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„Kein Raum für sexualisierte Gewalt gegen Menschen mit Behinderung“

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und die Deutsche Behindertensportjugend (DBSJ) haben ein Positionspapier zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt und Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Sport beschlossen.

Der DBS möchte eine „Kultur des Hinsehens“ entwickeln (Foto: Paul Basics Foto/pixelio.de)

Das Positionspapier beinhaltet Präventions- und Schutzmaßnahmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung, die gemeinsam mit den Landes- und Fachverbänden umgesetzt werden sollen. In einer Pressemitteilung heißt es dazu:

„Im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit oder mit drohender Behinderung sowie chronischer Erkrankung toleriert der DBS keine Gewalt und Diskriminierung in jeder Form. Eine Kultur der Aufmerksamkeit und des Handelns Verantwortlicher muss daher dazu beitragen, Betroffene zum Reden zu ermutigen, potentielle Täter abzuschrecken und ein Klima zu schaffen, das Kinder, Jugendliche und Erwachsene – mit und ohne Behinderung – im Sport vor sexualisierter Gewalt schützt.

DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher bekräftigte den Beschluss: ,Wir machen damit allen unmissverständlich deutlich, dass wir sexualisierte Gewalt in unseren Reihen nicht dulden und jeden Ansatz energisch bekämpfen. Ich rufe alle auf, ihr Verhalten danach zu richten und Gewalt in keiner Form zuzulassen. Dazu gehört der Mut, jeden Vorfall öffentlich zu machen. Wir als die Organisation des Behindertensports verlangen, nicht diskriminiert zu werden – also dürfen und werden wir auch niemanden diskriminieren.‘

Mit dem vorgelegten Positionspapier möchte der DBS/die DBSJ auch im Zusammenhang der Themenwoche „Gegen sexualisierte Gewalt im Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Deutschen Sportjugend (dsj) vom 19. bis 25. November 2012 ein deutliches Signal des Engagements setzen. Der DBS/die DBSJ ist motiviert, die Aufgaben zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Sportverband/-verein aktiv anzugehen.“

Das Positionspapier im Wortlaut

„Kein Raum für sexualisierte Übergriffe!“
Positionspapier zur Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Deutschen Behindertensportverband e.V.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) ist als Spitzenverband im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für den Sport von Menschen mit Behinderung innerhalb des organisierten Sports zuständig. Gleichzeitig ist er Nationales Paralympisches Komitee (NPC) für Deutschland.

Der DBS leistet mit seinen nachhaltigen Verbands- und Vereinsangeboten für rund 618.000 Mitglieder in über 5.800 Vereinen in 17 Landes- und 2 Fachverbänden einen wirkungsvollen Beitrag zur körperlichen und psychischen Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung von Menschen mit oder mit drohender Behinderung sowie chronischer Erkrankung. Gestützt von über 33.000 lizenzierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie über 100.000 ehrenamtlich tätigen Vereinsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ermöglicht der DBS so allen Menschen mit Behinderung über den Sport die selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Der DBS tritt auf allen Ebenen für die Bewahrung der Menschenwürde und die Unversehrtheit von Menschen mit Behinderung ein und setzt sich für einen doping- und manipulationsfreien Sport ein. Diese Verantwortung beinhaltet auch den Umgang mit dem Thema Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt in den Strukturen des DBS. Nicht zuletzt aufgrund der öffentlichen Diskussionen und der Bekanntgabe von Übergriffen inner- und außerhalb des organisierten Sports erhält das Thema derzeit erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit und veranlasst den DBS mit folgenden Grundsätzen, aktiv gegen sexualisierte Gewalt im Sport, Stellung zu beziehen:

Der DBS strebt in seinen Verbands- und Vereinsstrukturen die Schaffung eines geschützten Raumes an, in dem Menschen mit Behinderung durch Bewegung, Spiel und Sport ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen fördern können und der Schutz der (sexuellen) Integrität von allen gewahrt wird.

Der DBS toleriert im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit oder mit drohender Behinderung sowie chronischer Erkrankung keine Gewalt und Diskriminierung in jeder Form von Seiten der Trainer(innen), Übungsleiter(innen), Vereinsverantwortlichen oder anderer Personen im Umfeld der Verbände und Vereine. Dies schließt die Gewalt unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausdrücklich mit ein.

Der DBS wird Maßnahmen zur Vermeidung und Aufklärung von Vorfällen entwickeln, unter anderem auch der Ausbau von Angeboten zur Stärkung der Selbstbehauptungskompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung sowie insbesondere Menschen mit geistiger Behinderung.

Folgende Präventions- und Schutzmaßnahmen
bilden den Schwerpunkt der Arbeit des DBS/der DBSJ sowie der Landes- und Fachverbände, damit ein effektiver Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit und ohne Behinderung ermöglicht wird bzw. Gefährdungsmomente minimiert werden: Beschlossen vom Hauptvorstand des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. am 01. September 2012, London

Information
> Aufklärung und Information der Mitgliedsorganisationen des DBS, um eine „Kultur des Hinsehens“ zu entwickeln
> Benennung einer Ansprechpartnerin/eines Ansprechpartners für das Aufgabengebiet „Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Behindertensport“ auf Bundes- und Landesebene
> Sensibilisierung zur Gewaltthematik an Jungen und Männern mit Behinderung
> Erarbeitung und Verbreitung von Handlungsrichtlinien bei Verdachtsmomenten

Qualifizierung
> Erarbeitung von Lerninhalten für die Aus- und Fortbildung zum Thema „Sexualisierte Gewalt im (Behinderten)-Sport“ gegenüber Mädchen, Jungen, Männer und Frauen
> Etablierung der DBS „Weiterbildung: Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins von Mädchen und Frauen mit oder mit drohender Behinderung“ (SGB IX, §44) für Übungsleiterinnen B-Lizenz Rehabilitationssport

Verwaltung
> Erarbeitung und Einführung des Ehrenkodexes – für Haupt- und Ehrenamt – zum Umgang mit Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung im Sport zur Verdeutlichung der eigenen Verantwortung
> Berücksichtigung von Missbrauchstatbeständen bei der Nominierung von Mitgliedern zu nationalen und internationalen Veranstaltungen (z.B. Jugendlager, Weltcups, Paralympics) ggfls. auch über die strafrechtlichen Grenzen von Verjährung, Bewährung und Verurteilung hinausgehend
> Festlegung von Sanktionen für Täterinnen und Täter bei Feststellung von Tatbeständen
> Überprüfung und Anpassung der Vereins- und Verbandssatzungen sowie der „Richtlinien für die Ausbildung im DBS“ hinsichtlich des Auftrages zum Schutz vor Gewalt
> Der DBS identifiziert sich mit den Vorhaben der Umsetzung der Handlungsempfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe und der Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter zum Bundeskinderschutzgesetz, insbesondere diejenigen zum erweiterten Führungszeugnis. Die Umsetzung erfordert eine verbandsspezifische Konkretisierung der Handlungssettings.

Vernetzung
> Enge Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund/der Deutschen Sportjugend
> Enge Kooperation mit externen Fach- und Beratungsstellen

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