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Jakob Muth-Preis sucht vorbildliche inklusive Schulen

Wo gelingt gemeinsames Lernen behinderter und nicht-behinderter Kinder besonders gut? Bewerbungsfrist ist 30. Juni 2012.

Preisverleihung des Jakob-Muth-Preises 2011/2012

Nahezu eine halbe Million Kinder in Deutschland haben Förderbedarf. Das sind 6,4 Prozent aller Schüler – ihr Anteil steigt kontinuierlich. Fast jedes vierte Kind mit Förderbedarf besucht inzwischen eine reguläre Schule. Dieser Anteil wächst ebenfalls stetig. Auch wenn drei von vier Förderschülern nach wie vor auf eine separate Schule gehen, stellt schon heute der gemeinsame Unterricht die Lehrer und Schulen vor große Herausforderungen.

Seit 2009 vorgeschrieben

Eigentlich ist der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht-behinderter Kinder seit der 2009 unterzeichneten UN-Behindertenrechtskonvention vorgeschrieben, in der Praxis allerdings jedoch noch die Ausnahme. Um beispielhafte Schulen hervorzuheben, vergeben der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, die Deutsche UNESCO-Kommission, die Bertelsmann Stiftung und die Sinn-Stiftung den Jakob Muth-Preis. Soeben ist die Bewerbungsphase für die vierte Auflage des Schulpreises gestartet.

Benannt ist er nach Professor Jakob Muth (1927 – 1993), der Pionierarbeit leistete und sich schon früh für eine gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder einsetzte. Als engagierter Pädagoge war er überzeugt, dass jedes gute Beispiel Früchte trägt. Er prägte Generationen von Lehrern und gilt als ein Vorkämpfer des gemeinsamen Lernens.

Plädoyers für Inklusion

„Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention schon seit über drei Jahren in Deutschland gilt, ist Inklusion in der Schule längst nicht verwirklicht“, sagte der Bundesbeauftragte Hubert Hüppe. Im Gegenteil: Deutschland ist immer noch das EU-Land mit dem größten Anteil von Kindern im Sonderschulsystem.

Für Jörg Dräger, Mitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung, ist Inklusion der Hebel für eine Lernkultur, die der Vielfalt der Kinder und Jugendlichen Rechnung trägt und von der alle Schüler profitieren können: „In Schulen, die bereits heute erfolgreich inklusiv arbeiten, entwickelt sich eine neue Lernkultur, die konsequent am Prinzip individueller Förderung ausgerichtet ist und das Potenzial aller Schüler besser entfaltet.“

Für die UNESCO ist inklusive Bildung Voraussetzung dafür, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, seine Potenziale zu entfalten – unabhängig von Geschlecht, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen oder besonderen Lernbedürfnissen. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, sagte: „Trotz aktueller Umstrukturierungsprozesse gibt es auch in Deutschland weiterhin großen Nachholbedarf, allen Kindern den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen. Gute Beispiele inklusiver Schulen zeigen, dass es sich lohnt, den oft anstrengenden Weg zu einer inklusiven Schule – und einer inklusiven Gesellschaft – zu beschreiten.“

Christian Rauschenfels, Vorstand der Sinn-Stiftung, ist überzeugt: „Wenn in Schulen Inklusion gelebt wird, strahlt dies auf viele andere Bereiche des Zusammenlebens aus. Inklusion wird zur selbstverständlichen Grundhaltung einer Gesellschaft, die ihren Reichtum aus der Vielfalt schöpft.“

Preisträger 2011/2012

Zuletzt wurden ausgezeichnet: Regionales Integrationskonzept Bad Bevensen, die Gemeinschaftsgrundschule in Eitorf, die Grundschule Langbargheide in Hamburg und die Regine-Hildebrandt-Schule in Birkenwerder.

Bewerbungsunterlagen

Bewerben können sich alle Schulen und Schulverbünde, in denen Schüler mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni. Bewerbungsunterlagen und Hintergrundinformationen finden sich hier: www.jakobmuthpreis.de

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