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Iron Roll 2013: Rollstuhlfahrer fordern eine Stadt und ihre Fußgänger heraus

Am 4. und 5. Mai erlebt Potsdam das Finale einer Aktion, die gefühlsmäßig zwischen Iron Man und Rock’n’Roll liegt.

Strengt sich mächtig an: Das Qualifying Team Lengert (Foto: ironroll)

Strengt sich mächtig an und sieht eindeutig nach Nichtbehinderten aus: Das Qualifying Team Lengert Industrieklettern aus Berlin (Foto: ironroll)

Ein schickes Logo gibt es auch zu der Aktion.

Ein schickes Logo gibt es auch zu der Aktion.

Als sportlicher Rollstuhlfahrer ist es bekanntlich recht einfach, einen Fußgänger zu besiegen: Setze den Läufer in einen Stuhl, fordere ihn zum Basketballspielen oder einem Wettrennen auf, und er wird nach fünf Minuten jammern, wie schwer das Ding zu bewegen ist, mit jedem Griff in die Greifreifen seinen Oberkörper hektisch nach vorne werfen und wild mit den Arm rudern. Nach zehn Minuten wird er das Prinzip Rollstuhlfahren bereits verstanden haben, aber über Blasen an den Händen klagen und nach einer Stunde aufstehen und kleinlaut sagen: „War sehr interessant.“

Ohne erhobenen Zeigefinger

Sportlich ist so ein Vergleich eher nicht aussagekräftig, aber lustig ist er allemal. Darauf spekuliert auch der Iron Roll 2013 in Potsdam, der – ohne erhobenen Zeigefinger – eine ganze Stadt mit dem Thema Inklusion auf Tuchfühlung bringen will. „Respekt statt Mitleid“ heißt das Motto, und die Macher warnen: „Ihr habt keine Ahnung, was euch erwartet!“ (Wir schon, siehe oben.)

Rollstuhlfahrer fordern eine Stadt und ihre Fußgänger heraus, lautet die Idee, „Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Mensch gegen Mensch“ heißen die Duelle. Zu den Disziplinen gehören unter anderem Zeitfahren, Bogenschießen und Basketball. Die Idee dazu hatte der 47-jährige Lutz Lehmann, der das Potsdamer Café im Park betreibt.

Ein Aha-Erlebnis

ROLLINGPLANET erzählt er von seinem Aha-Erlebnis: „Im vergangenem Herbst habe ich erstmals ganz bewusst Rollis beobachtet und festgestellt, dass die nicht mit Höflichkeit eingelullt, sondern ganz normal behandelt werden wollen.“

Das Sanitätshaus Maltry übernahm als Sponsor einen Großteil der Kosten (Foto: ironroll)

Das Sanitätshaus Maltry übernahm als Sponsor einen Großteil der Kosten (Foto: ironroll)

Diese Erfahrung wollte er mit anderen teilen: Sein Café im Park ist gemeinsam gemeinsam mit DickerMops.de, einer Sektion des HDAUB e.V. (Hilfe durch Aufklärung und Bildung), Veranstalter von Iron Roll 2013, als Sponsor gewann der quirlige Lehmann das ortsansässige Sanitätshaus Maltry. Öffentlichkeitswirksame Unterstützung erhält das Projekt durch die „Märkische Allgemeine Zeitung“, die ebenso mit einem Team vertreten ist wie etwa die CDU Brandenburg.

Das große Iron Roll-Wochenende

Nachdem es in den vergangenen Wochen bereits einige Qualifyings gab, wird es am Samstag, 4. Mai, zu dem Vorfinale in der Schiffbauergasse und am Sonntag, 5. Mai, zum Finale im Volkspark kommen. In den Vorläufen haben die Teilnehmer enormen Ehrgeiz an den Tag gelegt: „Die haben am Ende wirklich um Hundertstel- und Zehntelsekunden gekämpft“, so Alexander Wietschel vom Organisationsteam.

Am 4. Mai wird es außerdem ein Open-Air-Konzert mit Mellow Mark, Lost City Cowboys und anderen geben. „Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und zur Kommunikation anzuregen. Manchmal auch zu provozieren und von gefügten oder eingefahrenen sozialen Strukturen und Kommunikationspfaden abzulenken“, erklärt Lehmann.

Webseite: ironroll.info


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