Kampf den Fettschürzen – Wenn nach dem Abnehmen die Haut hängt

Eine Operation kann helfen. Aber mit ihr sind auch Risiken verbunden. Von Jonas Schöll

Übergewichtiger Mann – Rückenansicht (Foto: Shutterstock)

Übergewichtiger Mann – Rückenansicht (Foto: Shutterstock)

Für viele Menschen mit Übergewicht kommt nach dem häufig mühevollen Abnehmen der Frust: Zwar haben sie es geschafft, ihre Adipositas in den Griff zu kriegen, stehen nun aber vor einem neuen Problem: Überall am Körper hängt die Haut schlaff herunter. In solchen Fällen ist der Gang zum plastischen Chirurgen häufig der einzige Ausweg, sagt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Notwendig sei eine Operation besonders dann, wenn die überschüssige Haut nicht nur zu einem ästhetischen, sondern auch zu einem gesundheitlichen Problem wird. Doch solche Eingriffe bergen auch Risiken.

Bei einem extremen Gewichtsverlust – wenn ein Patient beispielsweise nach einer Magenverkleinerung um die 50 Kilogramm Gewicht verliert – bildet der Körper die stark ausgedehnte Bauchdecke nicht mehr zurück, erklärt Prof. Thomas Dirschka vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. „Mit Massagen oder Cremes lässt sich eine vollkommen überdehnte Haut nicht wieder in eine schöne straffe Form bringen.“ Grund dafür sind erschlaffte oder gerissene Gewebestrukturen.

Bei Schmerzen empfiehlt sich OP

Vor allem am Bauch kommt es vor, dass diese Haut eine große Falte bildet, die dann wie eine Schürze runterhängt. Hautlappen können aber auch an den Oberschenkeln, am Rücken oder den Brüsten bleiben und unter Umständen auch gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen: „Die Patienten schwitzen, und es kann zu Entzündungen und Pilzinfektionen kommen“, warnt von Saldern. Durch Reibung entstehen zusätzlich wunde Stellen. Ständige Schmerzen können die Folge sein. „In diesen Fällen rate ich zu einer Operation.“

Doch häufig ist der Leidensdruck der Patienten nicht nur gesundheitlicher, sondern auch ästhetischer Natur, weiß von Saldern. Wer sich etwa im Sommer leichter bekleidet zeigen möchte, den belaste die überschüssige Haut psychisch mitunter stark. „Wenn Hautlappen am Körper hängen, ist das für viele nicht nur ein kleines Schönheitsproblem. Das kann für sie richtiggehend entstellend sein.“ Aus dem lange gehegten Wunsch, attraktiver zu sein und beispielsweise im Schwimmbad einen Badeanzug zu tragen, werde so eine Qual.

Massagen, Sport oder spezielle Cremes hätten nur eine geringe Wirkung bei leichtem Gewichtsverlust. „Koffeinhaltige Cremes können einen leichten Effekt auf das Bindegewebe haben. Aber tatsächlich nur bei ganz leichten Fällen“, sagt Prof. Dirschka.

Was bei der OP passiert

Doch bevor Patienten einen kosmetischen Eingriff vornehmen lassen, sollte das Gewicht mindestens ein halbes Jahr stabil bleiben. „Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn Patienten sich schnell runterhungern“, aber die auslösenden Probleme der Adipositas nicht aus der Welt geschaffen seien, sagt von Saldern. Sport- und Ernährungsfragen spielten hier eine wesentliche Rolle. Denn nimmt der Patient nach der OP wieder Gewicht zu, kann dieses auf die frischen Narben drücken.

Grundsätzlich wird bei jeder Bauchdeckenstraffung knapp über dem Schambereich ein langer waagerechter Schnitt gesetzt, wie die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) erklärt. Der Bauchnabel wird dann in der Regel mit einem runden Schnitt vom Hautgewebe abgetrennt. Überschüssige Haut wird entfernt und der Hautlappen angenäht. Für die Neupositionierung des Nabels wird ein neuer Zugang in die Haut geschnitten. Die alte Nabelstelle wird vernäht.

Zahlreiche Risiken warten auf den Patienten

Ein solcher Eingriff bringt aber auch „nicht unerhebliche Risiken“ mit sich, sagt von Saldern. So können große Narben und Wundflächen die Folge sein: „Hier kann es Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Nachblutungen geben.“ Ebenso werden bei den Operationen bisweilen kleine Gefühlsnerven an der Haut durchtrennt. „Es können Stellen übrig bleiben, wo sich das Gefühl nicht mehr vollständig normalisiert.“ Mehrmalige Nachoperationen sind durchaus üblich.

Daher sollte man den Chirurgen mit Bedacht auswählen: Jeder Arzt darf sich laut DGÄPC ungeachtet seiner Ausbildung etwa „Schönheitschirurg“, „Kosmetischer Chirurg“ oder „Ästhetischer Chirurg“ nennen. Anders ist das bei den Bezeichnungen „Facharzt für Plastische Chirurgie“, „Plastischer Chirurg“, „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“ oder „Plastischer und Ästhetischer Chirurg“. Die Fachgesellschaften versenden auf Anfrage Listen ihrer Mitglieder.

Schwierige Kostenerstattung

Auch über den Verlauf der OP lässt man sich ausführlich informieren. Spätere Nahtverläufe sollten etwa mit Abbildungen verdeutlicht werden, rät die DGPRÄC. Außerdem muss klar sein, wie lange der stationäre Aufenthalt dauern wird, dass einige Nachsorgeuntersuchungen anfallen und dass eventuell auch mit Wundheilungsstörungen zu rechnen ist.

Die Kostenerstattung bei solchen Eingriffen ist schwierig. Hier komme es auf die Bewertung der jeweiligen Krankenkasse im Einzelfall an, sagt Ann Marini vom GKV-Spitzenverband. Falls es sich um ein medizinisches Problem mit Beeinträchtigungen von Körperfunktionen handle, zahle die Kasse. Bei einem rein ästhetischen Problem würden die Kosten nur übernommen, wenn es sich um eine Entstellung mit „beachtlicher Erheblichkeitsschwelle“ handele. Und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.

(dpa/tmn)

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