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Jetzt reden wieder alle darüber: Doch was ist Alzheimer wirklich?

Nach der Schockdiagnose für Rudi Assauer ist sie einmal mehr in aller Munde – aber immer noch wissen viele nicht, was die Alzheimer-Krankheit genau ist. ROLLINGPLANET klärt auf.

Rudi Assauer

Offensichtlich an Alzheimer erkrankt: Rudi Assauer

Der neueste Promi-Fall

Das Monster ist gefräßig – und macht auch vor bekannten Namen keinen Halt, wie das aktuelle Beispiel Rudi Assauer beweist. Der ehemalige Manager von Schalke 04 ist an Alzheimer erkrankt. Das berichten heute die „Bild“-Zeitung und „Sport-Bild“ übereinstimmend. Laut „Abendzeitung“ lässt der 67-Jährige die Erkrankung seit Januar 2010 in einer Klinik in Essen behandeln.

In dieser Woche erscheint Assauers Autobiografie mit dem Titel „Wie ausgewechselt – verblassende Erinnerungen an mein Leben“. Darin schreibt er: „Wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum.“

Ein anderer spektakulärer Promi-Fall liegt nicht lange zurück: Am 7. Mai 2011 erschoss sich der Fotograf und Kunstsammler Gunter Sachs. In seinem Abschiedsbrief schrieb er von einer ausweglosen Krankheit „A“, die ihm die Kontrolle über seinen Geist raubte. Er bezeichnete diesen Zustand als würdelos.

Die große Angst vor Alzheimer

Alzheimer rückt nun einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit – ohnehin ist Alzheimer nach Krebs die Krankheit, vor der sich viele Menschen am meisten fürchten. Das zeigte eine im Juli 2011 veröffentlichte Umfrage des Dachverbands Alzheimer Europe und der Harvard School of Public Health in fünf Ländern. Befragt wurden mehr als 2600 Menschen in den USA sowie in Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen. In vier dieser Länder war Alzheimer nach Krebs die am meisten gefürchtete Krankheit.

Demenz und Alzheimer

Es gibt mehr als 50 verschiedene Formen von Demenz. Alzheimer ist mit Abstand die häufigste Form der Demenz. Man schätzt, dass in Deutschland 1 bis 1,2 Millionen Alzheimer-Patienten leben. Jedes Jahr gibt es in Deutschland 100.000 neue Alzheimer-Diagnosen. Für das Jahr 2030 wird hierzulande mit zwei Millionen Erkrankten gerechnet.

Von einer Demenz spricht man, wenn das Gedächtnis so stark beeinträchtigt ist, dass die Fähigkeit, früher erworbenes Wissen abzurufen und neue Informationen zu erlernen, verloren geht und zu einschneidenden Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben führt. Außerdem verschlechtern sich deutlich intellektuellen Leistungen wie korrektes Ausführen von Handlungsabläufen, Wiedererkennen und Identifizieren von Gegenständen und Körperfunktionen, Sprache, abstraktes Denken, Planen und Organisieren.

Diese Beeinträchtigungen und psychischen Veränderungen verlaufen – im Gegensatz zu anderen Erkrankungen – chronisch und machen sich über einen längeren Zeitraum hinweg bemerkbar.

Alzheimer-Krankheit: Veränderungen im Gehirn

Alzheimer ist eine unheilbare Gehirnerkrankung. Zellen bestimmter Gehirnregionen funktionieren zunächst nicht mehr und sterben schließlich ab. Die Ursachen der Krankheit sind unbekannt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, deren Erforschung weltweit betrieben wird.

Die Alzheimer-Krankheit ist ein durch fehlerhafte Stoffwechselvorgänge hervorgerufener, langsam fortschreitender Verlust von Nervenzellen. Die Folge hiervon ist die Schrumpfung des Gehirns um bis zu 20 Prozent.

Durch den Untergang der Nervenzellen werden auch die der Informationsweiterleitung und -verarbeitung dienenden Übertragungsstellen zwischen den Nervenzellen zerstört. Das Typische der Alzheimer-Krankheit besteht darin, dass das Absterben von Nervenzellen mit der Bildung von abnorm veränderten Eiweißbruchstücken einhergeht, die sich im Gehirn ablagern. Betroffen vom Nervenzell-Verlust sind vor allem jene Abschnitte des Gehirns, die für das Gedächtnis und die Denkfähigkeit wichtig sind.

Das sind die Symptome

Die Symptome lassen sich in vier Kategorien unterteilen:

1. Kognitive Störungen, die sich auf das Gedächtnis, die Entscheidungsfähigkeit, das Orientierungsvermögen, den sprachlichen Ausdruck und das Körpergefühl auswirken

2. Veränderte Gefühlswelt: Niedergeschlagenheit, Furcht und Gereiztheit

3. Änderungen in der Persönlichkeitsstruktur: emotionale Instabilität und das Gefühl, vernachlässigt zu werden

4. Zeitweilige reaktive Symptome, wie z.B. Depressionen, Paranoia und Angst

Zusätzlich kann sich auch der Charakter des Patienten ändern. Er ist argwöhnischer oder aggressiver als früher und verliert das Interesse an vielen Dingen.

Das ist der Krankheitsverlauf

Vom Einsetzen der ersten Symptome an kann man den Verlauf der Krankheit in drei Stadien einteilen. Jedes Stadium dauert durchschnittlich drei Jahre. Trotzdem ist der Verlauf von Patient zu Patient verschieden. Als Faustregel gilt, dass die Krankheit umso rascher verläuft, je früher sie im Leben auftritt.

Stadium 1: Der Kranke ist „nur“ vergesslich. Seiner Umgebung fällt dies kaum auf. Die Handschrift verändert sich. Er verliert leicht die Orientierung. Der Patient kann nur noch einfache Tätigkeiten selbständig erledigen, bei komplizierten Dingen ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Sprechen und Denken verlangsamen sich, der Kranke „verliert den Faden“ oft mitten im Satz. In dieser Zeit treten oft Depressionen auf, die Teil des Krankheitsbildes sind.

Stadium 2: Die Krankheit wird offensichtlich. Der Patient kann sich zwar an lange Vergangenes erinnern, aber die Erinnerung an die jüngste Vergangenheit gelingt ihm kaum noch. In diesem Stadium der Krankheit kann der Patient nur noch eingeschränkt die Uhrzeit oder das Datum wahrnehmen und begreifen; er vergisst häufig, wo er ist. Der Patient ist auf Hilfe angewiesen. Betreuer müssen dem Patienten eindeutige Anweisungen geben und sie häufig wiederholen. Da das Gedächtnis immer mehr nachlässt, erfinden beispielsweise einige Kranke Wörter. Sie erkennen vertraute Gesichter nicht mehr. Stimmungsschwankungen (Angst, Frustration, Trauer), die seelischer Natur wie auch neurologischer Natur sein können, werden durchlebt. Das Ende dieses Stadiums ist häufig durch Wahnvorstellungen und Paranoia geprägt. Zwanghafte Verhaltensweisen können auftreten sowie ein Hang zur Ruhelosigkeit.

Stadium 3: Der Kern der Persönlichkeit beginnt sich langsam aufzulösen. Das Erinnerungsvermögen ist äußerst gering, der Patient erkennt niemanden mehr. Er verliert endgültig die Kontrolle über seine Ausscheidungen und muss jetzt rund um die Uhr betreut werden. Der Patient verliert die Fähigkeit zu kauen und zu schlucken. Seine Anfälligkeit für Lungenentzündungen, Infektionen und andere Krankheiten wächst stark. Atemschwierigkeiten verstärken sich, insbesondere wenn der Kranke völlig bettlägerig ist.

Wie man Alzheimer ärztlich feststellt

Die Krankheit kann heute mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch psychometrische Tests festgestellt werden. Viele Forschergruppen arbeiten an Tests mit bildgebenden Verfahren oder an der Entwicklung von Bluttests, die schon zu Beginn der Alzheimer-Krankheit eindeutige Ergebnisse liefern.

Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Bisher gibt es keine Behandlung, mit der die Alzheimer-Krankheit geheilt werden kann. Allerdings betreiben zahlreiche Forschungsprogramme viel versprechende Studien, in deren Mittelpunkt die Bekämpfung der Krankheit oder deren Prävention steht. Menschen, die heute an Alzheimer leiden, stehen Medikamente zur Verfügung, die helfen, die Symptome der Erkrankung zu kontrollieren.

Zusätzlich gibt es medikamentöse Behandlungen, die Erregungszustände, Depressionen oder psychotische Symptome (Halluzinationen oder Verwirrung), welche im Laufe der Erkrankung auftreten können, mildern helfen.

Nichtmedikamentöse Therapien sind häufig ebenfalls darauf ausgerichtet, Begleitsymptome der Alzheimer-Krankheit abzumildern oder die Denk- und Merkfähigkeit zu verbessern. Andere nichtmedikamentöse Ansätze versuchen, die Alltagskompetenz der Patienten zu stärken und Angehörige zu unterstützen.

Zum Themenschwerpunkt Alzheimer/Demenz

Quellen: Der Westen, deutsche-alzheimer.de, curado.de, alzheimer-forschung.de

Foto: Wikipedia/Produnis. Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

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