""

Jetzt erst recht: So gelingt der Marathon (wenn keine geisteskranke Attentäter mitmachen)

Tipps für alle, die trotz Boston die Lust am Laufen oder Handbiken nicht verloren haben.

Die Botschaft nach Boston muss lauten: Wir lassen uns nicht einschüchtern (Illu: Juergen Jotzo/pixelio.de)

Die Botschaft nach Boston muss lauten: Wir lassen uns nicht einschüchtern (Illu: Juergen Jotzo/pixelio.de)

Im vergangenen Jahr bestimmten sie die Schlagzeilen des ältesten Stadtlaufs der Welt: Dick Hoyt, der seinen aufgrund einer Zerebralparese gelähmten Sohn Rick im Rollstuhl schob und die gemeinsam als „Team Hoyt“ beim Marathon in Boston antraten (ROLLINGPLANET berichtete: Immer noch eine so berührende, schöne, ermutigende Story: Team Hoyt – ja, du kannst!).

Dieses Jahr war alles ganz anders. Der Journalist Hajo Schumacher, der unter seinem Pseudonym Achim Achilles aus der Welt des Laufens schreibt, zeigte sich nach dem Terrorakt in Boston mit einer Jetzt-erst-recht-Haltung: „Die Anschläge von Boston sollen Angst verbreiten und einschüchtern. Aber Laufen ist Freiheit und deswegen das Gegenteil von Terror. Wer Bomben legt, will diese Freiheit zerstören. Dagegen hilft: Weiterlaufen!“

Was er dann auch tat: „Eigentlich bin ich kein Bekenntnisläufer, der für Parteien oder Ideen rennt, für Amnesty International, hilfreiche Ideen oder Spenden. Heute ist das anders. Der Anschlag auf den Boston-Marathon, der Traditionslauf schlechthin, ist auch ein Anschlag auf mich, auf jeden von uns, auf die Idee einer großen, friedlichen und herrlich verrückten Weltfamilie. Heute laufe ich einmal in Berlin und danach in Einbeck, und heute ist Laufen ein Statement für mich.“

Viele Läufer sind verunsichert

Einige Läufer machen sich nach den Anschlägen in Boston Sorgen um die Sicherheit bei den kommenden Marathon-Veranstaltungen. Während die Veranstalter die Schutzmaßnahmen prüfen und verstärken, sollten Teilnehmer weiter trainieren. Denn nur dann klappt der Zieleinlauf.

Das Bombenattentat beim Marathon in Boston verunsichert viele Läufer. Bei den Explosionen an der Marathonstrecke waren am Montag (15. April) drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Auch in vielen anderen Städten findet bald ein Marathon statt – am Sonntag (21. April) beispielsweise in London oder Hamburg. Zwei große Veranstaltungen für Handbiker (Halbmarathon) sind in Deutschland am 5. Mai in Hannover und am 7. Juli in Heidelberg.

Die Organisatoren in London kontrollieren derzeit noch einmal ihren Sicherheitsplan, in Hamburg prüft die Innenbehörde nach Angaben der Veranstalter, ob eventuell zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind. Angemeldete Läufer, die sich durch die Ereignisse in Boston nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen, sollten derzeit mitten in den Vorbereitungen stecken und ihren Trainingsplan nicht vernachlässigen.

Ein Jahr Vorbereitung einplanen

Dick und Rick Hoyt (Foto: Hoyt Foundation)

Dick und Rick Hoyt (Foto: Hoyt Foundation)

„Ein gesunder Marathon-Anfänger braucht etwa ein Jahr für die Vorbereitung“, sagt der Sportmediziner Burkhard Weißer von der Universität Kiel. Neben langen Ausdauerläufen seien auch kurze und schnelle Intervall-Läufe wichtig für den Übungsplan. „Im Mittelpunkt steht das Training der Muskulatur“, erläutert Weißer.

Vor allem Kraftübungen für Bauch- und Rumpfmuskulatur würden viele Läufer vernachlässigen. „Diese Bereiche zu trainieren, ist wichtig, damit man stabil laufen kann und nach dem Ziel nicht völlig einknickt.“ Herz und Lunge müssten hingegen nicht so stark trainiert werden, wie oft angenommen.

Patrick Wahl, Leiter der Abteilung Ausdauer an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS), rät davon ab, die vollen 42,195 Kilometer einer Marathonstrecke schon im Training zu laufen. „Ein bis zwei Monate vorab einen Halbmarathon zu laufen, ist sinnvoll“, rät Wahl. In den zwei Wochen vor dem großen Lauf sollte man das Pensum dann wieder zurückschrauben und nur etwa dreimal wöchentlich eine Stunde laufen.

Training ist wichtiger als Ernährung

Seinen Ernährungsplan müsse ein Marathonläufer in der Vorbereitung nicht komplett umstellen, sagt Sportmediziner Weißer. „Sinnvolles Training ist viel wichtiger als die Ernährung.“ Trotzdem sollte jeder Teilnehmer in der Vorbereitungsphase hauptsächlich Lebensmittel wie Nudeln und Kartoffeln essen, die viele Kohlenhydrate, Vitamine und Spurenelemente enthalten.

„Dreimal täglich eine Handvoll frisches Obst oder Gemüse zu essen, ist wichtig“, ergänzt er. Während des Trainings und danach empfiehlt er Wasser mit einem Schuss Apfelsaft zu trinken. Das sei auch für den Marathon die ideale Mischung. Für das letzte Drittel des langen Laufs müsse das Getränk aber mehr Zucker enthalten: „Sogar Cola ist am Ende nicht schlecht.“

Der Lauf-Coach Andreas Butz aus Euskirchen weiß aus Erfahrung, dass besonders beruflich erfolgreiche Menschen gerne den Marathon laufen, um sich auch in einem anderen Bereich zu beweisen: „Wer den Marathon mitläuft, gilt als zielstrebig und ausdauernd.“

Am besten vorher eine große Klappe riskieren

Für die Motivation könne es helfen, vielen Freunden oder Kollegen von dem Vorhaben zu erzählen, rät Butz. Dadurch baue sich ein positiver Druck auf. Auch ein strikter Trainingsplan und kleine Belohnungen wie ein schönes Essen mit Freunden nach bestimmten Trainingsetappen könnten motivieren.

Alexander Sievert von der DSHS hat mit Kollegen in einer Studie ermittelt, dass der durchschnittliche Marathonläufer vier bis fünf Jahre vor dem ersten Lauf mit dem Training beginnt – unabhängig von dem Alter, in dem er einsteigt. Im Schnitt seien die Teilnehmer zwischen 40 und 43 Jahre alt, zwei Drittel von ihnen männlich.

Trend geht zum Halbmarathon

Sievert vermutet, dass der Marathon seinen mythische Bedeutung schon teilweise eingebüßt hat, weil es mittlerweile so viele Teilnehmer gibt und das Mitlaufen nichts mehr so Besonderes ist. „Der Trend geht gerade mehr zum Halbmarathon“, sagt er. Der weltweit bekannte Marathon in Berlin boomt aber dennoch: Die Tickets für den Lauf, der im September 2013 zum 40. Mal stattfindet, waren im Oktober 2012 innerhalb von dreieinhalb Stunden ausverkauft.

Aber auch in Berlin sollen nach dem Terroranschlag in Boston die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden. Besonders der für Zuschauer frei zugängliche Start- und Zielbereich, an dem auch in der US-Stadt der Anschlag verübt wurde, soll anders abgesichert werden als bislang.

(RP/Hannah Loeffler, dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN