""

Jens Bullerjahn, der Heuchler von Sachsen-Anhalt

Wie sich der Finanzminister bei der drastischen Kürzung des Blindengeldes darauf verlässt, dass Wähler schnell vergessen.

Der Mann hat die richtigen Ideen – oder auch nicht: Jens Bullerjahn, Finanzminister von Sachsen-Anhalt (Foto: SPD)

Der Mann hat die richtigen Ideen – oder auch nicht: Jens Bullerjahn, Finanzminister von Sachsen-Anhalt (Foto: SPD)

Blinde Menschen haben den Vorteil, dass sie sich im Spiegel anschauen können, ohne sich schämen zu müssen. Jens Bullerjahn hat diesen Vorteil nicht, aber vielleicht braucht man den als Politiker ja auch nicht.

Wie dreckig muss es einem Bundesland gehen, wenn es das Blindengeld vom kommenden Jahr an auf das bundesweit niedrigste Niveau reduzieren will, um sein Budget in Ordnung zu bekommen? Offensichtlich ziemlich dreckig.

Sachsen-Anhalt hat 21 Milliarden Schulden. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und sein Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) wollen nun durch Kürzungen beim Blindengeld jährlich 6 Millionen Euro sparen.

Laut Sehbehindertenverband beabsichtigt das Land, das monatliche Blindengeld von 350 Euro um 84 Euro auf 266 Euro zu kürzen. Das letzte Wort hat der Landtag, der im Herbst über den Haushalt für das kommende Jahr beraten will (ROLLINGPLANET berichtete: Sachsen-Anhalt will erneut Geld für Blinde und Gehörlose kürzen).

Mit uns kann man es machen

Andererseits: Wie unterwürfig sind Menschen mit Behinderung selbst dann, wenn es an ihr Geld geht? Offensichtlich ziemlich unterwürfig.

Gerade einmal zwei Dutzend Blinde und Sehbehinderte haben heute am Landtag in Magdeburg gegen die geplante Kürzung beim Blindengeld protestiert. Auf Plakaten hieß es „Hände weg vom Blindengeld“ und „Bullerjahn lässt Blinde bluten“. Betroffen von den geplanten Maßnahmen der Landesregierung sind rund 10.000 Menschen.

Der Heuchler

Auf der Webseite von Bullerjahn heißt es übrigens: „Wir haben die richtigen Ideen. Und einen, der sie verwirklicht.“ Damit meint er sich selbst. Das klingt zugegebenermaßen besser als: „Und einen, der heuchelt, dass der Spiegel eigentlich zerspringen müsste, wenn er ihn anschaut.“

2003 war das Blindengeld in Sachsen-Anhalt schon einmal gekürzt worden. Damals reagierten CDU und FDP. Ein SPD-Politiker empörte sich besonders heftig, behauptete, dass seine Partei so etwas niemals machen würde („Das ist nicht unser Stil“) und forderte die Rücknahme der Entscheidung. Wer war’s? Jens Bullerjahn.

(RP/dpa)


Sachsen-Anhalt
Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

2 Kommentare

  • Michael Ziegert

    Dazu passend Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) zum Thema WfbM : „Wenn Inklusion der zentrale Gedanke sein soll, dann gehören behinderte Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt. Das erspart dem Landeshaushalt auch Millionen Euro“
    Behinderung? Inklusion? Eigentlich egal.
    In erster Linie wollen diese Herren Geld sparen.

    10. Juli 2013 at 14:36
  • Franky

    „Sie predigten Wasser und saufen selbst Wein“, Sachsen Anhalt ist überschuldet, da muß man kürzen , kürzen , kürzen, für Gehaltserhöhungen, neue Pöstchen im Landtag und höhere „Diäten“ ( 850 Euro mehr, 2012) dafür reichts !? Gespart wird beim „Normalvolk“ und das ist auch der Grund, weshalb die Verschuldung so hoch ist. Wenn Löhne nicht ausreichen zum Leben, dann gibts auch weniger Binnenkaufkraft und weniger Rente und weniger Geld für kommunale Aufgaben, wenn die Menschen durch Zuzahlungen im Krankheitsfall abgezockt werden, damit die Krankenkassen sich sanieren können, dann fehlt natürlich auch dieses Geld im Binnenmarkt. Und die Aufstockung von Löhnen und Gehältern muß auch finanziert werden. Das Streichkonzert geht weiter, natürlich nur für den „kleinen Mann“.

    13. Juli 2013 at 07:23

KOMMENTAR SCHREIBEN