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Kai Pflaume begleitet Menschen mit Down-Syndrom: „Zeig mir deine Welt“

Und auch für sein neues TV-Projekt gilt irgendwie: Nur die Liebe (und Neugierde) zählen.

Kai Pflaume mit einem "Ohrenkuss"-Redakteur (Foto: Privat/Kai Pflaume/Facebook)

Kai Pflaume mit einem „Ohrenkuss“-Redakteur (Foto: Privat/Kai Pflaume/Facebook)

Er nennt sich gerne KP und ist irgendwie ein guter Mensch. Mit seiner Stiftung „Sehnsucht“ engagiert er sich im Bereich Suchtprävention bei Jugendlichen. Als seine Fachgebiete nennt er Stars, Promis, Shows, Menschen und Unterwegssein.

Für einen ehemaligen Wertpapierhändler hat er es im Entertainment-Geschäft weit gebracht: Kai Pflaume ist der ideale Schwiegersohn der Fernsehnation, und spätestens seit er vor zwei Jahren von Sat.1 zur öffentlich-rechtlichen ARD (Premiere mit „Der klügste Deutsche 2011“) wechselte, ist der einstige Kuppler eine richtig seriöse Nummer.

Zu dieser Kategorie zählt nun (hoffentlich) auch „Zeig mir deine Welt“ – eine TV-Idee, die Kai Pflaume bereits vier Jahren mit sich herumtrug, ehe er einen Sender (NDR) und eine Produktionsfirma (i&TV, Köln) fand. Am 19. Juni ist es soweit: Dann startet die vierteilige Serie „Zeig mir deine Welt“.

Familienunterhaltung mit Menschen mit Down-Syndrom

Das Format begleitet Menschen mit Down-Syndrom in ihrem Leben. Dies gelingt Pflaume, wie das Medienmagazin DWDL urteilt, „auf eine schwer zu definierende Art und Weise nüchtern und ganz und gar nicht bedeutungsschwanger irgendwo zwischen Reportage, Dokumentation und Dokusoap.“

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, das in der morgigen Mittwoch-Ausgabe erscheint, erzählt der 45-Jährige: „Für mich ist wichtig, dass unsere Hauptdarsteller und ihre Familien sagen: So fühle ich mich verstanden, ein tolles Projekt“. Und ergänzt: „Unterhaltung kann Türen aufstoßen wie es die klassische Reportage nicht könnte.“

Die Zuschauer dürfen sich laut Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, auf gute Unterhaltung freuen: „Unsere Zuschauer werden überrascht sein, wie fröhlich, emotional und überraschend der Alltag von Menschen mit Downsyndrom sein kann. Dieser Einblick gelingt vor allem durch den feinfühligen Gesprächspartner Kai Pflaume und seine offene Art.“

Die erste Folge von „Zeig mir deine Welt“ läuft am Mittwoch, den 19. Juni, um 21.45 Uhr bei der ARD, im Anschluss nach dem Spielfilm „So wie du bist“, der sich ebenfalls mit dem Leben von Menschen mit Down-Syndrom befasst. Die weiteren drei Folgen laufen dann Donnerstag, Freitag und Samstag um 18.50 Uhr im Vorabendprogramm.

Pflaume und Menschen mit Behinderung

Es ist nicht das erste Mal, dass Pflaume („Ich bin jemand – und ich denke, das muss ich niemanden mehr erklären -, der sich für Menschen interessiert und neugierig ist auf ihre Geschichten ist“) sich für Menschen mit Down-Snydrom und Behinderung interessiert. Für das Magazin „Ohrenkuss“ machte er im vergangenen Juli auf seiner Facebook-Seite kräftig Werbung, nachdem er die Redakteure mit kognitivem Handicap in der Bonner Werkstatt für Kultur und Wissenschaft besucht hatte.

2009 suchte der in Halle/Saale geborene TV-Moderator für „Nur die Liebe zählt“ – die Show, mit der er populär wurde und mit der er bis 2011 Herzen und Taschentücher drangsalierte – Kandidaten mit Down-Syndrom.

Nicht immer nur Beifall für den netten Herrn Pflaume

„In den vergangenen 16 Jahren“, sagte er damals, „haben wir nur wenige Bewerbungen von Menschen mit Behinderung bekommen. Viele trauen sich nicht, sich mit ihren Geschichten an uns zu wenden, da sie Angst haben, auf Ablehnung zu stoßen. Dabei ist es uns ein Anliegen zu zeigen, dass auch Menschen mit Behinderung ein Liebesleben haben und sich dazu, wie alle anderen, öffentlich bekennen können.“

Für einen Auftritt eines gehörlosen Liebespaares in „Nur die Liebe zählt“ im Juni 1999 erntete Pflaume nicht nur Lob: „Eigentlich müssten sich Gehörlose und auch Dolmetscher weigern, in dieser Form in einer Sendung aufzutreten. Sie sind wie in einer Jahrmarkts-Schau vorgeführt worden, wie ,die Dame ohne Unterleib‘ oder ,Die Spinnenfrau‘. Dem Ansehen Gehörloser wird so eher geschadet“, schrieb der „Taubenschlag“.

ROLLINGPLANET hofft, dass es den Menschen mit Down-Syndrom in „Zeig mir deine Welt“ besser ergeht.

(RP)


Zum Themenschwerpunkt Menschen mit Down-Snydrom


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