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Interview mit Andreas Joneck (2): Wie war die Sexaffäre mit der blinden Tochter Ihres Sponsors?

Im zweiten Teil verrät der Manager des Deutschen Rollstuhlbasketball-Meisters RSV Lahn-Dill und Mitglied des Presseteams von Team Germany (Nationalmannschaften), was Sache ist – privat und im Vereinsleben.

Illustration der Mannschaft

Das offizielle Team"foto" von RSV Lahn-Dill aus dem Jahr 2001, auf das Andreas Joneck (stehend, hinterste Reihe, 2.v.l.) immer noch gerne verweist: "Mal etwas anderes, ein absoluter Hingucker, der einiges Aufsehen erregte, weil wir uns als Behinderte dabei selbst ein wenig auf die Schippe genommen haben." Gezeichnet wurde die Truppe von Hans-Michael Kirstein, einem Illustrator aus Buseck bei Gießen.

Zum Teil 1 des Interviews: Herr Joneck, wie oft wedeln Sie mit Ihren Schecks?

In der Bundesliga kursiert das Gerücht, dass Ihre persönliche Karriere und der Aufstieg des RSV Lahn-Dill Ihrem Hauptsponsor STADA Arzneimittel zu verdanken sind. Stimmt es, dass der STADA-Chef Sie einst für seine blinde Tochter als Helfer beauftragte und Sie damit auch für den RSV Lahn-Dill entdeckte? Und dass es vielleicht sogar eine Liebesaffäre gab…?

Das ist ja eine geile Geschichte, aber vollkommen dem Reich der Fantasie entsprungen.

Meine persönliche Karriere begann viel früher, ehe der Kontakt mit STADA zustande kam. Natürlich verdankt der RSV Lahn-Dill seinem Hauptsponsor und vielen Leuten dort sehr viel, aber dies in einer ganz anderen Art, als die meisten glauben zu wissen. STADA hat uns an die Hand genommen, uns Arbeitsweisen und Know-how beigebracht, dies war großartig, wir haben viel gelernt.

Die Arbeit selbst mussten wir aber schon alleine verrichten und haben stets Entscheidungen unabhängig und eigenständig getroffen. Heute ist STADA nach fast 20 Jahren immer noch unser Hauptsponsor, da wäre es eine Lüge zu behaupten, dass wir STADA nicht viel zu verdanken hätten. Doch heute liegt der Anteil unseres Hauptsponsors am Gesamtetat deutlich unter 30 Prozent, damit sind wir sehr solide und gesund aufgestellt.

Der STADA-Chef hat gar keine blinde Tochter?

Exakt, er hat gar keine blinde Tochter.

Na gut, dass wir nachgefragt haben. Dann haben wir ja hoffentlich das verrückteste Gerücht der Bundesliga aus der Welt geschafft und können wieder mit den Fachfragen weitermachen. Der RSV Lahn-Dill ist der erfolgreichste und am professionellsten geführte Rollstuhlbasketballclub Deutschlands. Was hat der RSV Lahn-Dill, was die anderen nicht haben?

Zu beurteilen, was andere nicht haben, steht mir nicht zu. Aber ich weiß, was unser Trumpf ist: professionelle Strukturen gepaart mit unendlich viel Herzblut! Wir haben dafür eigens den Begriff „Werteorientierter Professionalismus“ kreiert, den wir voller Überzeugung versuchen zu leben.

In Ihrem eigenen Interesse, damit die Liga nicht wegen Langeweile stirbt: Was ist Ihr Tipp an die Konkurrenten?

Es gibt kein allgemein gültiges Erfolgsrezept, das von Flensburg bis Passau greift. Rahmenbedingungen und Chancen sind dazu lokal und regional viel zu unterschiedlich. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es überall ein solches Rezept gibt, man muss es nur suchen, konsequent und mit Geduld verfolgen.

Fünf Männer vom RSV-Management in Anzügen, die gemeinsam einen Basketball anfassen

Das RSV-Management: Sebastian Mende, Jörg Fink, Nicolai Zeltinger, Sven Köppe, Andreas Joneck

Werden Sie einen Ersatz für Ihren Kapitän Joey Johnson verpflichten, der nach dieser Saison in seine Heimat Kanada zurückkehrt? Oder wie werden Sie ihn kompensieren? Schließlich müssen Sie ja auch den Weggang von Steve Serio und Mina Mojtahedi verkraften…

Wir werden uns wie auch zuvor bei Michael Paye, Steve Serio, Jan Haller oder Thomas Böhme mit einem Talent verstärken, das wir zu einem großen Spieler aufbauen möchten und das nicht nur sportlich in unser Konzept passt. Einen fertigen Weltklassespieler haben wir noch nie gesucht.

Bei Ihnen spielen Nationalspieler aus aller Welt. Wie scouten Sie die? Oder ist das im Rollstuhlbasketball relativ einfach, weil man die Guten einfach kennt? Zumal, da Ihr Vereinscoach Nicolai Zeltinger auch Nationaltrainer ist und die internationale Bühne ohnehin im Überblick hat?

Die Szene ist natürlich übersichtlicher als in anderen Sportarten, aber wir haben ein gutes Netzwerk und noch wichtiger einen guten Ruf. Natürlich beobachten wir die Szene, insbesondere durch Nicolai Zeltinger, der viele internationale Kontakte hat, die aber weit vor seiner Aufgabe als Bundestrainer entstanden sind. Nationalmannschaft und RSV Lahn-Dill profitieren dabei gegenseitig voneinander.

Welchen Spieler hätten Sie denn gerne, den Sie noch nicht zum RSV Lahn-Dill lotsen konnten?

Wenn ich das verraten würde, könnten wir ja niemanden mehr überraschen (lacht).

Sie waren selbst aktiver Spieler und Trainer, letzteres unter anderem zehn Jahre lang von diversen Jugendmannschaften des TV 1847 Wetzlar, das war von 1983 bis 1993. Danach coachten Sie den TV 1860 Lich in der Oberliga Hessen und schafften es mit den Damen von Post-SV Gießen in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga Süd. Was kann Ihr Trainer Nicolai Zeltinger besser, als Sie es je konnten?

Vieles, dies alles aufzuzählen ist in einem Interview nicht wirklich möglich. Nic ist ein absolut akribisch arbeitender Coach, der vieles sehr wissenschaftlich hinterfragt, plant und vorbereitet. Da würde das Wasser reichen sehr schwer, aber das ist ja auch gar nicht mein Ziel.

Rollstuhlbasketball ist ja ein richtig integrativer Sport, bei dem Nichtbehinderte im Verein spielen können, was oft zu Lasten der Spieler mit den niedrigen Klassifizierungspunkten geht. Andererseits dürfen die nichtbehinderten Sportler nicht in der Natio spielen. Wie bewerten Sie diese Situation?

Wir verstehen Rollstuhlbasketball in der Spitze als Leistungssport, wenn auch mit einem speziellen und sehr sympathischen Charakter. Für uns gehört eine offene und leistungsfördernde Konkurrenzsituation zwingend dazu. Regularien sind wichtig, dürfen aber nicht entwicklungs- und konkurrenzhemmend sein, was sie international vereinzelt leider sind.

Sie haben seit 2011 Ihre eigene Sportagentur. Wie groß ist die, was sind Ihre Aktivitäten?

Meine Sportagentur bin ich selbst, eine kleine Einzelfirma, mehr nicht. Ich kenne den Sport inzwischen aus der Sicht des Aktiven, des Trainers, des Funktionärs, des Journalisten, des Logistikers, des Managers und inzwischen auch als Controller und dies auf der unterschiedlichen Vereins- und Verbandsebene.

2006 galten Sie als erster Anwärter für einen Managerjob beim Basketball-Bundesligisten Giessen 46ers. Warum sind Sie dann doch beim RSV Lahn-Dill geblieben?

Das stimmt, ich hatte 2002 und 2006 ein Angebot auf dem Tisch. Die Entscheidung war nicht ganz einfach zu fällen, aber letztendlich habe ich sie in beiden Fällen nicht gegen die 46ers getroffen, sondern für den RSV Lahn-Dill. Rollstuhlbasketball ist eine fantastische Sportart, klein, fein, exotisch. Hier kann man Normen aufbrechen, anders sein, provozieren und gleichzeitig viel besser und effektiver im Hintergrund arbeiten. Eine meiner besten Entscheidungen!

Sie werden den Rest Ihres Lebens beim RSV Lahn-Dill bleiben – oder reizt dann doch irgendwann mal ein anderer Job…?

Mich reizen ausgefallene und interessante Jobs, wo man kreativ, innovativ und trotzdem in Ruhe harmonisch arbeiten kann. Dies ist beim RSV Lahn-Dill gegeben. Solange dies so ist, sehe ich keinen Grund, etwas anderes zu machen.

Ihr Wunsch an die deutsche Rollstuhlbasketballszene?

Aufwachen!

Vielen Dank für dieses Interview.

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1 Kommentar

  • Frank

    eine Frau, die mit Andreas eine Sexaffäre hat, „muss“ blind sein! 🙂 Schöne Grüße nach Wetzlar 🙂

    26. April 2012 at 21:37

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