Kein Hexenwerk: Was gegen Warzen hilft

Die knubbeligen Hautwucherungen sind nicht nur lästig, sondern auch ansteckend. Von Eva Dignös

Dellwarzen können abgeschabt oder ausgedrückt werden – das sollte wegen des hohen Infektionsrisikos jedoch nur ein Arzt machen. (Foto: Shutterstock)

Dellwarzen können abgeschabt oder ausgedrückt werden – das sollte wegen des hohen Infektionsrisikos jedoch nur ein Arzt machen. (Foto: Shutterstock)

Warzen sind kein Hexenwerk, auch wenn der Volksmund ungewöhnlich viele „magische“ Heilmittel vom Schneckenschleim über Urin bis zur Speckschwarte bei Vollmond kennt. Verursacht werden sie durch Viren, in den meisten Fällen durch Mitglieder der großen Familie der Humanen Papillomaviren (HPV). „Übertragen werden sie von Mensch zu Mensch, allerdings können sie auch mal zwei oder drei Tage auf dem Fußboden oder auf einer Türklinke überdauern“, erläutert Eggert Stockfleth, Professor für Dermatologie und Direktor der Hautklinik am St. Josef-Hospital in Bochum.

Durch winzige Verletzungen oder Risse dringen die Viren in die obersten Hautschichten ein. „Dort regen sie das Zellwachstum an – denn sie benötigen ein dabei entstehendes Enzym, um sich zu vermehren“, beschreibt Stockfleth den Verlauf der Virusinfektion. Das Ergebnis sind Hautwucherungen, die in ganz unterschiedlichen Formen auftreten.

Vulgäre Warzen, auch Stachelwarzen genannt, erinnern an einen Blumenkohl, Flachwarzen sind klein wie ein Stecknadelkopf, treten aber häufig in großer Anzahl auf, Dornwarzen wachsen als harter kleiner Stachel in die Haut ein. Dellwarzen werden – im Unterschied zu den übrigen Viruswarzen – von einem Erreger aus der Familie der Pockenviren verursacht. Die kugelförmigen Erhebungen mit der charakteristischen Delle in der Mitte sind mit einem zähflüssigen Sekret gefüllt.

Andenken aus dem Hallenbad

Schwimmbadwarzen werden die Dellwarzen auch gern genannt – und weisen damit den Weg zu einem häufigen Übertragungsort. Gerade Kinder bringen gern ein Warzenandenken aus dem Hallenbad mit. „Auf den Böden und im Wasser gibt es viele Erreger, die durch die aufgeweichte Haut leicht eindringen können“, sagt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Ist erst einmal eine Warze gewachsen, ist gerade bei Dellwarzen die nächste nicht weit, denn das Sekret in den kleinen Knubbeln steckt voller Viren. „Wenn die Kinder an den Warzen kratzen oder an den Fingern lutschen, verteilen sie die Viren, und die Infektion schreitet fort“, erläutert Kinder- und Jugendarzt Fegeler.

Behandelt werden sollten Warzen deshalb vor allem dann, wenn sie sich weiter auszubreiten drohen, wenn sie – vor allem an der Hand – im Alltag stören oder wenn Dornwarzen sich schmerzhaft in die Fußsohle bohren. Dellwarzen können abgeschabt oder ausgedrückt werden. „Das darf wegen des hohen Infektionsrisikos nur der Arzt machen“, betont Fegeler. Von HPV-Viren verursachte Warzen werden meist entweder vereist oder durch Wirkstoffe wie Salicylsäure allmählich abgetragen. Beide Methoden zerstören das Virus, erfordern aber Geduld und Ausdauer.

Verschiedene Methoden

Die salicyl- oder milchsäurehaltigen Tinkturen und Pflaster gegen Warzen, die in der Apotheke erhältlich sind, müssen oft über Wochen und Monate regelmäßig aufgetragen werden, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Schicht für Schicht weichen sie die verhornte Haut auf, die dann nach einem warmen Bad abgetragen werden kann. „Die Wirkstoffe reizen jedoch auch die gesunde Haut“, warnt Apothekerin Sellerberg, „sie sollte deshalb mit Vaseline geschützt werden.“

Auch mit Kälte lässt sich Warzen zu Leibe rücken. Frei verkäufliche Vereisungssprays für den Hausgebrauch bringen jedoch oft nicht die erhoffte Wirkung, ist die Erfahrung von Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fegeler. Die professionelle Kryotherapie mit minus 200 Grad kaltem flüssigen Stickstoff in dermatologischen Zentren sei jedoch eine sehr effiziente und elegante Methode.

Neu entwickelte sogenannte Immune-Response-Modifier, die als Creme aufgetragen werden, gehen einen anderen Weg. „Sie reaktivieren das körpereigene Immunsystem an der Stelle, an der die Warze sitzt“, erläutert Dermatologe Eggert Stockfleth. „Das hat den Vorteil, dass die Behandlung nicht wehtut, keine Narben hinterlässt und es auch seltener zu Rückfällen kommt.“ Die Salben kommen bisher vor allem bei sehr hartnäckigem Warzenbefall zum Einsatz und müssen vom Arzt verschrieben werden. Bösartig entarten können Viruswarzen nicht, betont Stockfleth. Wer sich bei Wucherungen auf der Haut jedoch nicht sicher ist, ob es sich tatsächlich um eine Warze handelt, sollte sie dem Arzt zeigen.

Sie kommen – und verschwinden manchmal

Manchmal verschwinden Warzen so plötzlich, wie sie gekommen sind. Auch das ist nicht das Ergebnis von Hexenmagie: Der Körper hat die Warze schlichtweg selbst besiegt: „Er bildet Antikörper, die es allerdings wegen der schlechten Durchblutung in der Hornschicht der Haut schwer haben, zur Warze zu gelangen“, sagt Kinder- und Jugendarzt Fegeler. Warzen, die von selbst wieder abheilen, seien nichts Ungewöhnliches.

Vorbeugen lässt sich kaum, ein geschwächtes Immunsystem ist aber vermutlich ein zusätzlicher Risikofaktor, sagt Eggert Stockfleth. Auch die Hautpflege spielt eine Rolle: Trockene Haut neigt eher zu winzigen Rissen und öffnet auf diese Weise die Tür für die Warzenviren.

(dpa/tmn)

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