""

ISTAF-Premiere: Gemeinsamer Wettkampf von behinderten und nichtbehinderten Sportlern

Leichtathletik und Inklusion: Der deutsche Diskus-Recke Robert Harting fiebert dem Bruderduell entgegen – und tritt erstmals gegen Paralympics-Gewinner Sebastian Dietz an.

Robert Harting nach seinem Olympiasieg 2012 (Foto: dpa)

Robert Harting nach seinem Olympiasieg 2012 (Foto: dpa)

Diskus-Star Robert Harting träumt von einem Bruderduell in seinem „Wohnzimmer“. Zuvor will er aber zum dritten Mal Weltmeister werden und einen Rekordserie aufstellen.

Nachdem er beim Saisoneinstieg in Wiesbaden mit 68,32 Metern auf Anhieb die Führung in der Jahresweltbestenliste übernahm, steigt der Berliner nun am Samstag beim Meeting der Diamond League in Eugene/Oregon auch in die internationale Saison ein. „Dort und eine Woche später in Schönebeck will ich die 70 Meter-Marke angreifen, um mich dann in Ruhe auf die WM vorbereiten zu können“, sagte Harting am Dienstag in Berlin.

Danach will sich der Diskus-Riese in Kienbaum gezielt die WM-Vorbereitung für Moskau in Angriff nehmen, wo er zum dritten Mal in Serie Weltmeister werden möchte. Doch schon jetzt denkt Harting auch an die WM-Revanche am 1. September beim 72. ISTAF im Berliner Olympiastadion. In seinem „Wohnzimmer“ – wie er selbst sagt – wäre erstmals das Duell gegen seinen Bruder Christoph denkbar.

„Die Klitschkos der Leichtathletik“

Robert Harting (r) mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Christoph. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Robert Harting (r) mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Christoph. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Das Internationale Stadionfest in Berlin ist eine traditionsreiche Leichtathletikveranstaltung in Berlin (erstmals 1921 veranstaltet) und gehört zur „World Challenge“, einer Serie von 14 hochkarätig besetzten Meetings.

„Von der Ausgangsposition her kann er es auf jeden Fall schaffen. Aber es ist schwer, seine Leistung bis dahin konstant zu halten“, sagte der Welt- und Europameister, nachdem sein Bruder bei den Werfertagen in Halle mit 64,99 Metern den Anschluss an die Weltspitze herstellte. Zuvor hatte Harting schon davon gesprochen, dass „wir die Klitschkos der Leichtathletik werden wollen“.

In Wiesbaden hatte Harting die Bestmarke von Weltrekordler Jürgen Schult von 1003 Tagen ohne Niederlage geknackt, doch schon brennt der 28-Jährige auf eine weitere Rekordmarke. „Die 37 Siege in Folge vom Litauer Virgilijus Alekna möchte ich gern angreifen, aber das wird hart. Denn die Konkurrenz schläft nicht“, sagte er.

Wie ernst er das meint, kann man schon auf der ersten Seite seiner Homepage sehen, wo die Rekorde akribisch aufgelistet sind. 34 Siege in Serie hat er bislang auf seinem Konto, so dass spätestens am 23. Juni bei der Team-EM in Gateshead der nächste Coup gelingen könnte.

Noch nie dagewesenes Aufeinandertreffen

Paralympicssieger Sebastian Dietz (Foto: dpa)

Paralympicssieger Sebastian Dietz (Foto: dpa)

Beim ISTAF kommt es neben dem möglichen Duell gegen den sechs Jahre jüngeren Bruder am 1. September auf jeden Fall auch zu einem bisher noch nie dagewesenen Aufeinandertreffen des Olympiasiegers mit dem teilweise gelähmten Paralympics-Gewinner Sebastian Dietz (ROLLINGPLANET berichtete). Der sagt cool: „Vor 80.000 Zuschauern in London habe ich schon geworfen, vor 50.000 in Berlin ist es sicher ähnlich spannend.“

Der Moderne Fünfkämpfer hatte 2004 einen schweren Autounfall, den er selbst verschuldete. Er kam mit seinem Wagen ins Schleudern und geriet in den Gegenverkehr. Ein Freund, der im entgegenkommenden Auto saß, starb.

Dietz selbst wurde schwer verletzt: Gebrochene und angebrochene Halswirbel, Spinalkanalverengung sowie Schulterblätter und Rippen gebrochen. Beide Lungenflügel waren zusammengefallen. Diagnose: Inkomplette Querschnittslähmung. Der Rollstuhl blieb ihm zwar erspart, doch alle Gliedmaßen haben Lähmungen.

„Ich habe es Sebastian versprochen, dass er beim ISTAF dabei sein kann. Jetzt wollen wir das wahr machen und das gemeinsame Auftreten von behinderten und nichtbehinderten Sportlern in der Realität umsetzen“, meinte Meeting-Direktor Gerhard Janetzky, der beim ISTAF dank neuer Sponsoren über einen Etat von rund 1,8 Millionen Euro verfügen kann.

Für Harting ist es nicht der erste Kontakt mit unsereins – ganz im Gegenteil. Im Frühjahr versteigerte er seine Olympia-Klamotten für Behindertensportler, nachdem ihn die blinde Weltklasse-Schwimmerin und deutsche Fahnenträgerin bei den Paralympics 2012 Daniela Schulte erzählt hatte, dass sie ihre Schwimmanzüge selbst bezahlt – der in Cottbus geborene Leichtathlet konnte dies zunächst gar nicht glauben.

(RP/Frank Thomas, dpa)

Sport
Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN