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John Callahan: Keine Sorge, zu Fuß wird er nicht weit kommen – oder doch?

Er war sarkastisch, ein Alkoholiker und ein Genie: Das Leben des querschnittgelähmten Cartoonisten wird verfilmt.

Einer unserer Lieblingscartoons, die er veröffentlicht hat, zeigt zwei Männer, die nur aus Kopf und Hals bestehen und auf einem Rollbrett sitzen: „Leute wie Du inspirieren mich wirklich“, sagt der eine zum anderen. Die als Witz verkleidete Botschaft ist immer noch aktuell: Solche Floskeln als höfliche Variante des Mitleids bekommen Menschen mit Behinderung immer wieder zu hören.

Er wuchs als Adoptivkind auf, war seit seinem zwölften Lebensjahr Alkoholiker, herrlich schräg, sarkastisch, zynisch und Kult: Mit seinen Cartoons begeistert(e) John Michael Callahan Millionen Fans, seine Arbeiten erschienen in weltweit über 200 Zeitungen. Diese Karriere verdankte er einem gemeinhin als Schicksalsschlag bezeichneten Ereignis: Der US-Amerikaner verunglückte 1972 als 21-Jähriger bei einem Autounfall (ein betrunkener Bekannter saß am Steuer) und wurde querschnittgelähmt. Er konnte seine Arme nur noch etwas bewegen. „Ironischerweise hat dieser Unfall John das Leben gerettet“, war sein Freund Kevin Mullane überzeugt. „Ansonsten hätte ihn der Alkohol gekillt.“

„Leute wie Du inspirieren mich wirklich“ (Cartoon: John Callahan/NYT)

„Leute wie Du inspirieren mich wirklich“ (Cartoon: John Callahan/NYT)

(Cartoon: John Callahan/NYT)

„Keine Sorge, zu Fuß wird er nicht weit kommen“ (Cartoon: John Callahan/NYT)

„Sei kein Idiot, Billy!“ (Cartoon: John Callahan/NYT)

„Sei kein Idiot, Billy!“ (Cartoon: John Callahan/NYT)

Nach dem Unfall begann Callahan zu zeichnen. Aufgrund der eingeschränkten Motorik entwickelte er eine grobe Strichführung, die seine Karikaturen typisch machten. Schon bald wusste man: „Natürlich ist nichts daran lustig, wenn jemand als Tetraplegiker im Rollstuhl sitzt. Es sei denn, er heißt John Callahan“ (O-Ton Callahan). Am 24. Juli 2010 starb John Callahan nach langem Kampf an den Folgeschäden einer Operation im Alter von 59 Jahren. Noch Tage später lief auf seinem Anrufbeantworter die makabre Ansage: „Hi, hier ist John. Ich bin heute etwas zu depressiv, um Ihren Anruf persönlich entgegenzunehmen.“

Nun wird Callahans Leben verfilmt unter dem Titel „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ (Keine Sorge, zu Fuß wird er nicht weit kommen). Vorlage für das Biopic sind Callahans Memoiren, die 1999 in Deutschland von Eichborn herausgegeben wurden. Regisseur ist Gus Van Sant (64, „Milk“), der als Spezialist für Kinostreifen über unangepasste Jugendliche und junge Erwachsene gilt.

Die Rolle des Hauptdarstellers übernimmt der US-amerikanische Schauspieler und Golden-Globe-Preisträger Joaquin Phoenix (42, „Her“), der bereits drei Mal für den Oscar nominiert wurde. Als ziemlich bester Freund wird Jonah Hill (33, „War Dogs“) auftreten, der den Pfleger spielen wird, meldet das Branchenblatt „Hollywood Reporter“. Das Cinemaportal „TheWrap“ berichtet zudem, dass auch Rooney Mara (31, „Carol“) mitwirken soll, entsprechende Verhandlungen laufen derzeit.

Joaquin Phoenix wird John Callahan spielen. (Foto: EPA/Claudio Onorati)

Joaquin Phoenix wird John Callahan spielen. (Foto: EPA/Claudio Onorati)

(RP)

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