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Ist Sport eigentlich Mord?

Gleich zwei Filme über Paralympics-Sportler kommen in die Kinos: „Gold – du kannst mehr als du denkst“ von Grimme-Preisträger Michael Hammon und „Mein Weg nach Olympia“ von Kult-Regisseur Niko von Glasow.

Kurt Fearnley, Henry Wanyoike und Kirsten Bruhn gewähren in „Gold – du kannst mehr als du denkst“ Einblicke in ihr Leben (Pressefoto)

Sie waren das Sommermärchen für Spitzenathleten mit Handicap. Noch nie zuvor sahen so viele Menschen weltweit bei unseren Disziplinen zu, noch nie gab es im Behindertensport eine derart perfekt organisierte und vom Gastgeber-Publikum so frenetisch unterstützte Großveranstaltung: die Paralympics 2012 in London. Ob die Leute sich das auch noch mal im Kino angucken wollen – das werden zwei, wie im richtigen Sport miteinander konkurrierende, Dokumentationen beantworten.

„Gold – du kannst mehr als du denkst“ erzählt die Lebensgeschichten der drei Spitzensportler Kurt Fearnley (australischer Rennrollstuhlfahrer), Henry Wanyoike (blinder Marathonläufer aus Kenia) und Kirsten Bruhn (querschnittsgelähmte Schwimmerin aus Deutschland), „die dem Team einen sehr intimen Zugang zu ihrem Privatleben und Trainingsalltag gewährten“, wie es in einer Ankündigung heißt. Über ein Jahr, von Juli 2011 bis Oktober 2012, begleitete das Filmteam um Michael Hammon die Teilnehmer der Paralympics 2012 London.

Für Grimme-Preisträger Hammon war „Gold – du kannst mehr als du denkst“ ein Wink des Schicksals, wie er sagt. Nach einem Arbeitsunfall, bei dem er mit Knochenbrüchen und einem gequetschten Rückgrat davon kam, habe er während seines Krankenhausaufenthaltes einen Anruf von Produzent Andreas F. Schneider erhalten. Dieser fragte ihn, ob er Lust hätte, bei dem Projekt dabei zu sein. Hammon sagte sofort zu. Seine Arbeit wird am kommenden Freitag im Rahmen der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin in der Reihe „Berlinale Special“ erstmals öffentlich gezeigt. Der bundesweiter Kinostart folgt am 28. Februar 2013.

Gewissen der Gesellschaft beruhigen?

„Sport ist Mord” – davon ist der kurzarmige Regisseur Niko von Glasow (Contergan-Opfer) überzeugt, seit er als Kind gezwungen wurde, Sport zu treiben. Besonders kritisch denkt der Regisseur über die Paralympischen Spiele. Beste Voraussetzungen also, um einigen Athleten der Paralympics auf den Zahn zu fühlen: Warum zum Teufel quälen die ihren Körper für eine Veranstaltung, soll damit das schlechte Gewissen der Gesellschaft beruhigt werden?

Ebenfalls am Freitag feiert er seine Weltpremiere bei der Berlinale Special, erst am 16. Mai jedoch darf er an den Start sprich in die Kinos: „Mein Weg nach Olympia“ ist der neue Film von Niko von Glasow, der mit „NoBody’s perfect“(ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis 2009) einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. In „NoBody’s perfekt“ dokumentierte er seine Suche nach elf Menschen mit dem Ziel, einen Band mit Aktfotografien von Contergan-Betroffenen zu erstellen und die Verantwortlichen des Contergan-Skandals zur Verantwortung zu stellen. Die Bilder wurden dann auch auf dem Kölner Domvorplatz einem zum großen Teil überraschten Publikum gezeigt.

Im Hintergrund: Niko von Glasow lässt sich von der Schwimmerin Christiane Reppe überzeugen, dass Sport vielleicht doch ganz okay ist (Foto: Senator Film)

Momentan läuft es gut bei von Glasow, dem Sohn von Ernst Brücher und Majella Neven DuMont (Gründern des DuMont Buchverlages). Bei dem aktuellen Kölner Plakatwettbewerb zum Thema Inklusion ist er Jurymitglied, und erst vor kurzem, im November, gelang es der Doku zu seinem Bühnenstück „Alles wird gut“– hier geht es um ein besonderes Casting unter anderem mit Rollstuhlfahrern, Blinden und Conterganopfern – in die Lichthäuser. Nun also „Mein Weg nach Olympia“.

Ein Waffennarr, Pfannkuchen und Tischtennisbälle

Niko von Glasow (Copyright: Niko von Glasow)

Während der Paralympics in London und auf seiner Reise rund um den Globus (USA, Japan, Norwegen, Griechenland, Ruanda und Deutschland) trifft von Glasow den armlosen, waffenvernarrten Bogenschützen Matt Stutzman, der mit seinem Bogen auf die Jagd geht. In Berlin backt er mit der einbeinigen Schwimmerin Christiane Reppe Pfannkuchen und lässt sich von ihr beruhigen, dass nicht jeder Mensch Sport machen muss.

Die ruandesische Sitzvolleyball-Mannschaft hingegen sieht Sport als Möglichkeit der Versöhnung in ihrem Land an. Aida Dahlen aus Norwegen haut dem Filmemacher die Tischtennisbälle um die Ohren, und mit dem gelähmten Boccia-Spieler Greg Polychronidis, der zu den Besten der Welt gehört, versucht der inzwischen angefixte Regisseur im antiken Olympia-Stadium Boccia zu spielen – was strengstens verboten ist.

Der Senator Verleih wirbt für seinen Film, der von Ingo Fliess produziert wurde: „Durch Nikos liebenswerten, unverbrauchten Umgang mit den Sportlern und das kritische Hinterfragen ihrer Arbeit entstand ein vielschichtiges, sehr persönliches und wunderbar heiteres Porträt von Spitzensportlern, die allen körperlichen Grenzen zum Trotz Höchstleistungen erbringen.“

Einen Trailer für „Mein Weg nach Olympia“ gibt es augenblicklich noch nicht.

(RP/PM)

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4 Kommentare

  • Meral Yanar-Klaas

    sorry, schon der Trailer gefällt mir nicht!! Tränen bewirken bei Zuschauern nur Mitleid!! Die Leistung wird zwar bewundert, aber die Behinderung bleibt dabei im Vordergrund!!!

    13. Februar 2013 at 20:11
  • Meral Yanar-Klaas

    Die Überschrift paßt nicht zum Thema, Leute!!!!!

    13. Februar 2013 at 20:13
    • Rollingplanet

      Warum nicht?

      13. Februar 2013 at 20:26
      • Meral Yanar-Klaas

        Sorry, die Frage von euch bezog sich wohl eher auf den Regisseur, der der Meinung ist, daß Sport Mord ist.. Ich hatte nicht weitergelesen. Da ist natürlich die Frage berechtigt und ich sage, NEIN!! Sport gibt Freiheit, innere Ruhe und Zufriedenheit!! Die Palaympics ist die beste Erfindung, was es je gegeben hat, wo sich Leistungssportler messen können…

        13. Februar 2013 at 20:37

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