Julia Probst hat eine Botschaft für die Bundeskanzlerin (und die Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten)

Lediglich 14 Prozent der Fernsehsendungen in Deutschland sind für Gehörlose und Hörgeschädigte nutzbar. Auf stern.de erklärt Julia Probst („Gehörlos-Bloggerin“), was sich ändern muss. Das ist sehr interessant, auch wenn Sie nicht Bundeskanzlerin oder Verantwortlicher in einer Rundfunkanstalt sind.

Screenshot Julia Probst bei stern.de

Screenshot Julia Probst bei stern.de

Eigentlich wollte Julia, Deutschlands Untertitelkämpferin und „Real-Madrid-Fan auf internationaler Ebene“ (O-Zitat), sich am Mittwochabend einen ruhigen Fußballabend machen. Hat nicht so ganz geklappt: Sie wurde von der Nachricht überrascht, dass ein von stern.de mit ihr gedrehtes Video soeben online gegangen war. Julia hatte damit erst nächste Woche gerechnet. Produziert wurde das Stück bereits im August 2011 – es dauerte acht Monate, bis es nun bei stern.de zu sehen und lesen ist: „Ich würde gerne alles mitbekommen“

Es geht um Julias „Lieblingsthema“: Wie schwierig es gehörlosen und hörgeschädigten Menschen gemacht wird, Medien zu nutzen – unter anderem deshalb, weil wegen fehlender oder unzureichender Untertitel lediglich 14 Prozent der Fernsehsendungen in Deutschland für Gehörlose und Hörgeschädigte nutzbar sind.

Dementsprechend fordert die Bloggerin des Jahres 2011: „Das Rundfunkgesetz muss korrigiert werden. Das Problem ist, dass die Sender zwar aufgefordert sind, die Sendungen mit Untertiteln zu versehen, aber nur mit einem ‚sie sollen’. ,Müssen’ wäre sinnvoller, eine richtige Verpflichtung.

Angie, lesen!

An die Bundeskanzlerin appelliert sie: „Liebe Frau Merkel. Mit Ihrer Politik für Menschen mit Behinderungen und Gehörlose bin ich nicht zufrieden. Außerdem bekomme ich von Katastrophen-Warnungen nichts mit. Und auch von der Politik möchte ich gerne mehr mitbekommen. Die Parlamentswebsite braucht zusätzliche Untertitel, damit alle Gehörlosen und Schwerhörigen erreicht werden. Ich wünsche mir auch, dass ich einfach mal ins Kino gehen kann, ohne vorher planen zu müssen. Und: Ich kann in Deutschland nicht ins Theater gehen. Es gibt zum Beispiel bei den deutschen Opern keine Obertitel und keine Gebärdensprachdolmetscher. Ich würde gerne mehr Kultur erleben können.“

Das Video findet Julia, wie sie ihrem Blog Mein Augenschmaus schreibt, sehr gelungen, outet sich aber als eitel: „Ich kann mich selbst nicht anschauen, wenn ich da so in Bewegtbild herumhüpfe und ich finde es furchtbar, wie ich rede. Aber das scheint wohl normal zu sein, dass man sich selbst in Bild und Ton gar nicht leiden kann.“ Da hat Julia noch nicht die ROLLINGPLANET-Redakteure live herumhüpfen sehen…

ROLLINGPLANET wundert sich: Wie schafft es Julia eigentlich, gleichzeitig das Champions League-Halbfinale zu gucken, Real Madrid gegen Bayern den Daumen zu drücken und schnell noch ihren Blog zu füttern?

An dieser Stelle noch mal unser Lieblink Nr. 12 : Im Internet gibt es eine Aktion Untertitel

Auf Facebook kann man sich der Gruppe „Wir wollen gehörlosen Kindern auch das Fernsehn ermöglichen!!!“ anschließen.


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