilfsmittel wie die Maus nicht nutzen, eingeschränkt fühlt er sich deswegen aber nicht: „Dann muss ich mich halt intensiver mit dem System befassen und verstehe dann auch Sachen womöglich ein bisschen besser.“

Nur wenige halten sich an das BGG

Die deutschen Behörden sowie deren Auftragnehmer und Lieferanten sind durch das „Behindertengleichstellungsgesetz“ (BGG) zur allgemeinen Barrierefreiheit verpflichtet. „Das Internet ist für Menschen mit Behinderung eine riesen Chance, weil die Kommunikationsmöglichkeiten gestiegen sind“, sagt der baden-württembergische Behindertenbeauftragte Gerd Weimer.

Allerdings werde gerade für Sinnes- und Lernbehinderte noch zu wenig geboten. „Es geht langsam voran, aber es entwickelt sich“, sagt Erle. Auch die private Wirtschaft erkenne langsam, wie wichtig das Thema sei. Dennoch: Mehr als 70 Prozent von Erles Kunden sind per Gesetz zur Barrierefreiheit verpflichtet, nur eine Minderheit achtet freiwillig darauf.

Auch wenn in Sachen Barrierefreiheit im Digitalen seiner Meinung nach noch Nachbesserungsbedarf herrscht, kann sich Herrmann keinen Alltag mehr ohne Online-Zugang oder Smartphone vorstellen: „Ich würde wahrscheinlich vieles anders machen, wenn es die Möglichkeit nicht geben würde. Aber dadurch wäre ich natürlich auch eingeschränkter.“

(dpa)

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1 Kommentar

  • Thomas

    Doofe Frage, aber ich verstehe den Anlass dieses Artikels nicht. Möchte Wertewerk seine überteuerten Dienstleistungen bewerben? Und die Aussage mit den grafischen Spielereien stimmt auch nicht, Blinde haben zwar nichts davon, aber Sehende schon, wenn sie z.b. nicht gut Text lesen oder verstehen können.

    8. Oktober 2013 at 13:50

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