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Jetzt mit Aufzügen und barrierefreiem Zugang: Das Historische Museum Frankfurt

Die Altbauten bieten nach jahrelanger Sanierung ab Samstag ganz neue Einblicke in die Vergangenheit. Von Gerhard Kneier

Untergeschoss für die Stauferzeitausstellung (Foto: S. Gesser)

Im Keller der Saalhofkapelle liegen die Kopien der Reichsinsignien und im Obergeschoss des Rententurms befindet sich der Fernrohrblick in vier Jahrhunderte: Wenn das Historische Museum in Frankfurt am Main nach jahrelangem Umbau am Wochenende erstmals wieder seine Pforten öffnet, erwarten die Besucher ganz neue Einblicke in die Vergangenheit. Vom Saalhofbau aus dem Jahr 1200, über den Rententurm aus dem 15. Jahrhundert, das Bernuspalais von 1717 bis zum Bunitzbau von 1842 wurden alle vier historischen Bauten des Museums völlig neu hergerichtet.

Auch im Innern wieder historisch

Bisher größtenteils nur als Lager und Büros genutzt, entsprechen sie jetzt auch im Innern wieder weitgehend ihrem historischen Zustand, der zuvor nur an den Außenfassaden zum Mainufer hin erkennbar war. Der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sprach vom Ende der ersten Etappe eines Mammutprojekts. Der Umbau der Altbauten hat rund 20 Millionen Euro gekostet. Weitere 50 Millionen fließen in den Neubau, der als Ersatz für den 2011 abgerissenen „Waschbetonklotz“, wie ihn Semmelroth nannte, am Römerberg geplant ist. Der wird allerdings erst 2014 fertig sein und 2015 bezogen.

Dann wird das Historische Museum mehrere tausend Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche haben und nach den Worten seines Direktors Jan Gerchow als modernes „Stadtmuseum“ erlebbar sein. Auch das nach dem Abriss des Betonbaus geschlossene Kindermuseum soll dann wieder dazugehören.

Zum Auftakt ist der Eintritt frei

Der sanierte Rententurm mit Uhr (Foto: S. Bund)

Nach der offiziellen Eröffnung am Donnerstagabend mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) können an allen drei Tagen des Pfingstwochenendes Frankfurter und auswärtige Besucher die neu gestalteten Räume der Altbauten bei freiem Eintritt in Augenschein nehmen. Als Prunkstück gilt der Saalhof, in dem einst die staufischen Könige wohnten, wenn sie in Frankfurt weilten. Semmelroth sprach vom ältesten noch aufrecht stehenden Bau in Frankfurt, selbst der Dom sei jünger. Ohnehin hätten die Staufer viel für Frankfurt getan und etwa die Errichtung einer Stadtmauer und eines Rates genehmigt sowie der Stadt später auch das Messeprivileg zugestanden.

Über einen Steg können die Besucher Ausgrabungen aus der Zeit um 1200 und Exponate aus jener Zeit bewundern. Und im Untergeschoss der erstaunlich gut erhaltenen Saalhofkapelle sind die Kopien von Krone, Zepter und Reichsapfel in einer Vitrine zu sehen. Dazu ertönt noch ein kleines Hörspiel, das auf unterhaltsame Weise Informationen vermittelt. Im Rententurm aus dem 15. Jahrhundert ist unten eine kleine Ausstellung zum Thema Mainhochwasser, im ersten Stock wurde ein mechanisches Uhrwerk rekonstruiert, und noch ein Geschoss höher kann man mit vier Fernrohren den Blick aufs Mainufer vergangener Zeiten werfen.

In den anderen Bauten ist ebenfalls die historische Grundstruktur wiederhergestellt worden. Auch das große Altstadtmodell der Brüder Treuner, das Frankfurt im Jahr 1927 zeigt, hat dort seinen neuen Platz gefunden. Zudem ist dort mit dem Leopold-Sonnemann-Saal ein repräsentativer Veranstaltungsraum rekonstruiert worden. Als Baudezernent freut sich Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) darüber, dass in den Gebäuden die baugeschichtliche Abfolge wieder sichtbar gemacht wurde. Und dennoch sei es gelungen, auch Aufzüge einzubauen und den barrierefreien Zugang für Besucher zu sichern.

Barrierefreiheit

Die ab Mai 2012 eröffnenden Altbauten sind aufgrund denkmalpflegerischer Maßnahmen nur teilweise innerhalb der Ausstellungsflächen barrierefrei. Der Museumsneubau 2015 wird barrierefrei sein, teilt das Museum mit.

Text: dapd-hes. Fotos: Historisches Museum Frankfurt

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