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Jetzt hat auch der Papst eine Diskriminierungs-Affäre

Wegen Lepra-Sprüchen: Organisationen fordern von Franziskus eine Stellungnahme.

Papst Franziskus (Foto: dpa)

Papst Franziskus (Foto: dpa)

Er ist einer der Hoffnungsträger des Jahres, Behindertenparty-Veranstalter, wurde soeben vom Time Magazine zur „Person oft the Year 2013“ gekürt – und hat jetzt eine Sprache-diskriminiert-Affäre an der Backe: Papst Franziskus.

Die Leiter verschiedener Organisationen leprakranker Menschen aus neun Ländern haben sich gemeinsam mit Yohei Sasakawa, dem Goodwill-Botschafter für Leprabekämpfung der WHO und Vorsitzenden von The Nippon Foundation, in einem Schreiben an Papst Franziskus gewandt und die katholische Kirche aufgefordert, gegen Diskriminierung im Zusammenhang mit Lepra sowie entsprechende stigmatisierende Bezeichnungen Stellung zu beziehen.

Lepra in der Kirche

Das Schreiben ist auf die päpstliche Verwendung des Begriffs „Lepra“ in Bezug auf bestimmte Aspekte der Kirche zurückzuführen, die er zu reformieren versucht. In den vergangenen Monaten sagte Franziskus, dass „Karrierismus wie Lepra“ und „der Hof die Lepra des Papsttums“ sei.

In ihrem Schreiben vom 10. Dezember erklärten Sasakawa und die Vertreter leprakranker Menschen aus Brasilien, Kolumbien, Äthiopien, Ghana, Indien, Indonesien, Japan, Südkorea und den Vereinigten Staaten, dass die Verwendung einer Krankheit als Metapher für negative oder korrupte Entwicklungen „zur Aufrechterhaltung tief verwurzelter Vorurteile beiträgt und es zudem erschwert, gegen die schwerwiegenden sozialen, ökonomischen und psychologischen Belastungen vorzugehen, die mit der Lepra-Krankheit einhergehen können.“

Jährlich 230.000 neue Fälle

Lepra, auch bekannt als Hansen-Erkrankung, ist eine durch Bakterien hervorgerufene Erkrankung, die hauptsächlich die Haut und die peripheren Nerven befällt. Unbehandelt kann sie zu dauerhafter Behinderung führen. Jahr für Jahr werden etwa 230.000 neue Fälle gemeldet.

Auch wenn die Krankheit heilbar und die Behandlung kostenlos ist, haben leprakranke Menschen in diversen Teilen der Welt nach wie vor mit Diskriminierung zu kämpfen, was zur Folge hat, dass sie ausgegrenzt werden und in Isolation leben.

UN-Resolution gegen Diskriminierung leprakranker Menschen

Im Dezember 2010 erließ die UN eine Resolution zur Bekämpfung von Diskriminierung gegenüber leprakranken Menschen und ihren Familienangehörigen.

Die dazugehörigen Grundsätze und Leitlinien sollen dem Gebrauch abfälliger Begrifflichkeiten ein Ende bereiten, die Medien zu einer würdevollen Darstellung leprakranker Menschen anhalten und zudem aufzeigen, wie sich Religionsführer durch Lehren und Schriften in den Kampf gegen Diskriminierung einbringen können.

Der Papst als Verbündeter

In ihrem Schreiben erklärten die Unterzeichner, dass sie „einen eindringlichen Appell anlässlich des Welt-Lepra-Tages 2014 seitens der katholischen Kirche befürworten würden, um der Stigmatisierung und Diskriminierung leprakranker Menschen ein Ende zu setzen, was auch für diskriminierenden Sprachgebrauch gelten muss.“

Zudem hieß es, dass sie eine diesbezügliche Erklärung seitens des Papstes erwarten. „Wir alle sind bereit, uns mit dem Heiligen Vater zusammenzutun, um stigmatisierenden Bezeichnungen gemeinsam die Stirn zu bieten.“

Der Welt-Lepra-Tag 2014 findet am 26. Januar statt.

(PM)

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1 Kommentar

  • Michael Wahl

    Keine Krankheit, die den Menschen verschönert, fürchte ich;-)

    12. Dezember 2013 at 22:14

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