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Jetzt kann Samuel Koch doch „Tatort“-Kommissar werden

ROLLINGPLANET zeigt die Bilder: Der 26-Jährige meisterte seine Schauspiel-Prüfung. Nun braucht es nur noch kluge Drehbuch-Autoren.

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

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Samuel Koch wird neuer „Tatort“-Kommissar, berichtete ROLLINGPLANET im vergangenen Jahr exklusiv. Leider war es nur ein Aprilscherz (mit Wissen von Samuel). Aber warum eigentlich sollte das nur ein Witz bleiben? Mit einem klugen Drehbuch-Autoren ließe sich für den Tetraplegiker manch spektakuläre Rolle finden.

Den Grund, warum das nicht so einfach ist, kennt Samuel Koch: Vor seinem Unfall hätte er sich einen Schauspieler im Rollstuhl auf der Bühne kaum vorstellen können. „Das widersprach meiner konservativ-ästhetischen Vorstellung“, sagt der Student, der seit seinem Sturz als „Wetten, dass..?“-Kandidat Ende 2010 vom Hals abwärts weitgehend gelähmt ist. Doch gestern hat er einen wichtigen Schritt für den Abschluss im renommierten Schauspiel-Studiengang in Hannover gemacht.

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

Spektakuläre Illusion für eine Akademie

Vor rund 100 Zuschauern, darunter Theaterchefs, Filmproduzenten, Familie und Freunde präsentiert der 26-Jährige ein bewegendes Programm: Er ist unter anderem der Todkranke, der aus der Klinik ausgebüxt ist, ein antiker Despot und ein ehemaliger Affe, der von seiner Menschwerdung berichtet – mal im Rollstuhl, mal liegend auf einer Art Seziertisch, mal im speziell angefertigten Bewegungsanzug.

Nach dem Monolog des Ex-Affen aus Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“ springen die Zuschauer aus ihren Sitzen und applaudieren minutenlang. Samuel Koch ist in einem Bewegungsanzug an seinen Studienkollegen Robert Lang festgebunden. Mit der Hilfe seines Freundes kann er Arme und Beine wieder bewegen.

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

Schon vor seinem Unfall bewegte Koch die Menschen

Spürbar ist an diesem Abend der Zusammenhalt an der Schauspielschule, die aus 500 bis 600 Bewerbern jährlich nur 10 auswählt. „Früher wollten alle meinen Körper, auch beim Vorsprechen war mein Körper mein Kapital“, erzählt der ehemalige Leistungsturner nach der Vorstellung. Doch mittlerweile habe er das feine, filigrane Spiel für sich entdeckt.

Die „Wetten, dass..?“-Sendung am 4. Dezember 2010 veränderte sein Leben. Beim Versuch, ein fahrendes Auto auf Sprungfedern zu überspringen, verletzte er sich und blieb liegen. Nach 15-monatiger Pause und Rehabilitation in der Schweiz nahm Samuel Koch am 1. April 2012 sein Studium wieder auf.

Professor Jan Konieczny erzählt in einer Umbaupause des Vorspiels, wie er den Studenten vor und nach dem Unfall erlebte. Schon vorher sei er nicht nur der „Sportler und Muskelprotz“ gewesen, sondern habe Menschen mit seinem Spiel zu Tränen rühren können. Um eine Szene im Studium möglichst glaubwürdig zu verkörpern, habe er tagelang nichts gegessen. „Seine Determination, sein Willen hat mir imponiert“, sagt der Schauspiellehrer.

Lachen oder Nachdenken – vielleicht geht ja auch beides

Was seine Zukunft angeht, möchte sich Samuel Koch nicht festlegen.„Ich habe Spaß daran, Menschen zum Lachen oder zum Nachdenken zu bringen“, sagt er. Theater, Kabarett oder weiterhin Konzertlesungen sind für ihn vorstellbar. Auch für Filme gibt es Anfragen.

Hat er nicht Angst, dann wegen seiner Lähmung immer auf die Opferrolle festgelegt zu werden? „Die Sorge ist da, aber das lasse ich nicht zu“, sagt Samuel Koch.

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

(Foto: Nico Herzog/Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH)/dpa)

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(Christina Sticht/dpa/RP)

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2 Kommentare

  • Marion

    Schade, schade, schade.
    Gerne würde ich Seiten von Rollingplanet mit anderen teilen, doch immer stört mich das Bild der nackten Frau mit dem liegenden Behinderten.
    Ich bin nicht prüde, aber schamhaft und werde an das Zitat von Siegmund Freud erinnert: der Verlust der Schaden ist das erste Anzeichen von Schwachsinn.

    19. Februar 2014 at 11:04
  • Marion

    Ersetze bitte Schaden durch Scham

    19. Februar 2014 at 11:06

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