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Kassel: Wie mache ich ein UNESCO-Weltkulturerbe barrierefrei?

Sieht nicht so wirklich barrierefrei aus: Blick über die Kaskaden der Wasserspiele zum Herkules

Sieht nicht so wirklich barrierefrei aus: Blick über die Kaskaden der Wasserspiele zum Herkules

Blick auf die zentrale Parkachse. Im Hintergrund ist Kassel zu erkennen.

Blick auf die zentrale Parkachse. Im Hintergrund ist Kassel zu erkennen.

Beleuchtete Wasserspiele

Beleuchtete Wasserspiele

Im Jahr 1696 wurde der Grundstein für den Bergpark Wilhelmshöhe im nordhessischen Kassel gelegt. Er ist mit einer Fläche von 2,4 Quadratkilometern der größte seiner Art in Europa. Sein Landschaftspark mit Wasserspielen und der Herkules-Statue genießen internationalem Ruf – am 23. Juni 2013 wurde der Bergpark als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Seitdem hat die Zahl der Besucher stark zugenommen.

Mobilitätseingeschränkte Menschen können die historischen Gebäude und Gartenkunst allerdings nur teilweise genießen – zu groß sind die Defizite im Bereich Barrierefreiheit. Dies ist eines der heute präsentierten Ergebnisse von Forschern.

„Brauchen ein intelligentes Verkehrssystem“

Neue Hinweisschilder, eine bessere Dämmung für Gebäude und vielleicht sogar eine Straßenbahn: Diese Dinge schlägt eine Studie unter Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Wigbert Riehl vor, um den Kasseler Bergpark auf die Zukunft vorzubereiten. Um dem wachsenden Verkehr zu begegnen, wird unter anderem die Verlängerung einer Straßenbahnlinie bis zum Schloss Wilhelmshöhe angeregt.

„Der ÖPNV ist favorisiert, wir brauchen ein intelligentes Verkehrssystem“, sagte Prof. Wigbert Riehl. Der Vorstand der Kasseler Verkehrsbetriebe, Thorsten Ebert, sagte, die technische Machbarkeit (ROLLINGPLANET flüstert: bitte Niederflurbusse nicht vergessen!) werde geprüft, allerdings sei der Bau eine Finanzierungsfrage. Die Forscher hatten die Kosten für ihre Vorschläge in der Machbarkeitsstudie nicht berechnet.

Totale Barrierefreiheit ist unrealistisch

Schloss Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe

Plutogrotte, im Hintergrund die Teufelsbrücke

Plutogrotte, im Hintergrund die Teufelsbrücke

Eine energetische Sanierung von Gebäuden – etwa des Schlosses – könne den derzeit mit rund 160.000 Euro veranschlagten Verbrauch um etwa 40 Prozent senken, errechneten die Wissenschaftler. Zudem könne mit den jährlich 2200 Tonnen Grünschnitt aus dem Park Energie gewonnen werden. Auch sollen die Schilder im Bergpark vereinheitlicht und übersichtlicher werden.

Hinsichtlich des Zugangs für Menschen mit Behinderung gebe es starke Defizite. Für das Parkinnere empfehlen die Kasseler Wissenschaftler deshalb eine gründliche Erneuerung des vorhandenen Orientierungs- und Leitsystems. Die Barrierefreiheit müsse vor allem an Gebäuden und Bauwerken optimiert werden, auch wenn angesichts der Topographie eine völlige Barrierefreiheit nicht zu erreichen sei.

Hessens Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) betonte, es sollten zunächst die Punkte angegangen werden, die schnell umgesetzt werden könnten.

(dpa, Fotos: Wikipedia, von oben nach unten: Kira Nerys, Dirk Schmidt (Celsius auf Wikivoyage), MalteRuhnke on de.wikipedia, MalteRuhnke, Hafenbar. GNU Free Documentation License. )

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