Jetzt wird auch Malu Dreyer wegen ihrer Behinderung gedisst

Diskriminierende Äußerungen über die Politikerin sorgen für Wirbel. Vorstand des CDU-Ortsverbandes Koblenz-Süd tritt zurück.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat MS. Bei längeren Strecken benutzt sie einen Rollstuhl. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat MS. Bei längeren Strecken benutzt sie einen Rollstuhl. (Foto: Roland Holschneider/dpa)

Diskriminierende Äußerungen im Internet über die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sorgen für Wirbel. In Facebook war unter dem Account eines Koblenzer Lokalpolitikers der CDU unter anderem ein Eintrag zu einem Foto von der im Rollstuhl sitzenden Dreyer zu lesen, wonach Dreyer „Erwerbsminderungsrente beantragen und abtreten“ solle. Außerdem wurde die Frage gestellt, ob die SPD in Rheinland-Pfalz mit Dreyer nun „auf der behinderten Mitleidsschiene“ fahren wolle. Der CDU-Politiker war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar, die Koblenzer CDU distanzierte sich am Donnerstag von ihm.

Dreyer ist an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, sie hatte sich 2013 für eine Bildstrecke im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ im Rollstuhl ablichten lassen. Diese Bilder wurden erneut gepostet und kommentiert. Unter anderem der rheinland-pfälzische SPD-Landtagsfraktionschef Alexander Schweitzer verbreitete einen Screenshot mit den diskriminierenden Äußerungen. Über Facebook selbst waren sie am Abend nicht mehr zu finden. Der Koblenzer CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Biebricher sprach auf Facebook von „unerträglichen und geschmacklosen Äußerungen“. Die SPD in Rheinland-Pfalz zeigt sich empört.

Am Abend traf sich der Vorstand des CDU-Ortsverbandes Koblenz-Süd, in dem der Lokalpolitiker Beisitzer war. Es sei ihm nahegelegt worden, zurückzutreten und aus der Union auszutreten, sagte Biebricher der Deutschen Presse-Agentur. Beides habe der Mann abgelehnt. Daraufhin sei der Rest des Vorstandes zurückgetreten, um den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Am Freitagvormittag sei eine Sitzung des geschäftsführenden CDU-Kreisvorstandes Koblenz-Stadt vorgesehen, um weitere Schritte zu beraten.

Und zuvor musste Schäuble dran glauben

Politiker mit körperlichem Handicap zu dissen scheint in Mode zu kommen (viele Behinderte außerhalb der Politik sind das ja schon gewohnt): In dieser Woche hatte es bereits Wolfgang Schäuble (CDU) erwischt – ein griechischer Comedian beleidigte den Bundesfinanzminister wegen seiner körperlichen Behinderung und löste damit eine Welle der Empörung in sozialen Medien aus. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise und dem von Schäuble verfochtenen harten Sparkurs gegenüber Athen sagte der linke Unterhaltungskünstler Lakis Lazopoulos: „Wenn ein Mensch auf einem Stuhl festgenagelt ist, dann wird auch sein Hirn langsam von einer Idee besessen, ich nenne dies Paranoia, ich nenne dies Wahnsinn.“

(RP/dpa/lrs)

Die Sache ist damit leider nicht erledigt: CDU-Lokalpolitiker wird noch unverschämter
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5 Kommentare

  • Sabine Schaetzle

    Wie unterirdisch und abgrundtief böse…niederträchtig.

    18. Februar 2016 at 20:17
  • Gerd Schmidt

    Da zeigt sich mal wieder das wahre Gesicht der CDU …

    18. Februar 2016 at 20:24
    • Harald Con Elke

      Der Ar*** steht nicht für die ganze Partei. Wäre ja schlimm, würden wir wegen eines Idioten eine ganze Gruppe verurteilen.

      19. Februar 2016 at 16:31
  • Peter Fröbe

    Und das von der CHRISTLICH Demokratischen Union. Soviel zum Thema Nächstenliebe… Heuchlerverein !!!!

    18. Februar 2016 at 23:04
  • Daniela Piehl

    Eventuell anzeigen und die Leute mit wohl viel zu wenig Hirn aus der Partei ausschliessen.

    19. Februar 2016 at 02:07

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