Kein (Wahn)witz: Paralympicssieger Rehm geht unter die Briefschreiber

Der Weitspringer kämpft weiter um eine Olympia-Teilnahme. Der unterschenkelamputierte Sportler hofft jetzt auf Hilfe des Leichtathletik-Weltverbandschefs.

Paralympics-Sieger Markus Rehm plant einen Brief (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Paralympics-Sieger Markus Rehm plant einen Brief (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Naivität oder kluger Schachzug? Paralympicssieger Markus Rehm will sich im Kampf um einen möglichen Start bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nun direkt an den Leichtathletik-Weltverbandspräsidenten Sebastian Coe wenden. Der unterschenkelamputierte Prothesen-Springer wird gemeinsam mit Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), einen Brief an den Engländer schreiben und zugleich ein persönliches Gespräch anregen.

„Wir wollen genaue Informationen zur Regeländerung, damit ich weiß, was ich an Daten liefern muss, und noch mal klarstellen, dass wir die Entscheidung für nicht ganz glücklich halten“, sagte Rehm am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte darüber die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) berichtet.

Rehm tappt im Dunkeln

Kriegt demnächst Post: IAAF-Chef Sebastian Coe (Foto: Jean-Christophe Bott/dpa)

Kriegt demnächst Post: IAAF-Chef Sebastian Coe (Foto: Jean-Christophe Bott/dpa)

Der Weitsprung-Weltrekordler erhofft sich konkrete Aussagen über die Regeländerung des Weltverbandes IAAF, die im vergangenen August kurz vor Coes Wahl zum Präsidenten beschlossen wurde. Rehm muss demnach nachweisen, dass seine Prothese ihm keinen Vorteil bringt – ein Start bei größeren Wettkämpfen der Nichtbehinderten ist damit quasi ausgeschlossen.

Doch über die genaue Regelauslegung weiß Rehm bis heute nichts. „Sie sollen uns sagen, was ihrer Meinung nach bei so einer Messung genau gemessen werden soll“, erklärte Rehm. „Nicht, dass es irgendwann die Möglichkeit gibt, eine solche Messung zu machen, und dann das Ergebnis nicht anerkannt wird.“ Es sei nicht richtig, „einem Athleten vorzuwerfen, dass er sich einen Vorteil verschafft, ohne das irgendwas nachgewiesen ist.“

„Kein Gegner, sondern Verbündeter“

Für Rehm ist der Weltverband „kein Gegner, sondern eigentlich ein Verbündeter. Denn wir haben beide die gleichen Interessen, wir wollen unseren Sport nach vorne bringen.“

In Rio würde Rehm bei den Olympischen Spielen auch außerhalb der Wertung starten. „Ich bin sehr kompromissbereit und weiß auch um die Tragweite einer solchen Entscheidung. Aber ich sehe einfach eine große Chance und nicht eine Gefahr, wie viele andere.“ Er wolle niemandem eine olympische Medaille wegnehmen. „Meine Medaillen kann ich bei den Paralympics gewinnen.“ Stattdessen würde sein Olympia-Start noch mehr Aufmerksamkeit für die Leichtathletik generieren.

Ein „Wahnwitz“

Beucher hofft wie Rehm auf eine schnelle Antwort von Lord Coe. Für Beucher hätten sich die Mitglieder des IAAF-Councils vor Angst „schäbig in die Büsche geschlagen“. Es sei ein „Wahnwitz“, dass die Beweislast dem Athleten aufgebürdet werde, sagte er der „FAZ“.

(RP/mit Materialien von dpa)

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