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Jobs für Behinderte: Streit um Bischoff-Äußerungen

Die Lebenshilfe Sachsen-Anhalt fühlt sich vom Sozialminister auf den Schlips getreten und wirft ihm Scheinheiligkeit vor.

Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Sachsen-Anhalt (Foto: D. Ende/DRK)

Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Sachsen-Anhalt (Foto: D. Ende/DRK)

Gestern stellte ROLLINGPLANET Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) als „Träumer des Tages“ vor – weil er mehr reguläre Jobs für Menschen aus Behindertenwerkstätten fordert: „Mir geht es vor allem um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, sagte Bischoff am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Magdeburg.

„Mit Besorgnis und Erstaunen“ reagiert heute der Lebenshilfe Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. auf die von Sozialminister Norbert Bischoff gestellte Forderung, Menschen mit Behinderungen entschiedener als bislang in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Es gab zahlreiche Bestrebungen, Initiativen und Runde Tische zu diesem Thema, wir haben die Aktivitäten immer engagiert begleitet. Allerdings stimmen aus unserer Sicht nach wie vor die Rahmenbedingungen nicht“, erklärt Marcus Hoppe, Geschäftsführer des Lebenshilfe Landesverbandes Sachsen-Anhalt. „Aus unserer Sicht gibt es zu wenige Arbeitgeber im Land, die bereit sind, Menschen mit geistigen Behinderungen zu beschäftigen.“

Öffentliche Verwaltung ohne Beispielfunktion

Dazu gehöre unter anderem auch der Bereich öffentliche Verwaltung (Ämter, Behörden etc.). Dort gebe es bisher weder einen Ausbildungsplatz für Jugendliche mit einer geistigen Behinderung, noch wurden Menschen mit Behinderung aus der Werkstatt in den öffentlichen Dienst vermittelt oder übernommen.

„Für uns entsteht der Eindruck, dass das Land in dem Fall Geld sparen möchte und sich dazu des Inklusionsgedankens bedient. Das können wir nicht befürworten“, so Hoppe weiter. Zudem stelle der Sozialminister mit seiner Äußerung die Arbeit der in den Werkstätten beschäftigten Menschen in Frage.

Die Lebenshilfe spricht sich klar dafür aus, dass es eine Strategie zur Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt geben muss. „Allerdings muss hier der Mensch im Vordergrund stehen und nicht das Geld.“

Die Zahl der Beschäftigten in Werkstätten für Behinderte stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren. Anfang 2012 waren bundesweit 282.000 Werkstattplätze belegt, im Jahr 2001 waren es 201.000. In Sachsen-Anhalt arbeiten mehr als 10.000 Menschen in Werkstätten für behinderte Menschen.

(PM)

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