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Jetzt spricht Wolfgang Schäuble über seine Behinderung



Der querschnittgelähmte Finanzminister gesteht in einem Interview, dass er noch davon träumt, Fußgänger zu sein. Weitere Träume verbietet er sich.

Seit einem Attentat am 12. Oktober 1990 ist Wolfgang Schäuble vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt und Deutschlands wohl bekanntester Rollstuhlfahrer. Dem „Spiegel“, der dieses Mal nicht erst am Montag, sondern bereits am morgigen Samstag am Kiosk erhältlich ist, gab er nun ein Interview. Darin spricht der Bundesfinanzminister offen über sein Leben in der Politik und seine Querschnittslähmung.

Der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff habe ihn mal gefragt, ob er, wenn er träume, aufrecht gehe oder im Rollstuhl sitze. Schäubles Antwort:

„Auf den Gedanken war ich noch gar nicht gekommen. Ich habe dann nachgedacht und gesagt: Im Traum bin ich Fußgänger. Das Unterbewusstsein findet sich offenbar nie mit der Behinderung ab.“

Nach wie vor verfolge er die Fortschritte der Rückenmarksforschung. „Aber ich habe mir früh verboten, meine Hoffnung darauf zu setzen.“

Schäuble war bei einem Attentat während einer Wahlkampfveranstaltung in der Gaststätte „Brauerei Bruder“ in Oppenau niedergeschossen worden. Der psychisch gestörte Attentäter feuerte drei Schüsse aus einem Revolver von hinten auf den damaligen Bundesinnenminister.

Bei dem Angreifer, Dieter Kaufmann, wurde Verfolgungswahn diagnostiziert. Er wurde im Prozess für schuldunfähig befunden und in die Psychiatrie eingewiesen. Am 12. Oktober 1995, dem fünften Jahrestag des Attentats, bat Kaufmann sein Opfer brieflich sowie auch öffentlich im Rundfunk um Verzeihung. Im Jahr 2004 wurde Kaufmann in eine Wohngemeinschaft entlassen.

Schäuble ist Kuratoriumsmitglied in der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) und Mitglied des Stiftungsrates beim Internationalen Forschungsinstitut für Paraplegiologie, Zürich.

In einem vor wenigen Stunden veröffentlichten ROLLINGPLANET-Interview antwortete der ebenfalls querschnittgelähmte Politiker Dr. Ilja Seifert (Die Linke) auf die Frage, ob er sich mit Schäuble auch mal privat über ihre gemeinsame Situation als behinderte Menschen unterhalte: „Selten, aber gelegentlich schon. Jedenfalls achten wir uns diesbezüglich gegenseitig. Unsere politischen Differenzen bleiben davon jedoch unberührt.“


Foto: Wikipedia/Kuebi = Armin Kübelbeck. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

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