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Jedes sechste neue Arzneimittel bringt beträchtlich mehr

Die neuen Arzneiprüfungen zeigen Wirkung. Viele Mittel halten der Prüfung stand – und können dann auch teuer verkauft werden. Manche aber fallen heute durch.

Josef Hecken: Mächtiger als der Gesundheitsminister? (Foto: BMFSFJ, GB)

Entgegen Befürchtungen der Pharmaindustrie bekommen die Patienten in Deutschland auch nach dem Start strenger Arzneimittel-Prüfungen Zugang zu neuen Medikamenten. Allerdings gibt es nicht für alle Neueinführungen gute Noten.

Eine erste Bilanz, die der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin vorlag, zeigt: 16 Prozent der geprüften Präparate bringen den Patienten im Vergleich zu bisherigen Therapien beträchtlich mehr. In fast zwei Dritteln der Fälle wurde insgesamt ein Zusatznutzen anerkannt. Die Bilanz stammt von dem für die Bewertung zuständigen höchsten Gremium im Gesundheitswesen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Neue Mittel gegen Herzleiden oder Krebs

„In fast zwei Dritteln der Fälle hat der G-BA insgesamt einen Zusatznutzen anerkannt“, sagte der Vorsitzende Josef Hecken („Spiegel“: “Kenner halten Josef Hecken für einflussreicher als den Gesundheitsminster“). In dem Gremium entscheiden Vertreter der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken auf wissenschaftlicher Basis unter anderem über den Nutzen neuer Therapien.

Bisher bewertete der G-BA 25 neue Mittel gegen gravierende Krankheiten wie Herzleiden oder Krebs. Die Medikamente wurden von Pharmafirmen in der Regel nach jahrelanger Entwicklung mit immensen Umsatz-Hoffnungen auf den Markt gebracht.

„Die Zahlen widerlegen auch das Argument, mit den Prüfungen werde einseitig zu Lasten der Patienten Sparpolitik betrieben und Innovationen würden kaputtgeprüft“, sagte Hecken. Pro Jahr gebe es nach internationalen Erfahrungen bei neuen Arzneien etwa 15 bis 20 Prozent echte Innovationen.

Die Bestnote eines erheblichen Zusatznutzens sei bisher aber nicht vergeben worden. Beträchtlich mehr bringen demnach vier neue Arzneimittel, gering mehr neun. Kein Zusatznutzen sei nur vereinzelt festgestellt worden.

Pharmaverband mit Untergangsszenario

Früher stellte sich aus Sicht von Pharmakritikern zu häufig heraus, dass die neuen Mittel nicht viel besser wirken als alte – nur viel teurer sind. Die Anfang 2011 in Kraft getretene schwarz-gelbe Pharmareform AMNOG legt fest: Die G-BA-Bewertung ist Basis für Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Kassenverband. Nur was mehr bringt, soll auch mehr kosten. Zuvor hatten die Firmen die Preise frei festlegen können.

„Im Vorfeld wurde gesagt, dass durch die frühe Nutzenbewertung in Deutschland vieles kaputtgespart würde“, sagte Hecken. Noch im Juni hatte der Pharmaverband vfa gewarnt, Innovationen in Deutschland würden praktisch nicht mehr verfügbar. Diese Befürchtungen seien nun ad absurdum geführt. Der 53-Jährige führt den Ausschuss seit Juli, zuvor war er Familienstaatssekretär, Chef des Bundesversicherungsamts und Landesminister.

Eine Reihe neuer Mittel sind nach Heckens Worten von den Firmen nicht zur Prüfung angemeldet worden, weil diese wohl Probleme erwartet hätten. „In anderen Fällen werden Mittel auf Patienten beschränkt, die wirklich davon profitieren.“ Hersteller strebten dagegen eine breite Anwendung an. „Den Patienten wird auf verschiedene Weise geholfen», meinte der Ausschuss-Chef. „Übertriebene Hoffnungen in ein Präparat werden verhindert, das Risiko zu großer Nebenwirkungen minimiert.“

(dpa)

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